Berlin : Berliner Gas-Explosion: Vor dem Unglück ein lautstarker Ehestreit

Werner Schmidt

Die Fahndung nach Lothar Terletzki läuft auch Hochtouren, war aber bisher vergeblich. Der 57-Jährige soll Montag früh die Gasexplosion im Haus Herderstraße 6 in Charlottenburg ausgelöst haben. Dabei nahm er offenbar auch in Kauf, dass seine Ehefrau schwer verletzt oder gar getötet wurde. Diese hielt sich zum Zeitpunkt der Explosion in der Wohnung im zweiten Stockwerk des Hinterhauses auf. Bei der Explosion wurden vier Hausbewohner und fünf Polizisten teils schwer verletzt. Eine 47-jährige Frau ist noch in Lebensgefahr.



Unmittelbar nach der Detonation sahen andere Anwohner die Ehefrau des Gesuchten, als sie verstört und verschreckt, aber unverletzt über die Trümmer und Glassplitter im Innenhof lief. Sie soll auch die Erste gewesen sein, die gegenüber der Polizei den Verdacht geäußert hatte, ihr Mann könne bei der Explosion seine Hand im Spiel gehabt haben. In seiner Wohnung wurden später Beweise gefunden, die den Verdacht stützten. In der Nacht soll es zwischen dem Ehepaar einen lauten Streit gegeben haben, durch den sogar Nachbarn erwachten.

Terletzki riskierte, bei der Explosion selbst getötet zu werden. An mehreren Stellen im Keller waren Muffen von der Gasleitung entfernt, Schläuche sollten das Gas von der Leitung unter der Decke zum Boden führen. Dort standen brennende Teelichter, die das Gas-Luft-Gemisch schließlich zündeten. Ungeklärt ist, wann die Manipulationen vorgenommen wurden und wie lange das Gas bereits ausgeströmt war. Ein explosionsfähiges Gemisch besteht erst, wenn in der Luft 4 bis 15 Prozent Erdgas enthalten sind. Nach der Detonation, die im vorderen Bereich des Seitenflügels stattfand, wurden im Keller des unbeschädigt gebliebenen Hinterhauses noch brennende Teelichter gefunden.

Ob es nun der Streit mit seiner Frau war und die Krise in der Ehe, die ihn zu der Tat veranlassten, oder ob der Zorn auf die Eigentümergemeinschaft als Tatmotiv in Frage kommt, ist noch immer ungeklärt. Er hatte, wie berichtet, einen Rechtsstreit mit der Hausverwaltung über die relativ geringe Summe von 2500 Mark vor Gericht verloren. Dabei ging es um ausstehende Wohngeldzahlungen sowie verweigerte Sonderzahlungen, zu der sich die Eigentümergemeinschaft verpflichtet hatte.

Das Ehepaar Terletzki erwarb die Maisonettewohnung im Hinterhaus nach der Umwandlung des Gebäudes 1982. Dem jetzigen Verwalter galt er als normaler Eigentümer, mit dem die üblichen Diskussionen, "wie sie es in jeder Eigentümergemeinschaft gibt", geführt werden mussten. Insgesamt aber "kann ich nichts Negatives sagen", berichtete der Verwalter. Bis zu ihrem Tod lebte in der Wohnung auch die Schwiegermutter von Lothar Terletzki.

Hinweise auf den jetzigen Aufenthaltsort des Mannes gibt es nach Darstellung der Polizei bisher keine. Zwar meldeten sich einige seiner Bekannten bei der ermittelnden Kripo-Dienststelle, "sachdienliche Hinweise" allerdings seien bisher nicht eingegangen, sagte ein Polizeisprecher.

Die Fahndung nach dem Mann mit dem Pferdeschwanz läuft bundesweit. In Frankfurt (Oder) glaubte eine Polizeistreife gestern Mittag, Terletzki sei ihr ins Netz gegangen. Über Funk wurden Bilder des Gesuchten angefordert, eine Überprüfung des Mannes ergab jedoch, dass es sich nicht um den Gesuchten handelte. Nach Auskunft des Polizeisprechers gibt es derzeit keine Anhaltspunkte, wo sich Terletzki aufhalten könnte. Hinweise, dass er plane, sich selbst zu töten, gebe es ebenfalls nicht.

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