Berlin : Bezirk möchte Kitas von Siemens mit 320 Plätzen übernehmen

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In Siemensstadt droht der Kita-Notstand. Weil der Siemens-Konzern die Bezuschussung seiner einstigen Betriebskindertagesstätten eingestellt hat, stehen die beiden Einrichtungen am Jugendweg und an der Göbelstraße vor dem Aus. Doch werden hier knapp zwei Drittel des Bedarfs des Ortsteils gedeckt. Am heutigen Dienstag wollen Bezirksamt, Betreiber und Unternehmen gemeinsam nach Lösungen suchen.

Um 1910 war die Siemens-Kita als erste in Berlin durch Johanna von Siemens eröffnet worden. Jahrzehntelang hatte die Fürsorge für die Mitarbeiter und ihre Familien beim Konzern einen besonderen Stellenwert. Durch den Kostendruck im Konzern wurden immer mehr Wohlfahrts- und Freizeiteinrichtungen abgebaut. Seit 1983 werden die beiden Kitas vom Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD) betrieben. Im vergangenen Jahr kündigte der Konzern die Streichung der weiteren Subventionierung an. Die Berliner Siemens-Leitung habe die daraufhin als Jahrespacht angebotenen 144 000 Mark akzeptiert, sagte der Berliner CJD-Leiter Alfred Graf. Von der Münchner Zentrale sei die Regelung dann abgelehnt worden. Es sei nicht mehr möglich, die Kitas weiter zu bezuschussen, sagte Siemens-Sprecher Enzio von Kühlmann-Stumm. Für die 58 Plätze, die für Kinder von Angestellten reserviert waren, hätten die Räume bisher nicht nur mietfrei genutzt werden können, das Unternehmen sei auch für den Unterhalt aufgekommen. Da jetzt Sanierungskosten von zwei Millionen Mark anstehen, sei das nicht mehr tragbar.

Insgesamt sind rund 130 der 320 Plätze durch Siemens-Kinder belegt. Für den Ortsteil gibt es kaum Alternativen. Momentan können Aufnahmen nur unter Vorbehalt erfolgen. Vorsorglich hat der Konzern dem CJD zum 31. August gekündigt. 320 Kinder und rund 50 Betreuer stünden dann auf der Straße. Spandaus Jugendstadträtin Ursula Meys (SPD) hat reagiert und Siemens sowie CJD heute zu einem Gespräch eingeladen. Theoretisch sei eine Übernahme der in freier Trägerschaft stehenden Kitas durch den Bezirk denkbar, sagte sie. Das werde entscheidend vom Anteil der drei- bis unter sechsjährigen Kinder abhängen, für die ein Rechtsanspruch auf einen Platz besteht.

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