Berliner Polizei : Mit dem Handy überführt

Die Allgegenwärtigkeit der Handys erleichtert der Polizei die Arbeit. Bei der Feuerwehr bricht zuweilen das Netz zusammen.

Jörn Hasselmann
Handy-Beweis
Kommissar Handy. Immer öfter werden Straftäter überführt, weil die Zeugen ein Mobiltelefon dabei hatten. -Foto: ddp

Der Handy-Boom hat der Polizei in der ersten Zeit vor allem eines beschwert: Arbeit. Handys gehen verloren, Handys werden gestohlen, Handys werden geraubt. Doch inzwischen helfen die allgegenwärtigen Mobiltelefone der Polizei auch immer öfter bei ihren Ermittlungen. Die Zahl der Fälle, in denen Zeugen oder Opfer Straftaten mit ihrem Mobiltelefon aufnehmen, steigt – zur Freude der Ermittler. „Uns ist jede Hilfe recht, die auf die Spur eines Täters führt“, sagte ein Polizeisprecher.

Ein Beispiel von vielen: Es war die Kellnerin einer Pizzeria in Köpenick, die vor einigen Tagen auf dem Weg zur Arbeit einen jungen Mann beobachtete, der mit einer Sprühdose das Lokal beschmierte. Die 20-Jährige griff sofort zum Handy – und schoss mehrere Fotos von dem Schmierer. Erst dann rief sie die Polizei. Als die Beamten eintrafen, zeigte die Angestellte ihnen die Bilder auf dem Display – wenige Minute später entdeckten die Beamten den Schmierer in einer Straßenbahn und nahmen ihn fest.

In wie vielen Fällen ein Handy zur Aufklärung einer Straftat beigetragen hat, wird in der Polizeistatistik nicht erfasst. Doch viele Beamte können aus ihrem Alltag Beispiele erzählen. In der Schlange des Konzerts der Band „Tokio Hotel“ hatte etwa kürzlich ein Verwirrter randaliert und eine Tasche gestohlen. Eher durch Zufall hatte eine Zuschauerin gerade die Videofunktion aktiviert. Sie filmte sämtliche Straftaten. Die Polizei kopierte sich den Film – der auch später vor Gericht als Beweis dienen kann. Aber auch in anderen Bereichen ziehen die Beteiligten schnell das Handy: Bei Autounfällen wird das Telefon heutzutage benutzt, um Beweisfotos für Polizei und Versicherung zu machen. Dies empfehlen auch Versicherungen und ADAC.

Dass mittlerweile nahezu jeder Berliner ein Taschentelefon hat, merkt die Polizei auch an anderer Stelle: Die Zahl der Notrufe unter „110“, die vom Handy abgesetzt werden, steigt seit Jahren immer weiter an. 1999 war nicht einmal jeder vierte Anrufer mobil, 2000 bereits jeder dritte. Im vergangenen Jahr war es bereits jeder zweite. 609 000-mal klingelte ein Handy-Anrufer den Notruf an, insgesamt waren es 1,4 Millionen Anrufe. Die Allgegenwart des Handy sei aber auch störend, hieß es in den Leitstellen, denn sie überlaste zuweilen das interne Telefonnetz. Wenn es heute irgendwo brennt, klingele der Notruf pausenlos, hieß es bei der Feuerwehr – alle melden dieselbe Qualmwolke, und viele Anrufer wundern sich, dass sie dann in einer Warteschleife landen.

Doch nicht nur Handys helfen bei der Aufklärung von Straftaten. Kürzlich konnte die Polizei einen Räuber festnehmen, der mit Fahndungsfotos gesucht worden war. Die Bilder hatte ein Taxifahrer während des Überfalls mit einer Minikamera gemacht, die auf dem Armaturenbrett installiert war. Die Bilder waren so scharf, dass der Täter sich nach der Veröffentlichung selbst stellte, weil er ahnte, dass er wiedererkannt werden würde.

Wie berichtet, nutzt die Polizei bei der Fahndung nach Straftätern zunehmend auch die Bilder aus BVG-Kameras. Dies hatte BVG-Vorstand Thomas Necker Anfang des Monats mitgeteilt. Etwa 70 bis 80 Polizei-Anfragen gebe es derzeit monatlich, früher seien es nur 40 bis 50 gewesen. Beim Verdacht auf eine Straftat werten BVG-Mitarbeiter in der Sicherheitszentrale die gespeicherten Aufnahmen aus und erstellen eine Kopie für die Polizei. Die BVG will ab kommendem Jahr alle 170 U-Bahnhöfe mit neuer Videotechnik ausstatten, damit die Kamerabilder 24 Stunden gespeichert werden können.

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