Berlin : Bevor der Krebs tastbar ist

Mammographie-Screening steht jetzt in ganz Berlin zur Verfügung

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Als eines der ersten Bundesländer hat Berlin ein flächendeckendes Programm zur Früherkennung von Brustkrebs eingeführt. Mit der Eröffnung eines vierten Mammographie-Zentrums im Bezirk Pankow sei das Netz nun komplett, sagte Axel Wald von der Arbeitsgemeinschaft Mammographie-Screening am Donnerstag. Dadurch haben nun alle 437 000 Berlinerinnen zwischen 50 und 69 Jahren die Möglichkeit, sich alle zwei Jahre kostenlos untersuchen zu lassen.

Berlin setzt damit einen Beschluss der Bundesregierung von 2002 um. Ziel des Screening-Programms ist es, Brustkrebs früh zu erkennen, also bevor er tastbar ist oder andere Symptome hervorruft. Die Brustkrebssterblichkeit soll damit um 20 bis 30 Prozent gesenkt werden. „In Ländern, in denen das Programm seit 20 Jahren läuft, wurde dieses Ziel schon erreicht“, erzählte Lisa Regitz-Jedermann, Leiterin des Referenzzentrums Mammographie Berlin. Ob die Brustkrebssterblichkeit durch das neue Programm auch in Deutschland sinkt, wird sich wohl erst in zehn Jahren messen lassen.

Seit Eröffnung des ersten Mammographie-Zentrums im Sommer 2006 haben 47 000 Berlinerinnen eine Einladung zur Röntgen-Untersuchung erhalten. Darin wird ihnen ein Termin vorgeschlagen. Reagieren die Frauen nicht, bekommen sie eine weitere Einladung. 22 000 Berlinerinnen haben sich bereits der Mammographie unterzogen. Bei 9 von 1000 untersuchten Frauen wurde tatsächlich eine Krebserkrankung festgestellt. Die Kosten der Untersuchung tragen die Krankenkassen – egal, ob gesetzlich oder privat. Berlins Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linkspartei) appellierte an die Frauen, das Angebot zu nutzen: „Die Mammographie gilt derzeit als die beste Methode, um auch kleine, noch beschwerdefreie Tumore zu diagnostizieren“, sagte sie. Mit einer Früherkennung steigen die Heilungschancen, und die Therapie ist meistens schonender.

Brustkrebs ist bei Frauen zwischen 35 und 64 Jahren die häufigste Todesursache. In Deutschland sterben jährlich etwa 18 000 Frauen daran, in Berlin rund 700. cje

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