Berliner Taxifahrer : Es geht auch schlimmer

Laut ADAC sollen die Berliner Taxifahrer ausgesprochen nett sein. Das widerspricht dem Klischee - und stimmt vielleicht auch gar nicht. Eine Glosse.

Jana Weiss
Berliner Taxifahrer warten am Bahnhof Südkreuz auf Kunden.
Berliner Taxifahrer warten am Bahnhof Südkreuz auf Kunden.Foto: Thilo Rückeis

Currywurst, Spätis, Soja-Latte, Technoclubs und Flughäfen: Berlin ist für vieles berühmt. Für Freundlichkeit eher nicht.

Das könnte sich jedoch bald ändern. Dem ADAC zufolge sind die Berliner Taxifahrer nämlich ausgesprochen nett. Der Verkehrsclub hat das Taxifahren in acht deutschen Großstädten getestet – und Berlin schneidet dabei besonders gut ab: In vier von fünf Kategorien gab’s die Note „sehr gut“. Dabei gelten doch gerade die Taxifahrer – neben Bäckereiverkäuferinnen und Busfahrern – vielen als Inbegriff der Unfreundlichkeit. Doch bis auf eine Ausnahme seien alle Taxifahrer „freundlich, gepflegt und ordentlich gekleidet“. Auch die Verständigung sei „problemlos möglich“.

Das erhebt der ADAC in einer aufwendigen Studie von sage und schreibe 20 Testfahrten auf fünf Strecken durch Berlin. Bei 7500 Taxis, die auf Berlins Straßen unterwegs sind, ist der Test natürlich repräsentativ. Das kann jeder bestätigen, der schon mal eine Kurzstrecke fahren wollte und vom Fahrer härter abgewiesen wurde als vom Türsteher vor dem Berghain. Genauso wie jeder, der auf dem Rücksitz um sein Leben fürchtete, weil es der gemeine Taxifahrer weder mit roten Ampeln noch mit dem vorgeschriebenen Mindestabstand so genau nimmt. Aber es sind ja auch nicht die Mathematiker, sondern Studenten der Geisteswissenschaften, denen oft eine Karriere in der Taxibranche prophezeit wird. Dabei scheint das Rezitieren von Hegel bei der Einstellung weniger wichtig zu sein. Essenziell hingegen: die Fähigkeit, andere Verkehrsteilnehmer lautstark beschimpfen zu können.

Es soll Fahrgäste geben, die ihr Gefährt anschieben müssen

Langweilig wird es in einem Berliner Taxi zumindest selten. Es soll Fahrgäste geben, die ihr Gefährt mitten an einer Kreuzung anschieben mussten. Oder Taxifahrer, zu deren Ausstattung neben dem obligatorischen Duftbaum, Geruchssorte Vanille, auch eine Gitarre gehört, auf der die Kunden spielen dürfen. Allerdings nicht als alternative Bezahlmethode.

Das Bezahlen scheint auch für den ADAC eines der größeren Probleme beim Taxifahren zu sein. Denn nicht in allen Taxis kann mit EC- oder Kreditkarte gezahlt werden. Das ist zwar gesetzlich vorgeschrieben. Die Berliner Taxifahrer halten es da aber mit ihren Kollegen von den Öffentlichen: Is’ mir egahahal.

Und ganz gleich, wie furchtbar die Taxifahrt ist, sollte man sich immer vor Augen halten: Es geht auch schlimmer. Man könnte, zum Beispiel, in der U8 sitzen.

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