Berlin : Berlins Kriminalitätsrate auf dem höchstem Stand seit der Einheit

WERNER SCHMIDT

Mehr Polizeierfolge: Hälfte der Gangster gefaßt VON WERNER SCHMIDT

Berlin.Die Kriminalitätsrate in der Stadt wird dieses Jahr ihren höchsten Stand seit 1990 erreichen.Experten rechnen mit rund 600.000 Straftaten bis zum Jahresende.Gleichzeitig sind jedoch die Chancen der Gangster gesunken, ungestraft davonzukommen, denn auch die Aufklärungsquote hat ihren höchsten Stand seit sechs Jahren erreicht.Sie stieg von 43 Prozent 1995 auf 44 Prozent im vergangenen Jahr.Fast jeder zweite Täter wurde gefaßt. Der Zuwachs der Gesamtkriminalität gegenüber dem Vorjahr liegt bei etwa 2,5 Prozent oder 19.000 Fällen und ist deutlich unter der Steigerungsrate von 1994 auf 1995 mit damals 5,4 Prozent.Allerdings sind in zwei Deliktsbereichen drastische Zuwächse von 50 Prozent und mehr zu verzeichnen.Aus einem Auszug der Kriminalstatistik 1996, der dem Tagesspiegel vorliegt, geht hervor, daß die Umweltkriminalität bis zum Jahresende um fast 4000 auf rund 9000 Delikte wachsen wird.Dies entspricht einem Plus von etwa 70 Prozent.Die zweite überproportionale Steigerungsrate gibt es bei der Wirtschaftskriminalität mit Zuwächsen von über 50 Prozent auf über 15.000 Straftaten. In beiden Fällen ist allerdings - laut Statistik - die Aufklärungsquote überdurchschnittlich hoch.Sie liegt bei der Umweltkriminalität bei 62 Prozent und entspricht damit der des Vorjahres.Bei Wirtschaftsdelikten liegt sie mit etwa 93 Prozent um knapp 2 Prozent höher als noch 1995 und sogar deutlich über der traditionell hohen Erfolgsquote der Mordkommissionen, die dieses Jahr etwa 75 Prozent beträgt und damit um 8,5 Prozent gesunken ist.Gestiegen ist dagegen die Zahl der Morde.Nach einem Rückgang von 1994 auf 1995 auf insgesamt 79 Taten, wurden bereits im Oktober 1996 mit 81 Toten mehr Mordopfer gezählt als im gesamten Jahr zuvor. Seinen bisherigen Gipfel wird das Deliktsfeld Raub und räuberische Erpressung - darunter werden auch Banküberfälle registriert - mit schätzungsweise 9800 Taten am Jahresende erreichen.Damit setzt sich der 1994 begonnene kontinuierliche Zuwachs fort.Es wird mit 200 bis 600 Taten (dies entspricht 3 bis 5 Prozent) mehr als 1995 gerechnet.Die Aufklärungsquote von 37,8 Prozent wird sich dagegen nur "leicht verbessern". Erfolge kann die Polizei bei Dieben verzeichnen: hier ist mit schätzungsweise 308.000 Straftaten am Jahresende die Zahl auf das Niveau von 1994 gesunken, die Aufklärungsquote von 22,4 Prozent auf knapp über 23 Prozent gestiegen und hat nun wieder den Stand von 1992 erreicht.Damals lag der Anteil der Diebstähle an der Gesamtkriminalität bei 62,2 Prozent.Mit der Reduzierung der Deliktszahlen in diesem Jahr macht Diebstahl nur noch 51,5 Prozent der Gesamtkriminaltät aus. Als "besorgniserregend" wertete der Landesvorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Eberhard Schönberg auf Anfrage "die zunehmende Gewaltbereitschaft der Täter".Die Gewaltkriminalität ist dieses Jahr um etwa 3 Prozent gestiegen - allerdings deutlich weniger als 1995, als ein Zuwachs von 11,6 Prozent registriert worden ist. Positiv bewertete Schönberg, daß die Aufklärungsquote "deutlich ansteigt".Er lobte Innensenator Jörg Schönbohm, der massiv versuche, "Versäumnisse der Vergangenheit aufzuarbeiten und die Polizei in Berlin organisatorisch und personell in die Lage zu versetzen, ihre Aufgabe nach dem Fall der Grenzen in Europa durch effektivere und effizientere Arbeitsabläufe besser bewältigen zu können."

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