Berliner Senat beschließt "Ablaufplan" : 18 Containerdörfer bis zum Jahresende

Bis Jahresende sollen alle Flüchtlinge aus den Turnhallen in "Tempohomes" umgezogen sein. Neue Studie über Betrugsfälle bei Handyverträgen und Wohnungsvermittlungen.

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Die Sporthallen sollen bald wieder den Sportlern gehören.
Die Sporthallen sollen bald wieder den Sportlern gehören.Foto: Kay Nietfeld/dpa

Bis zum Jahresende sollen 18 Tempohomes für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung stehen. Das würde reichen, um alle noch belegten Turnhallen freizumachen, erklärte Sozialsenator Mario Czaja (CDU). Ein entsprechender „Ablaufplan“ wurde am Dienstag im Senat beschlossen. Bislang ist nur ein Tempohome in Altglienicke in Betrieb. Neben den Containerdörfern sollen auch „zwei bis vier“ Modularbauten Ende Dezember bezugsfertig sein, sagte die Sprecherin der Finanzverwaltung, Eva Henkel. Medienberichte, der Senat wolle angesichts der gesunkenen Flüchtlingszahlen auf weitere Tempohomes verzichten, wies Henkel zurück. „Wir gehen davon aus, dass alle 30 Standorte gebraucht werden.“ Nach den Turnhallen sollten auch Großunterkünfte wie das ICC leergezogen werden. Rund 1000 Berliner Flüchtlinge können demnächst im brandenburgischen Wünsdorf untergebracht werden. Insgesamt sollen in den Tempohomes nicht mehr wie geplant 500, sondern maximal 300 Asylbewerber untergebracht werden.

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Viele Flüchtlinge geraten an Betrüger

In Berlin lebende Flüchtlinge werden häufig Opfer von Betrügern. Justiz- und Verbraucherschutzsenator Thomas Heilmann (CDU) stellte am Dienstag eine Studie des Manarah-Projektes im Auftrag der Justizverwaltung vor. Dieses Projekt hat rund 400 arabischstämmige Flüchtlinge in rund 30 Unterkünften befragt. Sehr viele Flüchtlinge hätten Probleme mit überhöhten Handyrechnungen. Zum Teil müssten sie trotz angeblicher Flatrate rund 600 Euro bezahlen. Häufig erfolge die Beratung in der Heimatsprache Arabisch, die zu unterschreibenden Dokumente seien auf Deutsch, sagte Dima Beseiso-Kamel von dem Projekt. 54 Prozent der Befragten verfügen lediglich über elementare Deutschkenntnisse. „Und viele Flüchtlinge werden von Menschen aus der eigenen Community betrogen“, sagte Beseiso-Kamel.

Verbraucher-Schulung im Deutschkurs

Flüchtlinge berichteten, dass sie bis zu 6000 Euro an angebliche Wohnungsvermittler gezahlt hätten, ohne dass ihnen eine Unterkunft vermittelt worden wäre. Betrüger hätten sich als Mitarbeiter eines „Beratungsbüros“ oder als Beauftragte von Wohnungsbaugesellschaften ausgegeben. Bekannt seien auch unseriöse Begleitungen bei Behördengängen oder bei der Übersetzung von Dokumenten.

Heilmann hat inzwischen mit Mobilfunkunternehmen Kontakt aufgenommen und sie informiert, dass möglicherweise nicht seriöse Außendienstmitarbeiter unterwegs seien. Auch die Volkshochschulen sollen im Rahmen des Kurses „Deutsch für Einsteiger“ Verbraucherthemen besprechen und Flüchtlinge aufklären. Laut Heilmann will die Staatsanwaltschaft demnächst ein Konzept vorlegen, wie man vereinfachten Kontakt zu betroffenen Flüchtlingen aufnehmen und die Vorfälle auf Strafbarkeit untersuchen könne.

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