Berlin : Berliner Neonazis pflegen seit Jahen gute Kontakte zu schwedischen Gleichgesinnten

Frank Jansen

Die jetzt bekannt gewordenen Kontakte zwischen Berliner Neonazis und gewalttätigen Rechtsextremisten in Schweden stehen offenkundig in einer länger währenden Tradition. Schon Anfang der neunziger Jahre seien Anleitungen zum Bau von Bomben nach Berlin geschickt worden, sagte jetzt der Szene-Aussteiger Ingo Hasselbach in einem Gespräch mit dem Tagesspiegel. Vor allem die Terrorgruppe "Weißer Arischer Widerstand" (Vitt Ariskt Motstand, VAM) habe Instruktionen für militante Aktionen versandt, dazu auch Hitlerbilder, Videos, Aufkleber und Propagandaschriften. Die Berliner Szene habe großes Interesse am Material des VAM gehabt, erinnert sich Hasselbach. Aus den Reihen der VAM-Nachfolger sind im letzten halben Jahr in Schweden, wie berichtet, mehrere Mordanschläge verübt worden, bei denen drei Menschen ums Leben kamen. Die schwedischen Rechtsextremisten stehen in Kontakt mit Berliner Neonazis, die in der Spitzel-Kampagne "Anti-Antifa" mitmischen. Einer der Berliner lernt sogar Schwedisch.

Hasselbach hatte als Vorsitzender der hiesigen Neonazi-Gruppe "Nationale Alternative" Einblick in die internationalen Verflechtungen im Rechtsextremismus. Anfang 1993 verließ Hasselbach die Szene, weil er nach eigenen Angaben die terroristischen Tendenzen ablehnte. Die ehemaligen Kameraden verziehen Hasselbach den Ausstieg nicht und schickten ihm Ende 1993 einen Sprengsatz. Dieser wäre beinahe in den Händen von Hasselbachs Mutter explodiert.

Die Absender sind nie ermittelt worden. In diesem Fall ist allerdings die Täterschaft eher in der deutschen Szene zu vermuten. Dennoch schließt Hasselbach nicht aus, das Know-how für die Herstellung des Sprengsatzes könnte aus Schweden gekommen sein. Die VAM verübte 1991 mehrere Terrorakte, vom Überfall auf einen Polizeiposten bis zum Bombenanschlag auf den Hauptbahnhof von Stockholm. Damit sollte VAM-Chef Klas Lund freigepresst werden, der zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden war. Inzwischen befindet sich Lund wieder auf freiem Fuß. Er gibt eine Publikation der 1997 gegründeten Gruppe "Nationale Jugend/Schwedischer Widerstand" heraus. Nachdem ein engagiert gegen Neonazis auftretender Gewerkschafter im letzten Oktober in Stockholm mit sechs Schüssen umgebracht worden war, verhaftete die Polizei drei Neonazis, die der "Nationalen Jugend" zugerechnet werden.

Laut Hasselbach hat der Hamburger Szene-Anwalt Jürgen Rieger etwa ab 1993 versucht, Kontakte zwischen deutschen und schwedischen Neonazis zu vermitteln. Rieger selbst kaufte sich in Schweden ein Gut und erhielt für die dort betriebene "ökologische Landwirtschaft" Subventionen von der Europäischen Union.

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