Berlin : Berliner Ensemble: Der Dramaturg als Lückenbüßer

Der Albtraum eines jeden Theater-Intendanten wurde am Donnerstagabend für Claus Peymann wahr: Einer seiner Hauptdarsteller hatte schlicht und einfach vergessen, dass er am Abend auf der Bühne stehen sollte und stattdessen einen freien Tag genommen. Von Traugott Buhre, der in Thomas Bernhards "Der Ignorant und der Wahnsinnige" den Vater der "Königin der Nacht" spielen sollte, war weit und breit keine Spur zu finden, die Fahndung blieb erfolglos.

Peymann musste, wie das Theater am Freitag mitteilte, kurz nach dem geplanten Vorstellungsbeginn um 20 Uhr vor den Vorhang treten und dem zahlreich erschienenen Publikum verkünden, dass das Ensemble nicht ganz so zahlreich erschienen sei.

Um die fast 600 Zuschauer nicht zu enttäuschen und die Vorstellung nicht absagen zu müssen, wurden in aller Eile zwischen 19.25 und 19.58 Uhr vier Kandidaten für eine Umbesetzung auserkoren: Nachdem der Feuerwehrmann ausschied, der Regisseur Philip Tiedemann für zu jung befunden und Peymann von George Tabori auf der Abendprobe für die nächste Premiere erwartet wurde, fiel das Los auf den Dramaturgen Hermann Beil.

"Dieser erntete für seine unerschrockene Turbo-Übernahme bereits zur Pause Bravos und wurde am Schluss enthusiastisch gefeiert", betonte das Theater und zog ein "Fazit (frei nach Thomas Bernhard): "Herrscht hier auch das Chaos, auf die Dramaturgen ist Verlass." Und: Ebenso nach Thomas Bernhard: Die Kunst und alles was damit zusammenhängt ist als Ganzes genommen eine ungeheure Nervenanspannung. Damit wäre wohl die Situation von Hausherr Peymann trefflich formuliert.

Glück im Unglück: Die Rolle des Vaters ist nicht gerade textlastig, erfordert allerdings fast ständige Präsenz auf der Bühne.

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