Berlin : Berliner Schüler im Dauer-Test

Im Namen der Qualität: Auf die Schulen kommt eine neue Welle von Studien zu. „Bärenstark“ wird ausgeweitet, Pisa geht in die nächste Runde

Susanne Vieth-Entus

DER START INS NEUE SCHULJAHR

Pisa war nur der Anfang: Berlin steht in den kommenden Jahren vor einer neuen Welle von Studien und Untersuchungen, die allesamt Aufschluss über den Wissensstand der Berliner Schüler vermitteln und Reformen den Weg ebnen sollen. Dies geht aus einer parlamentarischen Anfrage hervor, die Bildungssenator Klaus Böger (SPD) jetzt dem bündnisgrünen Abgeordneten Özcan Mutlu beantwortet hat. Mehrere hunderttausend Euro stellt Böger dafür bereit.

Im Mittelpunkt der Untersuchungen steht eine Bestandsaufnahme bei den Deutschkenntnissen der Grundschüler. Deshalb soll der so genannte Bärenstark-Test nicht mehr auf Vorschüler beschränkt, sondern auf die Zweitklässler ausgedehnt werden. Zu diesem Zweck wird der Bärenstark-Test überarbeitet: Künftig sollen die Aufgaben so konzipiert sein, dass man den individuellen Lernstand jedes Kindes zu mehreren „Messzeitpunkten“ feststellen kann. Damit wäre es erstmals möglich, die Lernfortschritte viel besser als bisher einzuschätzen. Vor allem könnten die Lehrer sehen, wie erfolgreich ihr Unterricht ist, wo die Stärken und Schwächen liegen, ob es etwa eher im Grammatikbereich hapert oder ob mehr für den Wortschatz getan werden muss.

Offen ist noch, ob Bärenstark wie bisher von allen Kindern eines Jahrgangs absolviert werden soll. Fachleute kritisieren immer wieder, dass es keinen Sinn macht, wenn auch Kinder, die perfekt oder überhaupt kein Deutsch sprechen, den Test absolvieren. Denn in diesen Fällen steht der Nutzen des Tests in keinem Verhältnis zum Aufwand, den die Lehrer bei der Erhebung und Auswertung der Daten betreiben müssen.

Die Deutschkenntnisse stehen auch bei einer Längsschnittstudie im Mittelpunkt, die vier Jahre lang den Schriftsprachenerwerb in Grundschulen untersucht. Knapp 120 000 Euro stellt Böger dafür bereit herauszufinden, mit welchen Methoden die Kinder am besten Deutsch lernen.

Weiter geht es dann mit Element. Diese Studie (Kosten 2002 - 2005: insgesamt 200 000 Euro) soll feststellen, wie gut die Grundschulen in den Klassen 4 bis 6 die Kinder im Lesen und der Mathematik auf den Übergang zur Oberschule vorbereiten. Von Bedeutung ist dies nicht zuletzt für Berlins Diskussion um Sinn und Unsinn der sechsjährigen Grundschule. Zusätzlich wird es in den zweiten und vierten Klassen noch so genannte Orientierungs- und Vergleichsarbeiten geben, die allesamt mehr Transparenz in die Leistung der Berliner Schüler bringen und die Diagnosefähigkeit der Lehrer stärken sollen. Hier kostet die wissenschaftliche Begleitung 2003 knapp 27 000 Euro.

Kurz bevor steht DESI, eine Untersuchung der Schülerleistungen im Fach Englisch zwischen 2001 und 2004. Das Ganze kostet rund 170 000 Euro, erste Ergebnisse gibt es wohl im Herbst.

Und auch mit Pisa geht es weiter. Dieses Jahr stehen 156 000 Euro bereit, 2004 nochmals 74 000 Euro. Wieder geht es um Lesefähigkeit, mathematische und naturwissenschaftliche Kenntnisse der Neuntklässler. Außerdem gibt es 2004 eine vertiefte Analyse der Leseuntersuchung Iglu, die Viertklässler 2001 absolvierten. Böger erwartet, dass die beteiligten Wissenschaftler „genauere Handlungskonsequenzen“ eröffnen werden.

„Konsequenzen“ - das erhofft sich auch Özcan Mutlu. Er hegt keine Bedenken angesichts der Flut von Untersuchungen, solange daraus wirklich praktische Schlussfolgerungen für die Schulen gezogen werden. Und auch FU-Präsident Dieter Lenzen begrüßt die Studien, „denn die Stadt und die Bürger müssen wissen, wie der Qualitätsstand an den Schulen ist“. Andernfalls würden die Schulen die Notwendigkeit „gezielter Maßnahmen“ nicht einsehen und dazu neigen, diese Maßnahmen zu unterlaufen.

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