Berlin : Berliner Messegelände: Wird das defizitäre ICC abgerissen?

CD

In der Diskussion um Ausbaupläne für das Messegelände wurde gestern überraschend die Zukunft des defizitären Internationalen Congress Centrums (ICC) in Frage gestellt. Der Vize-Chef der SPD-Fraktion, Hermann Borghorst, regte im parlamentarischen Wirtschaftsausschuss an, die Verluste von jährlich 16 bis 30 Millionen Mark mit den Kosten eines Abrisses und Neubaus zu vergleichen. Dies bedeute aber noch nicht, dass er den Abriss fordere, so Borghorst.

Ähnlich äußerte sich Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner (CDU) nach der Sitzung. Derartige Gedankenspiele seien jedoch ein "langwieriger Prozess". Messe-Chef Raimund Hosch sagte dem Tagesspiegel, ein Neubau sei "betriebswirtschaftlich gesehen" durchaus eine Alternative. Der Bau des 1979 eröffneten ICC hatte mehr als eine Milliarde Mark gekostet. Käme es zum Abriss, könnten kleinere Kongresse vorübergehend in einer geplanten "TV-Arena" in der Avus-Nordkurve stattfinden, fügte Hosch hinzu.

Der Messe-Chef erläuterte ein Gesamtkonzept für den Ausbau des Geländes, mit dem sich das landeseigene Unternehmen gegen andere Messestädte behaupten will. Überall in Deutschland seien Vergrößerungen geplant, berichtete er - sogar in Hannover, das mit 450 000 Quadratmetern deutlich mehr Ausstellungsfläche habe als Berlin. Hier solle eine neue Halle einen Zuwachs von 160 000 auf 180 000 Quadratmetern bringen. Nach dem geplanten Abriss der Eissporthalle an der Jafféstraße werde die Messe außerdem den Südeingang neu gestalten.

Auch Pläne privater Investoren für zwei Hotels mit zusammen 1000 Zimmern gehören zum Konzept. Gegenüber dem Internationalen Congress Centrum ist ein "ICC Hotel" vorgesehen. Eine Firma erwägt, dort auch ein "Entertainment Center" anzusiedeln. Das zweite Hotel könnte vor dem Messe-Haupteingang am Hammarskjöldplatz entstehen. Die Zwillingstürme sollen nach dem jetzigen Planungsstand 70 bis 80 Meter hoch werden. Der 125 Meter hohe Funkturm stünde so nicht im Schatten der Neubauten. Das von Hosch präsentierte Modellbild zeigte allerdings noch die bisher diskutierte Hotelhöhe von mehr als 100 Metern. Wirtschaftssenator Branoner sagte, der Senat wolle "im ersten Quartal" dieses Jahres über das Gesamtkonzept entscheiden.

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