Berlin : Bettenabbau beunruhigt Beschäftigte

Personalrat: Gefahr für Franklin-Klinikum

Ingo Bach

Trotz aller Bekenntnisse des Charité-Vorstandes, dass alle vier Standorte der Universitätsklinik möglichst erhalten bleiben sollen, fürchten die Beschäftigten des Steglitzer Klinikums Benjamin Franklin um die Zukunft ihres Hauses. Erneuter Anlass für Spekulationen: Nach einer internen Auslastungsanalyse des Charité-Vorstands soll das Franklin-Klinikum noch in diesem Jahr überproportional viele Betten abbauen. Jedes fünfte der insgesamt 1100 Betten sollen wegfallen. Das ist wesentlich mehr, als an den Standorten Mitte und Virchow-Klinikum in Wedding zur Disposition stehen. Insgesamt sind wie berichtet 437 Charité-Betten betroffen. Diese Zahlen hatte Martin Paul, Dekan und Mitglied des Charité-Vorstandes, am Freitag dem Tagesspiegel bestätigt.

Gestern hatte der Personalrat der Steglitzer Klinik die Beschäftigten zu einer außerplanmäßigen Personalversammlung geladen. Dabei ging es auch um den geplanten Bettenabbau. „Wir glauben nicht, dass unser Klinikum gesichert ist“, sagt Personalratsvorsitzende Monika Ziegner. Sie fürchtet, dass der Charité-Vorstand den Standort doch schließen könnte, wenn der finanziellen Rahmen dies verlangte. Außerdem habe der Senat seinen Schließungsbeschluss von 2001 bisher formell nicht zurückgenommen.

Ein weiterer Bettenabbau werde sich nicht vermeiden lassen, sagt Ziegner. „Wir fordern vom Vorstand aber, die zugrunde liegenden Analysen über die Bettenauslastung offen zu legen und den Betriebsrat an den Planungen zu beteiligen.“

Den größten Einzelbeitrag zum Bettenabbau sollen die Gynäkologie und Geburtshilfestation am Benjamin Franklin Klinikum erbringen. Nach der internen Analyse seien hier 69 Betten verzichtbar – von derzeit rund 80. Trotzdem werde es in Steglitz weiterhin eine familienfreundliche Geburtshilfe geben, hatte Dekan Paul betont. Joachim W. Dudenhausen, Chef der beiden Geburtshilfestationen in Steglitz und dem ebenfalls zur Charité gehörenden Virchow-Klinikum, sprich von einer „Risikoselektion“. So werden Frauen, bei denen mit einer Frühgeburt vor der 32. Schwangerschaftswoche zu rechnen ist, künftig ins Virchow-Klinikum verlegt. Dies beträfe zwei Prozent der 1000 Geburten pro Jahr in Steglitz. Im Wedding gibt es jährlich 4600 Geburten.

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