Berliner Hotelaktion : Urlaub zu Hause

Rund 6600 Hotelgäste hatten keinen langen Anfahrtsweg an diesem Wochenende: Sie übernachteten in der eigenen Stadt in fremden Betten.

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Neuer Luxus in altem Haus. Monika Quindt-Zibell und Axel Zibell gefiel das im Dezember eröffnete Hotel am Steinplatz.
Neuer Luxus in altem Haus. Monika Quindt-Zibell und Axel Zibell gefiel das im Dezember eröffnete Hotel am Steinplatz.Foto: Cay Dobberke

Freundliches Personal, „totaler Luxus“ und ein „wunderschönes Ambiente“ – darüber freuten sich Monika Quindt-Zibell und Axel Zibell im neuen Hotel am Steinplatz, als sie am Wochenende im Rahmen der Aktion „Erlebe Deine Stadt“ in dem Jugendstilbau des Charlottenburger Fünf-Sterne-Hauses übernachteten. Dabei hatten die Eheleute aus Lichtenrade ursprünglich ein großes Hotel wie das Waldorf-Astoria gesucht, doch dort waren die Zimmer zum Sparpreis zu schnell ausgebucht. Das im Dezember eröffnete Fünf-Sterne-Haus am Steinplatz hat nur 84 Zimmer, aber „alles stimmt, wir genießen es vollends“.

Mehr als 6000 Berliner schliefen an diesem Wochenende außer Haus

Die Rentnerin und der Lehrer gehörten zu insgesamt rund 6600 Berlinern und Brandenburgern, die am Wochenende in 78 Hotels der Stadt gastierten. Zum vierten Mal hatten die Tourismusgesellschaft Visit Berlin und deren Partnerhotels dazu eingeladen, die Hotellerie mal aus der Sicht von Touristen zu erleben – für 55 Euro pro Person. Damit will die Branche den „Wirtschaftsfaktor Nummer eins“ in Berlin hervorheben und Ressentiments gegen die Touristenströme entgegenwirken. Und natürlich sollen Berliner das jeweilige Hotel weiterempfehlen.

Mit fachkundigem Blick begutachtete die Architektin Katja Bechmann, die mit ihrem Ehemann aus Prenzlauer Berg ins Hotel am Steinplatz gekommen war, das restaurierte Baudenkmal und dessen Einrichtung, die Jugendstil, Art déco und die Moderne mischt. „Das ist schon etwas Besonderes, wenn auch zum Teil ein bisschen wuchtig“, fand Bechmann. Besonders „hochwertig“ wirkten erhaltene Originalteile in dem 1907 erbauten Haus, das ebenso wie die Hackeschen Höfe in Mitte nach Entwürfen des Architekten August Endell entstanden war. Vor dem Auschecken am Sonntag wollte Bechmann noch zum Kino Zoo-Palast spazieren, um sich ein Bild von dessen Restaurierung und Modernisierung zu machen.

Die Berliner Hotels überzeugten nicht alle

Erstmals beteiligt an der Aktion war auch das Luxushotel Marriott am Potsdamer Platz. „Großartig!“, lautete das Fazit von Brigitte und Norbert Walcebok aus Reinickendorf, die sich dafür interessiert hatten, weil sie von einer Reise das Marriott in Bangkok in guter Erinnerung behalten haben. „Nur der Wellnessbereich ist viel zu klein“, sagten sie über das Berliner Marriott.

Im Andel’s Hotel in Prenzlauer Berg fanden Dorothea Schuchardt und ihr Lebensgefährte Mario Großmann aus Tiergarten nur die Zimmer gut. Die Gründerin einer PR- und Eventagentur und der Immobilienunternehmer logierten in dem Vier-Sterne-Superior-Hotel mit 557 Zimmern, das seit fünf Jahren an der Stelle der langjährigen Bauruine am S-Bahnhof Landsberger Allee steht. Im Wellnessbereich war es Schuchardt und Großmann zu voll, die Lobby fanden sie „kalt wie eine Kongresshalle“ und den Service „nicht perfekt“ .

Zufriedener zeigten sich Sven Axel Kordus und seine Frau Brigitta Hübner aus Wilmersdorf im Vier-Sterne-Hotel NH Berlin Mitte an der Leipziger Straße. Kordus lobte „das beste Bett, das ich je in einem Hotel erlebt habe“ und den „freundlichen Empfang“. Am Samstagabend besuchte das Paar auch kurz das Park Inn am Alexanderplatz, das unter dem Motto „Winterhimmel in Berlin“ auf seine Dachterrasse in 150 Metern Höhe einlud. Für Kordus war es der Höhepunkt des Wochenendes – die Aussicht sei ja „ähnlich gut wie aus dem Fernsehturm“.

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