Berlin : Berliner Lustgarten: Eine grüne Oase für die "Tempelstadt der Kultur"

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Die Grasbeete des Lustgartens sind mit Lichterketten markiert, der Brunnen in der Mitte springt festlich beleuchtet, und die Bronze-Skulpturen an der Freitreppe zum Alten Museum werden in violettes Licht getaucht - all das spät abends. Das Museum ist längst geschlossen, dennoch kämpfen sich die Besucher erwartungsvoll wacker durch Regen und Wind: Der Platz vor dem Schinkel-Bau, dieses gärtnerische Entrée zur Museumsinsel, hat die kulturelle Prominenz dieser Stadt geladen, um der Premiere eines Videofilms beizuwohnen. Peter Schamoni, Regisseur und Produzent, war während der Arbeiten zu seinem Film über den letzten deutschen Kaiser ("Majestät brauchen Sonne") auf teilweise unbekanntes Filmmaterial über den Lustgarten gestoßen. Und da der Garten der Könige und Bürger inmitten der Stadt just wieder einmal erneuert wurde, die Kamera bei der Umgestaltung dabei sein konnte, entstand die triptychonartige Videoinstallation "Der Berliner Lustgarten - Brennpunkt deutscher Geschichte".

Bevor die ersten Bilder auf den drei Leinwänden unter den beleuchteten Engeln und Knaben in der Rotunde des Alten Museums zu laufen beginnen, preisen Redner die Grünanlage am Schlossplatz als Teil der "Tempelstadt der Kunst und Kultur", in der "die Zeugnisse von 6000 Jahren Menschheitsgeschichte" versammelt sind (Klaus-Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz). Henning Schulte-Noelle, Vorstandsvorsitzender der Allianz-AG, verweist auf das sichtbare, folgenreiche Wirken der Allianz-Umweltstiftung, die 3,5 Millionen Mark für den am 24. September 1999 feierlich wiedereröffneten Lustgarten spendiert hatte - noch einmal so viel kam vom Senat. "Mit Hilfe der Allianz ist es gelungen, den Lustgarten als zentralen Garten der deutschen Hauptstadt wiedererstehen zu lassen", lobt Kultursenator Stölzl. "Nach der Rekonstruktion des Zeughauses, des Alten Museums und des Berliner Doms, die alle im Krieg schwer beschädigt worden waren, ist damit Hegels Vier-Säulen-Konzept des Staates wieder neu repräsentiert. Nur das Zentrum fehlt noch", sagt Stölzl und fügt, starker Beifall, hinzu: "Das Schloss ruft nach einer großen Lösung."

Dann der Film mit seiner Dokumentation des Lustgartens als ersten Berliner Garten, beschaulichen Ort höfischer Feste, preußischer Militärparaden und schließlich als Platz politischer Massenkundgebungen. Ausschnitte aus historischen Wochenschauen und Teile des Films von Beate Schubert über das Stadtschloss und seine Sprengung vermitteln das Kolorit jener Zeiten, von denen wir weit entfernt sind und die dennoch bis ins Heute wirken. Alle Mächtigen haben sich auf ihre Weise des Lustgartens bedient, besonders schlimm die Nazis mit ihrem kollektiven Schulterschluss bei Massen-Appellen zwischen Fahnenwänden.

Das quadratische Pflaster war uns allzu lange von damals geblieben - nun endlich, angesichts der Neugestaltung nach den Plänen von Hans Loidl, kann sich das Auge am Gartengrün und an der Leichtigkeit und der Lust des Seins vor der Kulisse des Alten Museums erholen: Nun haben wir wieder diesen öffentlichen "Salon mit Kultur". Von ihm sind es nur ein paar Schritte hinüber ins Bundeskanzleramt, aber das Wetter führte zu der Kuriosität, dass die Premierengäste mit Omnibussen ins Staatsratsgebäude chauffiert wurden. Dort gab es Häppchen, Getränke und freundliche Worte von Staatsminister Julian Nida-Rümelin: Ja, die Rekonstruktion des Lustgartens habe Symbolkraft, denn auch die Gestaltung des Schlossplatzes wird ein gemeinsames Projekt von Bürgerschaft, Stadt, Bund und Industrie sein. Eines Tages, immerhin.

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