Berliner räumen auf : Prenzlauer Berg putzmunter

Beete am Arnswalder Platz pflegen, Müllsammeln in der Wuhlheide und im Stadtbad Lichtenberg: Weil den Bezirken das Geld fehlt, greifen Bürger an diesem Wochenende wieder selbst zum Besen.

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Er könnte so schön sein, der Sonntagsspaziergang durch den Park bei Sonnenschein, der die Frühlingsblumen und das sattgrüne Gras wärmt. Die Realität sieht meist anders aus. Braunes Laub und Unkraut bedecken Beete und Grünflächen, Müll liegt herum. So sah es auch am Arnswalder Platz in Prenzlauer Berg aus – bis Carsten Meyer und seine Nachbarn bei der Tagesspiegel-Aktion „Saubere Sache“ im vergangenen September den Besen in die Hand nahmen.

Besen raus. Frühjahrsputz am Arnswalder Platz in Prenzlauer Berg: Frank Brunhorn und der kleine Leander Stiemerling räumen ihren Kiez auf. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Besen raus. Frühjahrsputz am Arnswalder Platz in Prenzlauer Berg: Frank Brunhorn und der kleine Leander Stiemerling räumen ihren...

„Es war ein jämmerlicher Anblick“, beschreibt Carsten Meyer den Zustand der Gartenanlage. Seitdem haben die Bürger dem Bezirk das Versprechen abgerungen, den Brunnen zu reparieren, die Hecken wurden gestutzt. Doch für weitere Begrünungsmaßnahmen fehle dem Bezirk das Geld, sagt Meyer. Also greifen die Anwohner selbst zu Harke und Schaufel. „Jetzt ist es erst einmal nötig, die Pflanzbeete vorzubereiten“, sagt Carsten Meyer. Die Beete waren nur eines von vielen Projekten bei der Putzaktion am Samstag, auf die sich Meyer trotz etwas trüber Wetteraussichten freute: „Der soziale Zusammenhalt ist hier ganz wichtig“, sagt er, „durch die Aktion hab ich neue Nachbarn kennengelernt.“ Und im September ist ein Kiezfest geplant.

Geselligkeit ist ein wichtiges Stichwort bei den vielen Putz- und Müllsammelaktionen, die an diesem Wochenende überall in Berlin stattfinden. Die milde Luft und gelegentliche Sonnenstrahlen locken die Menschen aus den Häusern, sie wollen zusammen Natur erleben und dabei etwas Gutes tun. Das alles verbinden die Pfadfinder bei ihrer Aktion „Putz die Wuhlheide“. Seit fünf Jahren kommen Müllsammler zusammen, um die Wuhlheide zu entrümpeln und danach am Tanzplatz zu picknicken. Die Oberschöneweider müssen ein putzfreudiges Völkchen sein, denn mittlerweile kommen mehr als hundert Anwohner zum Müllsammeln – teilweise seit Jahren. „Ich bekomme oft ganz euphorische Anmeldungen von Leuten, die schon richtig Lust auf die Aktion haben“, erzählt Franz Herling vom Pfadfinderstamm „Alexander von Humboldt“. Auch wenn die Müllsammler dem Bezirk viel Arbeit abnehmen – so ganz ohne Unterstützung geht es nicht: Die BSR stellt Besen und Eimer und fährt den Müll ab.

Brunnenstadt Berlin
Berlin ist eine echte Wasserstadt. Sie hat nicht nur viele Inseln, sondern auch richtig viele Brunnen. Wie viele? Puh, von "fast 300" spricht der Senat und meint damit nur die öffentlichen Brunnen. Na dann schauen wir doch mal. Am Ufer des Alexanderplatz sind es 39 Pumpen, 560 Düsen, 308 Scheinwerfer, 602 Kubikmeter Wasser - das sind die Wasserkaskaden unterm Fernsehturm.Weitere Bilder anzeigen
1 von 45Foto: ddp
15.04.2013 09:35Berlin ist eine echte Wasserstadt. Sie hat nicht nur viele Inseln, sondern auch richtig viele Brunnen. Wie viele? Puh, von "fast...

„Kehrenbürger“ nennt sich die Aktion der BSR, bei der auch Michael Metze mitmacht. Ihm geht es um weit mehr als nur oberflächliche Reinigung: Sein „Förderverein Stadtbad Lichtenberg“ will das denkmalgeschützte Schwimmbad wieder so weit herrichten, dass dort Ausstellungen und Veranstaltungen stattfinden können. Mit etwa zwanzig Mitstreitern kämpft der Baugutachter gegen den Verfall. Ihr Motiv ist dabei ein ganz Persönliches: „Die meisten von uns haben im Stadtbad Lichtenberg schwimmen gelernt“, sagt der 58-Jährige. Es gibt viel zu tun in dem Zwanzigerjahrebau mit den markanten Statuetten an der Fassade: Frostschäden haben dem Gemäuer zugesetzt, die Dachrinnen sind verstopft, so dass der Regen ins Mauerwerk eindringt. Metze und seine Schwimmfreunde wollen aber erst einmal klein anfangen: „Wir hoffen, dass zu der Müllsammelaktion zehn bis zwanzig Leute kommen.“

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