BERLINS HÄFEN : Wo verladen wird und wo sich Kais verwandeln

WESTHAFEN

Größter

Berliner Hafen, eröffnet 1923. Von 1927 bis 1931 baute Ford in einer Halle 25 000 Fahrzeuge zusammen. Danach wurde die Fertigung nach Köln verlagert. Nach dem Krieg Lebensmittellager. Die in den zwanziger Jahren gebauten Hallen stehen unter Denkmalschutz. Untergebracht sind dort das Zeitungsarchiv der Staatsbibliothek und Archivbestände der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Um die Hallen gründlich zu sanieren, sind 20 Millionen Euro nötig. Gegenwärtig wird nur notdürftig ausgebessert.

Die landeseigene Hafengesellschaft Behala schlägt seit Jahren in ihren drei verbliebenen Häfen (Westhafen, Spandauer und Neuköllner Hafen) vier Millionen Tonnen Güter um, vor dem Krieg waren es bis zu zehn Millionen Tonnen. 800 000 Tonnen entfallen auf die Binnenschiffahrt. 2,2 Millionen Tonnen werden auf der Straße bewegt, rund eine Million Tonnen auf der Schiene. Die Ladungen auf der Schiene haben sich in den vergangenen Jahren verdreifacht.

Rund 120 Menschen arbeiten für die Behala, der Umsatz betrug 2005 rund 14 Millionen Euro, der Gewinn eine Million.

SPANDAUER HAFEN (SÜDHAFEN)

Die Hafenfläche wurde in den vergangenen Jahren saniert und dient als Vorhaltefläche für spätere Nutzungen. Der Hafen liegt an der Wasserstraße, die für große Containerschiffe ausgebaut wird. 180 000 Quadratmeter stehen zur Verfügung. Die Gleisanlagen sollen an den Kai verlegt werden, um Massengüter besser umschlagen zu können. Derzeit werden im Südhafen vor allem Papier und Baustoffe verladen.

HAFEN NEUKÖLLN

Dies ist der dritte noch intakte öffentliche Hafen. Umgeschlagen werden vor allem Schrott und Kies, zirka 100 000 Tonnen im Jahr. Wegen der Lage gibt es keinen Platz für weiteren Güterumschlag.

OSTHAFEN

Der Osthafen hat sich in einen attraktiven Standort für Musik, Medien und Mode verwandelt. Seit 2006 findet dort kein Warenumschlag mehr statt. Im ehemaligen Kühlhaus, dem sogenannten „Eierspeicher“, residiert Universal Music. Nebenan, im „Spreespeicher“ haben sich Kreativ-Agenturen und eine Golf-Simulationsanlage eingemietet. Weiter südlich ist MTV in eine alte Lagerhalle eingezogen. Nebenan entstehen unter dem Titel „Berlin Labels“ Schauräume für Modefirmen wie Hugo Boss. Die Brachflächen zwischen Spreespeicher und Lagerhäusern werden demnächst verkauft und bebaut. Das Gelände ist attraktiv für Investoren. Die großen Ladekräne werden allerdings im Sommer abgebaut. Denkmalgeschützt ist nur ein kleiner, fest installierter Kran.



BORSIGHAFEN

Der seltene Fall einer Hafenreaktivierung ist derzeit in Tegel zu beobachten. Für mehr als vier Millionen Euro entstehen im alten Borsighafen am Tegeler See eine neue Kaimauer samt Verladerampe. Bei der Maßnahme geht es um das wirtschaftliche Überleben der benachbarten Maschinenbaufirmen Borsig und MAN, deren große Kompressoren und Turbinen für den Straßen- oder Schienentransport in den Westhafen zu schwer geworden sind.

HUMBOLDTHAFEN

Als Mitte des 19. Jahrhunderts der Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal gebaut wurde, legte man am Abzweig zur Spree einen Hafen an, mit Ladestraßen und Lagerflächen. Um 1900 befand sich hier die einzige öffentliche Umschlagstelle. Es konnten gleichzeitig 15 Schiffe von 65 Meter Länge oder 22 Finowkähne mit einer Länge von 40 Metern abgefertigt werden. Der Hafenbetrieb wurde 1945 eingestellt, das Gelände lag später direkt an der Demarkationslinie zwischen Ost und West. Heute ist der Humboldthafen eine Freifläche mitten im Zentrum der Stadt, die Immobilienexperten aus Paris und London nur wortlos staunen lässt. Am Wasser gleich neben dem Hauptbahnhof soll ein öffentlich zugängliches Viertel mit Arkaden, Stegen, hochwertigen Büro- und Wohnhäusern nebst Hotels und Restaurants entstehen.

VIKTORIASPEICHER

1980 wurden am Viktoriaspeicher noch 250 000 Tonnen Kohle umgeschlagen. Zur Anlage gehörten auch zwei Getreidespeicher. Das Hafengelände am Kreuzberger Spreeufer soll verkauft werden. Ein Investor fehlt allerdings noch. Der klotzige Viktoriaspeicher ist denkmalgeschützt, gleicht optisch aber eher einem Gefängnis. Kleinere Firmen nutzen derzeit das Gelände.

HÄFEN AM TELTOWKANAL

Am Teltowkanal siedelte sich in den zwanziger Jahren viel Industrie an. Inzwischen ist es an den diversen Kleinhäfen und Ladestellen sehr viel ruhiger geworden. Die Gebäude der ehemaligen Teltowwerft im Hafen Zehlendorf stehen unter Denkmalschutz. Trotz der idyllischen Lage fehlt aber ein Investor. Es wird diskutiert, die alte Eisenbahnbrücke über den Kanal – die Brückenköpfe sind noch erhalten – als Rad- und Fußgängerbrücke neu aufzubauen. Im Tempelhofer Hafen hat die Zukunft schon begonnen. Am 23. Mai wurd der Grundstein für ein 100-Millionen-Euro-Projekt gelegt. Bis Herbst 2008 soll eine Einkaufswelt vor historischer Hafenkulisse, mit Bootsanleger und schwimmenden Bühnen, entstehen

Die Talsohle bei den Gütermengen, die durch den Teltowkanal geschifft werden, ist durchschritten. 2003 wurden 380 000 Tonnen durch die Kleinmachnower Schleuse befördert, 2005 waren es schon 850 000 Tonnen. Neue Fracht hat vor allem der Bau des Holzkraftwerks an der Kanalstraße in Neukölln gebracht. Täglich werden dort zwei Schiffe entladen.

HÄFEN, DIE KEINE MEHR SIND

Die ersten Umschlagflächen der Doppelstadt Berlin-Cölln entstanden an der heutigen Museumsinsel. Erst mit dem Bau des Landwehrkanals um 1850 wurden richtige Häfen mit Ladestraßen und Lagerflächen angelegt, etwa der Kreuzberger Urbanhafen und der Schöneberger Hafen auf dem Gelände des heutigen Mendelssohn-Bartholdy-Parks. Beide Häfen verloren bald ihre Bedeutung, wurden aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg zugeschüttet. Der Tegeler Hafen entstand 1908. In den 1980er Jahren wurde er im Rahmen der Internationalen Bauausstellung mit Häusern überbaut. An den Hafen erinnert nur noch ein Wasserbecken mit künstlicher Insel, auf der demnächst eine Ökosiedlung der Luxusklasse entstehen soll. loy

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