Bernauer Straße : Wachturm für die Mauergedenkstätte

Zwanzig Jahre nachdem die Mauer fiel, werden Teile wieder aufgebaut – wegen der Erinnerung natürlich. So soll auf dem Gelände der Gedenkstätte Berliner Mauer bald wieder ein Wachturm stehen.

Was mit dem Original an der Bernauer Straße Ecke Ackerstraße passierte, ist unbekannt. Mitarbeiter der Gedenkstätte entdeckten voriges Jahr jedoch einen baugleichen Typ in einer Kaserne im brandenburgischen Spreenhagen. „Der Turm wird nun ab- und in Berlin denkmalgerecht wieder aufgebaut“, sagt der Vorsitzende des Vereins „Berliner Mauer“ Manfred Fischer. An den Fundamenten arbeite man bereits – in einigen Wochen soll der Turm stehen. Er wird dann einer von sechs der ehemals mehr als 300 Türmen sein, die an die Grenze erinnern. Daneben existieren noch einige Türme ehemaliger Grenzübergänge.

Wo früher scharf geschossen wurde, sind heute ganz unterschiedliche Vereine und Projekte beheimatet. „Hier entsteht Leben, wo früher keines sein durfte“, fasst etwa Marian Przybilla das Projekt „Naturschutzturm“ der Deutschen Waldjugend zusammen. Im ehemaligen Wachturm zwischen Frohnau und Hohen Neuendorf wird Jugendlichen bei Projekt- und Wandertagen die Natur und Geschichte erklärt. Bekommen hat die Waldjugend den Turm 1990: Ein Übergabeprotokoll bezeugt, dass die Grenztruppen „1 Stück Führungsstelle“ an den Verein übergaben.

Inmitten von Wohnhäusern steht heute der Turm der Gedenkstätte Günter Litfin. Sie erinnert an den jungen Berliner, der in der Nähe am 24. August 1961 von DDR-Grenzern erschossen wurde – die Mauer war damals erst elf Tage alt. 2000 wollten die Eigentümer der angrenzenden Wohnblocks den Turm abreißen. Litfins Bruder Jürgen kämpfte für die Erhaltung und eröffnete vor sechs Jahren die Gedenkstätte.

Auch ein Treptower Turm ist originalgetreu restauriert – er ist allerdings zum Kunstturm geworden, in dem sich Installationen und Performances mit der Grenze beschäftigen. Seit 2004 gab es rund 15 Projekte im Turm, auch zu aktuellen Grenzkonflikten wie in Israel. „Wir wollten keine Musealisierung der Vergangenheit, sondern eine aktive Auseinandersetzung mit dem Ort und seiner Geschichte“, sagt Projektleiterin Svenja Moor von der „Kunstfabrik am Flutgraben“. Zurzeit läuft hier die Ausstellung „Shared.Divided.United“ über deutsche und koreanische Migration während des Kalten Kriegs. Eine Ausstellung ist bald auch im ehemaligen Kommandantenturm des „Checkpoint Bravo“ Drewitz-Dreilinden zu sehen. Seit etwa zwei Jahren ist er Veranstaltungsort für politische Bildungsarbeit. Am 8. November eröffnet die Dauerausstellung „Freundwärts – Feindwärts“ über die Schicksale von Flüchtlingen und Transitreisenden.

Die Türme im Internet:

www.gedenkstaetteguenterlitfin.de

www.naturschutzturm.de

www.kunstfabrik.org

www.berliner-mauer-gedenkstaette.de

www.checkpoint-bravo.de

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