Besuch : Wowereit in der Partnerstadt Istanbul zu Gast

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit besucht ab heute die Berliner Partnerstadt Istanbul. Die Stadt ist Berlin näher als manch andere Metropole.

Thomas Seibert / Istanbul

IstanbulDie größte Stadt der Türkei und die größte türkische Stadt außerhalb der Türkei – Istanbul und Berlin sind sich näher als manche anderen Metropolen. Zur Feier der seit 20 Jahren bestehenden Städtepartnerschaft und anlässlich des 20. Jahrestags des Mauerfalls ist Berlin derzeit am Bosporus zu Gast. Bis Sonntag werden Klaus Wowereit und der Istanbuler Oberbürgermeister Kadir Topbas an Konzerten, Konferenzen und Veranstaltungen der „Berlin-Tage“ teilnehmen.

Für die meisten Türken ist Berlin nicht irgendeine Stadt in Deutschland – die Bundeshauptstadt gilt schon fast als türkisches Gebiet. Wegen der rund 150 000 türkischen und türkischstämmigen Berliner kämen türkische Besucher Berlins allein mit ihrer Muttersprache gut über die Runden – „sie können sich die Stadt ansehen, in türkischen Restaurants essen und in von Türken geführten Hotels übernachten“, berichtete etwa die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Was in Deutschland als mangelnde Integration wahrgenommen wird, gilt bei den Türken als rührendes und kurioses Phänomen besonderer Heimatverbundenheit: Insbesondere in Kreuzberg könne man Türken treffen, die vor 30 oder 35 Jahren nach Deutschland gegangen seien und bis heute kein Deutsch könnten, schrieb Anadolu.

Die besonderen deutsch-türkischen Verflechtungen, die sich in Berlin zeigen, spielen bei den Istanbuler „Berlin-Tagen“ eine große Rolle. Wowereit präsentiert bei einem Empfang den Hamburger Sänger Mario Rispo, der in Kreuzberg türkische Musik studierte und nach eigenen Angaben der erste deutsche Sänger ist, der türkische Musikstile von der Klassik bis zur modernen Ballade interpretiert.

Am Bosporus kommt derzeit überhaupt viel Deutsches und Deutsch-Türkisches auf die Bühnen der Stadt. „Almanci – Deutschländer“ heißt ein Programm aus Filmen, Theaterstücken und DJ-Nächten, das „neue Impulse im Kontext von Theater und Migration aus Berlin“ präsentiert, wie die Organisatoren mitteilten. „Rund 50 Jahre nach Beginn der Arbeitsmigration kommen die Nachfahren der einstigen ‚Gastarbeiter‘ und ‚Gastarbeiterinnen‘ mit ihren Geschichten aus Almanya nach Istanbul.“

„Sowohl Berlin als auch Istanbul zeichnen sich durch kulturelle Vielfalt und wirtschaftliche Dynamik aus“, erklärte Wowereit vor seiner Reise. „Ich bin sicher, dass von den Berlin Days in Istanbul wichtige Impulse für die weitere Zusammenarbeit beider Metropolen ausgehen.“ Topbas und Wowereit wollen in Istanbul unter anderem mit Wirtschaftsvertretern an einer Konferenz um Thema „Erneuerbare Energien“ teilnehmen. Beide Städte wollen sich bei der Konferenz potenziellen Investoren aus dem jeweils anderen Land als lohnende Standorte empfehlen.

Die „Berlin-Tage“ sind Teil der Hauptstadtkampagne „the place to be/be Berlin“, die bereits in New York Station machte. Im Mittelpunkt des Interesses der türkischen Medien stand im Vorfeld die Berliner „Mauersteinaktion“. Auch am Bosporus soll symbolisch ein Stück der Berliner Mauer errichtet und mit Botschaften der Istanbuler an die Berliner geschmückt werden. Die „Steine“ aus Styropor sollen wie mehr als tausend andere bemalte Quader später in Berlin aufgebaut und am 9. November wie beim Dominospiel umgeworfen werden.

Wowereit selbst, der Istanbul bereits vor vier Jahren besucht hat, zählt vor allem wegen seiner Unterstützung für die türkische EU-Bewerbung zu den beliebtesten deutschen Politikern. Begleitet von einer großen Delegation aus Wirtschaft und Kultur wird Wowereit unter anderem ein Konzert des Jugendorchesters Berlin-Istanbul besuchen. Auf dem Programm steht ein Werk des 1977 gestorbenen türkischen Komponisten Ferit Tüzün, der in den fünfziger Jahren in Deutschland studiert und gearbeitet hatte.

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