Berlin : Berliner Nachrufe: Hans-Jörg Lehmann - geboren 1949

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Es hat schon in der Schule angefangen. Ganz früh, in der achten Klasse, die Begeisterung für diesen kleinen weißen Ball, den man quer über den Pausenhof schießen kann, um sich, wenn er das andere Tor getroffen hat, begeistert in die Arme zu fallen. Jede Woche, immer wieder und immer besser, Hockey.

Die ganze Schulzeit über, die Ausbildungszeit, die ersten Ehejahre. Bis die Kinder anfangen, auch mit dem Hockeystock über das Feld zu wackeln. Denn der junge Trainer, der die Kleinen betreut, ist zwar als Trainer eine Bombe, als Organisator aber eine Katastrophe. Also tauscht Hans-Jörg Lehmann seinen Hockeystock gegen bunte Haargummies, Nutellabrote, Schnürsenkel und ein paar Eisbeutel ein. Er kauft sich einen Bus, um seine Knirpse vom TUS Lichterfelde von Spiel zu Spiel fahren zu können und ist derjenige, der einzige, der zwei zankende und streitende Mädchen wieder beruhigen kann.

Ehrgeizig sind sie alle. Der junge Trainer hat sich in den Kopf gesetzt, die Kleinen bis in die Bundesliga zu bekommen. Die verlieren zwar noch jedes Spiel gegen den fast übermächtigen Gegner BHC, den Berliner Hockey Club, den Hockey Verein Berlins, aber der Trainer ist sich dennoch sicher, "wir kommen in die Bundesliga".

Wenn wir Meister werdendann färben wir uns die Haare

An einem dieser Tage, dieser eher aussichtslosen Tage, muss die Idee zwischen dem Trainer und Hans-Jörg Lehmann geboren worden sein. Wenn wir es schaffen, den BHC zu schlagen und Berliner Meister werden, dann färben wir uns die Haare! Dass beim BHC die Kellers spielen, von denen der Opa-Keller schon bei Olympia war, das macht die ganze Sache noch ein bisschen spannender. Im September 1992 ist es dann so weit. Der TUS Lichterfelde steht im Endspiel um die Berliner Meisterschaft. Ohne bei den Vorspielen auch nur ein Gegentor kassiert zu haben. Sein Gegner: der BHC. Und von dem müssen sie auch gleich das einzige Gegentor der ganzen Meisterschaften einstecken. Das Resultat: Der TUS Lichterfelde wird Berliner Meister. (Der BHC musste ganz einfach noch ein Tor mehr einstecken.)

Die Damen steigen tatsächlich auf

Man entscheidet sich für lila. Auswaschbar soll die Farbe allerdings schon sein. Immerhin hatte es Hans-Jörg Lehmann in seinem Dienst jeden Tag mit Kunden zu tun, er war von Beruf Vertreter. Dass sich auswaschbare Farbe in blonden Haaren allerdings derart gut hält, hat er nicht gedacht. Aber es ist den Sieg wert. Und hat vielleicht auch ein wenig Anteil daran, dass die Kinder, die mittlerweile Damen sind, tatsächlich bis in die Bundesliga aufsteigen. Kurz danach stieg er wieder in die Seniorenmannschaft seines Heimatvereins des TC Blau-Weißß ein.

Und dann ist er vor einigen Wochen gestorben, der Hans-Jörg Lehmann, mitten beim Spiel, auf dem Hockeyfeld.

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