Berlin : Betten und ein Kleinbus werden gebraucht

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Der Umzug in die Lehrter Straße war teuer - nun hofft die Krankenstation für Obdachlose auf Spendenoom

Auf der Liege im improvisierten Behandlungszimmer wartet Günther Meitzner auf seine Untersuchung. Er ist obdachlos und vor kurzem aus dem Krankenhaus entlassen worden - nicht zurück auf die Straße, sondern in die neue Krankenstation Lehrter Straße. Den Umzug von der Magdalenenstraße nach Tiergarten hat das Team der Krankenstation für Obdachlose gerade hinter sich. Im neuen Behandlungsraum liegen Medikamente und Verbandszeug noch in Kisten. Krankenschwestern und Sozialarbeiter haben ihre Arbeit aber schon wieder aufgenommen. Räumliche Mindeststandards, wie eine behindertengerechte Toilette oder eine größere Küche, können in der neuen Unterkunft eingehalten werden. Auch hier hoffen Patienten und Mitarbeiter auf Spenden von Tagesspiegel-Lesern innerhalb der Obdachlosenhilfe zum Weihnachtsfest.

Günther Meitzner kann hier in einem Bett schlafen, ein Badezimmer benutzen, fernsehen und sich von der Ärztin Barbara Weichler-Wolfgramm kostenlos weiterbehandeln und gesund pflegen lassen. Es gibt Essen, Gesellschaft und Hilfe bei Ärger mit Behörden. Und den gibt es reichlich. Der Tagessatz, den das zuständige Sozialamt für ihn bezahlt, liegt bei 140 Mark. Das Geld für die Patienten muss Christof Thiel, Sozialarbeiter, mal gerichtlich einklagen, mal muss er lange auf den mit dem Senat ausgehandelten Satz warten. "Es kommt auch vor, dass die Leute keine Papiere besitzen. Dann können wir nichts machen und bekommen kein Geld", sagt Christof Thiel.

Zurzeit können hier 18 Betten belegt werden. Aufgenommen wird jeder, egal ob mit Ausweis oder ohne, auch Ausländer, deren Aufenthaltsstatus nicht geklärt ist. Frühstück und Abendbrot machen sich die Patienten selbst, das Mittagessen bringt, wie schon in der Magdalenenstraße, die Kiez-Küche aus Lichtenberg. Sieben Kollegen, Krankenschwestern, Pflegekräfte, Sozialarbeiter und Zivildienstleistende, kümmern sich Tag und Nacht um die kranken Wohnungslosen. Alkoholismus, Krätze, Herz- und Kreislauferkrankungen, Grippe sowie Knochenbrüche sind hier Alltag. "Wir sind kein Ersatzkrankenhaus und wollen auch kein Getto-Krankenhaus sein", sagt Thiel, "nur eine Übergangseinrichtung."

Damit die Krankenstation weiterhin effektiv arbeiten kann, benötigt das Team dringend Schränke, Tische, Nachttische und Krankenbetten. Ein Kleinbus zum Transport der Menschen wird ebenfalls gebraucht. Allein 20 000 Mark hat der Umzug verschlungen. Die Krankenstation Lehrter Straße ist der Stadtmission angeschlossen.Unsere Spender werden in der Zeitung namentlich genannt - es sei denn, Sie wünschen das nicht und vermerken es auf der Einzahlungsquittung. Wir stellen auf Wunsch Spendenbescheinigungen aus. Spendenaktion Der Tagesspiegel e.V., Kennwort Obdachlosenhilfe, Kontonummer 88 88 bei der Berliner Sparkasse, Bankleitzahl 100 500 00.

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