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Berliner Pannen-Flughafen : BER-Chef Mühlenfeld droht das Aus

Der BER-Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld steht nach der Entlassung des Technikchefs selber vor dem Rauswurf. Am Mittwoch soll es nach Tagesspiegel-Informationen eine Sondersitzung geben.

Flughafenchef Karsten Mühlenfeld im Terminalgebäude des Hauptstadflughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER).
Flughafenchef Karsten Mühlenfeld im Terminalgebäude des Hauptstadflughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER).Foto: Patrick Pleul/dpa

Die Entlassung von BER-Technikchef Marks könnte zugleich die letzte wichtige Entscheidung von Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld gewesen sein: Nach Tagesspiegel-Informationen wird in Gesellschafterkreisen intensiv über einen Nachfolger gesprochen. Aus Senatskreisen heißt es nun, dass es am Mittwochabend höchstwahrscheinlich eine BER-Sondersitzung geben werde. Ein entsprechender Antrag sei bereits gestellt worden. Auf dieser Sitzung könnte die Zukunft Mühlenfelds thematisiert werden.

Auf Mühlenfeld werde jetzt „mit aller Härte und Konsequenz geschaut“, hieß es. Als Kandidaten für mögliche Nachfolger werden die Aufsichtsratsmitglieder Rainer Bomba (Bund) und Engelbert Lütke Daldrup (Berlin) genannt. Mühlenfeld hatte trotz einer Warnung im Präsidialausschuss des Aufsichtsrats eigenmächtig gehandelt und als Nachfolger von Marks den Projektberater Christoph Bretschneider engagiert. Dieser soll bis zur Eröffnung des BER ein Tageshonorar von 1700 Euro erhalten. Das Verhalten Mühlenfelds wurde als „unterirdisch“ bezeichnet.

Nach dem Bund ist jetzt auch Berlin an einer kurzfristigen Sondersitzung des Aufsichtsrats wegen des Personalwechsels in der Bauführung interessiert. Dazu gab es am Sonnabend Abstimmungsgespräche. Dies deutet auf den Wunsch hin, Konsequenzen zu ziehen, da die nächste reguläre Sitzung bereits am 17. März wäre. Nach derzeitiger Lage erscheint es ausgeschlossen zu sein, dass die Gesellschaftervertreter Mühlenfeld in einer Sondersitzung mehrheitlich das Vertrauen aussprechen. Einen Termin für eine solche Sitzung gibt es allerdings noch nicht, neben Brandenburg müssten auch die Arbeitnehmervertreter zustimmen.

Zusätzliche Dynamik in die Sache gebracht hatte ein Tagesspiegel-Interview mit Mühlenfeld. Darin hatte der Flughafenchef behauptet, er habe einen Nachfolger für Marks „schon seit ein paar Wochen gesucht. Und das war mindestens dem Anteilseigner Berlin bekannt.“ Senatssprecherin Claudia Sünder wies dies am Sonnabend auf Nachfrage entschieden zurück: „Die Anteilseigner wurden in dieser Woche von Mühlenfelds Personalentscheidung vollkommen überrascht.“

Einem solchen Wechsel hätte der Aufsichtsrat zustimmen müssen

Die Gesellschafter prüfen unterdessen, ob der Flughafenchef beim Personalwechsel einen Regelverstoß beging. Mühlenfeld hatte Bretschneider zunächst als „Nachfolger“ von Marks bezeichnet; einem solchen Wechsel hätte der Aufsichtsrat in jedem Fall zustimmen müssen. Engagiert wurde der frühere Bahnmanager allerdings nicht als Angestellter wie Marks (Jahresgehalt mit Boni und Altersvorsorge 270000 Euro), sondern als Berater auf Honorarbasis, wie Mühlenfeld öffentlich erstmals im Interview mit dem Tagesspiegel klarstellte.

Als Tagessatz sind 1700 Euro für Berater nicht ungewöhnlich. Allerdings werden solche Verträge selten für eine Vollzeitbeschäftigung über so lange Zeit abgeschlossen. Zum Vergleich: Das Engagement des Frankfurter Flughafenmanagers Wilhelm Bender für den BER scheiterte 2013 an dessen Forderung von täglich 2500 Euro plus Spesen (1500) an zwei Tagen pro Woche. Bretschneider soll neben seinem Vollzeit-Tagessatz von 1700 Euro keine Spesen abrechnen können.

Beraten lässt sich die Flughafengesellschaft auch vom Unternehmen Roland Berger, das unter anderem die Baufortschrittsberichte erstellt. Im vergangenen Oktober hatte der Aufsichtsrat einer Aufstockung des Vertrags zugestimmt: Für zwölf Mitarbeiter bekam Berger im vergangenen Jahr sieben Millionen Euro, für 2017 sind fünf Millionen Euro geplant. Die Geschäftsführung der Flughafengesellschaft begründete die Notwendigkeit weiterer Beratung damit, dass „die Defizite der internen und externen Projektorganisation (…) eine externe Unterstützung in Form von Organisationsberatungsleistungen“ erforderten.

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