30 Jahre „Café Menta“ in Berlin-Wilmersdorf : Die Langzeitstudentenkneipe

Seit 40 Jahren sind sie ein Paar, seit 30 Jahren betreiben Wolfgang Hempel und Michael Schreier das „Café Menta“ in Wilmersdorf – verändert haben sie nichts. Warum auch?

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Nicht nur Geschäftspartner. Die „Menta“-Wirte Michael Schreier (li.) und Wolfgang Hempel sind seit 40 Jahren auch privat ein Paar.
Nicht nur Geschäftspartner. Die „Menta“-Wirte Michael Schreier (li.) und Wolfgang Hempel sind seit 40 Jahren auch privat ein Paar.Foto: Cay Dobberke

Warum etwas verändern, wenn doch alles gut läuft? „Never change a running business“, lautet ein Motto des Wirtes Wolfgang Hempel. Seit 30 Jahren betreibt er mit Michael Schreier die besonders unter Studenten und Künstlern beliebte Kneipe „Café Menta“ an der Emser Straße 24 in Wilmersdorf – und es sieht darin sogar noch aus wie früher.

Gemälde, Karikaturen und alte Fotos zieren die vergilbten Wände, die selten neu gestrichen wurden. Rauchen ist noch immer erlaubt, was rechtlich möglich ist, weil das Lokal weniger als 75 Quadratmeter misst. Auch der Billardtisch steht noch im hinteren Teil des Gastraums; andernorts in Berlin gibt es solchen Kneipensport nur noch selten.

Jetzt kommen schon die Kinder von Stammgästen

„Die jungen Leute hier halten mich jung“, sagt der inzwischen 68-jährige Hempel; Schreier ist sechs Jahre älter. Ans Aufhören denken beide nicht. Zu ihren Stammgästen gehören Ehepaare, die sich einst im Menta kennengelernt hatten – und nicht selten sogar deren Kinder. Früher habe sie ihr Baby in den Caféräumen gewickelt, schreibt beispielsweise eine Frau auf der Facebook-Seite des Lokals. Heute sei „das Baby lange erwachsen“ und „auch Menta-Gänger“.

Die Wirte sind seit 40 Jahren ein Paar

Hempel stammt aus dem Saarland und arbeitete früher als Ingenieur, der gebürtige Oberpfälzer Schreier ist gelernter Bautechniker. Das erste Mal begegneten sie sich in Berlin, dann trafen sie sich vor 40 Jahren zur eigenen Überraschung in Saudi-Arabien wieder – zufällig waren beide für ein dortiges Bauprojekt engagiert worden. Eines durfte damals niemand wissen: Er und Schreiner hatten sich ineinander verliebt. „Wir mussten sehr diskret sein“, erinnert sich Hempel. Bis heute sind sie auch privat zusammen, im vorigen Februar ließen sie sich amtlich als Lebenspartner eintragen.

Nach zehn Jahren in arabischen Ländern waren beide wieder nach Berlin gekommen, fanden hier aber keine Jobs in ihren Berufen. Die Kneipengründung im August 1986 war zunächst nur als Überbrückung gedacht. Doch dann stellten die Wirte fest, dass sie gar nichts anderes mehr machen wollen.

Die Gegend wandelt sich, das „Café Menta“ in der Emser Straße bleibt, wie es ist.
Die Gegend wandelt sich, das „Café Menta“ in der Emser Straße bleibt, wie es ist.Foto: Thilo Rückeis

Fast jeden Tag am Tresen

Ihr letzter Urlaub liegt mehr als zwei Jahrzehnte zurück, in der Regel stehen Hempel und Schreier täglich am Tresen. Es gibt auch drei studentische Aushilfen. Die meisten Gäste kommen aus Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf. Abiturienten, Studenten und Vereinssportler trinken abends gern ein Bier oder einen Cocktail im Menta, darunter Hockeyspieler der „Zehlendorfer Wespen“. Außerdem kommen immer mal wieder Schauspieler wie Wolfgang Bahro, Katja Nottke und Jürgen Vogel vorbei.

Gefeiert wurde das Jubiläum bereits am vorigen Wochenende mit vielen Stammgästen. Menta-Fans aus aller Welt riefen an oder meldeten sich per Facebook. Glückwünsche kamen unter anderem aus den USA, Großbritannien, Frankreich, Kanada, aus dem Libanon und von alten Freunden in Saudi-Arabien.

Die Konstante in der früheren Kneipenmeile

Als das Menta eröffnet hatte, war der Wilmersdorfer Kiez rund um die Pariser Straße, den Ludwigkirch- und den Olivaer Platz eine Kneipenmeile, die junge Leute aus vielen West-Berliner Bezirken anzog. In den Jahren nach dem Mauerfall 1989 verlagerten sich die Besucherströme aber gen Osten. Fast alle Studententreffs gibt es nicht mehr, heute prägen gutbürgerliche Restaurants für eine ältere Klientel das Bild. Nur das Menta sei „die Konstante“, findet Hempel.

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