Berlin : Berliner Zoo: PRO von Ulrich Zawatka-Gerlach

Ulrich Zawatka-Gerlach

Zum Thema Online-Umfrage: Sollen Zoo-Aktionäre auf freien Eintritt verzichten? Ist das albern: Eigentümer von Zoo-Aktien nehmen bei jedem Spaziergang zwischen Elefantenhaus und Bärengehege an einer verdeckten Gewinnausschüttung teil, weil ihnen der kostenlose Eintritt in den Zoologischen Garten zusteht. Dieses Gratisangebot war bislang eine großzügige, nette Geste an jene Traditionalisten, die das Wertpapier hegten und pflegten. Jetzt wird es ein steuerrechtlich relevanter Tatbestand, der den Berliner Zoo die Gemeinnützigkeit kosten könnte. Das träfe ihn mitten ins Herz. Ein Dolchstoß der Senatsfinanzverwaltung, die offenbar nichts Wichtigeres zu tun hat, als die Schimpansen ihrer Bananen und den Zoodirektor seines Schlafs zu berauben. Im Ergebnis dieses Husarenstreichs werden die Zoo-Aktionäre in die Zwangslage gebracht, auf ihren freien Eintritt zu verzichten, um zu retten, was noch zu retten ist. Die verdeckte Gewinnausschüttung, die den Oberfinanzbeamten so auf der Seele liegt, beträgt übrigens - wenn man den Preis einer Jahreskarte zugrunde legte - knappe drei Prozent. Als der Aktienkurs hohe Gipfel erklomm, zuletzt im Juni 1999, waren es gerade einmal 0,5 Prozent. Abgesehen davon, dass die 4000 Zoo-Aktionäre nicht durchweg wohlhabende Leute sind, sondern lediglich stolze Besitzer eines seltenen Sammlerstücks, ist durch den häufigen Besuch des Zoologischen Gartens noch niemand reich geworden. Das ist Sparpolitik à la Schilda. Harmlose Leute, denen der Zoo seit über 150 Jahren sein Aktienkapital verdankt, werden verprellt, um eine schwachsinnige Vorschrift zu erfüllen. Die Steuergesetzgebung lebt seit jeher von Ausnahmeregelungen. Warum aber reicht die Fantasie der Steuerexperten nicht aus, sich zugunsten der Aktiengesellschaft Zoo etwas Sinnvolles einfallen zu lassen?

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