Berlin : Berliner Polizei: Unterschriften für den Chef

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Die Führungskrise in der Berliner Polizei weitet sich aus. In der Direktion 2 (Spandau, Charlottenburg, Wilmersdorf) kursieren gegenwärtig Unterschriftenlisten in denen die rund 2500 Mitarbeiter von der Polizeiführung Aufklärung über den Austausch ihres bisherigen Direktionsleiters Klaus Keese gegen den Leitenden Polizeidirektor Michael Kreckel fordern.

In dem als Offener Brief deklarierten Schreiben heißt es, dass die "personelle Maßnahme ein erhebliches Maß an Unverständnis in den Reihen der Belegschaft der Direktion 2 hervorruft". Mit sofortiger Wirkung hatte Landesschutzpolizeidirektor Gernot Piestert vor drei Wochen die Leiter der Polizeidirektion 2, Klaus Keese, und der Direktion 6 (Köpenick, Treptow, Friedrichshain und Lichtenberg), Michael Kreckel umgesetzt.

Nur wenige Tage zuvor war Kreckel nach Ablauf der einjährigen Probezeit offiziell zum Direktionsleiter ernannt und zum Leitenden Polizeidirektor befördert worden. So schlug die Nachricht von der hektischen Personalrotation nicht bloß bei den betroffenen Dienststellen wie eine Bombe ein. Kreckel wird allgemein bereits seit längerem Führungsschwäche nachgesagt. Er habe seine Direktion "nicht im Griff" gehabt und sich ständig mit seinen Mitarbeitern angelegt.

Zwischen ihm und seinen Führungsbeamten war es dem Vernehmen nach immer wieder zu erheblichen Spannungen gekommen. Und auch mit dem Personalrat seiner Direktion soll es immer wieder "schwere Auseinandersetzungen" gegeben haben. Bedenken gegen Kreckel hatte es schon vor seiner probeweisen Einsetzung als Direktionsleiter gegeben. Nahezu alle Führungskräfte der Direktion 6 hatten sich deshalb vergeblich an Piestert gewandt.

In ihrem Offenen Brief drücken die Polizisten der Direktion 2 ihrem ehemaligen Chef Klaus Keese nun ihren Respekt aus und fordern von Polizeipräsident Hagen Saberschinsky, Vizepräsident Gerd Neubeck und Landesschutzpolizeidirektor Gernot Piestert eine Erklärung "die die getroffene Entscheidung transparenter macht".

Unterdessen mehren sich bei der Berliner Polizei allerdings auch die Gerüchte, wonach neben mangelnder Führungsqualität auch "persönliche Verfehlungen" für die sofortige Umsetzung Kreckels verantwortlich sein sollen.

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