Berliner FDP : Meyer will Löning beerben

FDP-Fraktionschef Christoph Meyer will auch den Landesvorsitz der Liberalen übernehmen. Das kündigte er am Freitag in einem Brief an Parteifreunde an. Der 34-jährige Jurist will auf dem Landesparteitag am 19. März kandieren.

320552_0_7727d5f2.jpg Foto: Promo
Christoph Meyer -Foto: Promo

Der amtierende Landesvorsitzende Markus Löning hatte vor Tagen bekannt gegeben, dass er sich nicht zur Wiederwahl stellen werde.

Meyer gehört zur relativ großen jungen Generation in der Berliner FDP-Fraktion. Er ist Berufspolitiker im Wortsinn – seine Laufbahn als Parlamentarier begann er während des Studiums. Er kennt sich mit dem Berliner Etat so gut aus wie mit den unübersichtlichen innerparteilichen Machtverhältnissen – gerade deshalb fühlt er sich offenbar berufen, Fraktion und Partei zu führen. Im Abgeordnetenhaus überzeugt der humor- und ironiebegabte FDP-Mann eher durch Sachkenntnis als durch rhetorische Angriffslust, die seinen Vorgänger Martin Lindner trieb. Nachhaltiger wirkte Meyer schon seit Jahren in der und auf die notorisch streitfreudige FDP. Noch-Landeschef Löning konnte sich lange auf Meyers Fähigkeiten als Mehrheitenbeschaffer verlassen.

Meyer entwickelte, während Löning den Landesverband leitete, sein bei jungen Politikern nicht so häufiges Talent zum mathematisch-strategischen Denken: In einer Zeit, in der jeder Wahlparteitag zum Kampf-Parteitag wurde, berechnete Meyer präzise die Truppen, was bei einer 3000-Mitglieder-Partei und einem komplizierten Delegiertensystem nicht leicht ist. Gelegentlich schaffte es Meyer, vor einer Kampfabstimmung etwa zwischen Löning und Lindner deren Ausgang vorauszusagen, mit einer Fehlerquote von einer Stimme.

Das liegt nicht nur an Meyers Kondition beim Telefonieren und der Pflege politischer Freundschaften. Er weiß, wie man Anhänger gewinnt. Die inzwischen erreichte „Geschlossenheit“ sei Grundlage der jüngsten Wahlerfolge, schreibt er in einem Bewerbungsbrief an seine Parteifreunde. Nun will er die „Kampagnenfähigkeit“ der FDP verbessern. Im März wird sich zeigen, wie viele Parteifreunde ihm das zutrauen – und ob Meyer seine Mehrheit vor der Abstimmung ansagen kann. wvb.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben