Berlin-Charlottenburg : Gefährliche Eile in der Hardenbergstraße

Die Hardenbergstraße zwischen Bahnhof Zoo und Ernst-Reuter-Platz ist eine Baustelle – aber Autofahrer rasen, und es gibt zu wenig Ampeln. Fünf Fußgänger wurden bereits schwer verletzt, als sie die Straße überqueren wollten.

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Riskante Abkürzung. Viele Passanten überqueren die Hardenbergstraße jenseits der Fußgängerampeln – wie hier an der Ecke Jebensstraße auf dem Weg zum Amerika-Haus (nicht im Bild).
Riskante Abkürzung. Viele Passanten überqueren die Hardenbergstraße jenseits der Fußgängerampeln – wie hier an der Ecke...Foto: Cay Dobberke

Es wirkt abenteuerlich, wie zahlreiche Berliner und Touristen über die Charlottenburger Hardenbergstraße gelangen. Passanten schlängeln sich an der Bahnbrücke neben der Fotogalerie C/O im Amerika-Haus zwischen wartenden Autos hindurch, wenn die Ampel in Richtung Zoo auf Rot steht. Doch diese ist keine Fußgängerampel und springt auch mal auf Grün für die Autos, wenn noch Leute über die Straße laufen.

Und gegenüber in Richtung Ernst-Reuter-Platz gibt es bisher keine Ampel an der Ecke Jebensstraße. Die nächste am Hardenbergplatz, auf der anderen Seite der breiten Brücke am Bahnhof Zoo, ist vielen schon zu weit.

Mal ängstlich, mal fluchend bahnen Fußgänger sich ihren Weg – manche mit Gepäck auf dem Weg ins Aletto-Hostel hinter dem Amerika-Haus oder ins Motel One an der Kantstraße.

Gefährliche Baustelle. So sollte man die Hardenbergstraße nicht überqueren, warnt die Polizei. Fünf Fußgänger wurden schon schwer verletzt.
Gefährliche Baustelle. So sollte man die Hardenbergstraße nicht überqueren, warnt die Polizei. Fünf Fußgänger wurden schon schwer...Foto: Cay Dobberke

Ende März soll die Behelfsampel kommen

Immerhin hat es an dieser Stelle noch keinen schweren Unfall gegeben, seit die Galerie C/O im Herbst im Amerika-Haus eröffnete. Damals hieß es, bald komme vor dem Gebäude eine Fußgängerampel hinzu. Aber es folgten Verzögerungen durch die Tunnelsanierung der U-Bahnlinie U2 und Bauarbeiten für die neue Beleuchtung der Bahnbrücke, die im Januar startete. Erst Ende März will die Verkehrsverwaltung eine Behelfsampel aufstellen. Passanten werden „in einem Gang über die Straße gelangen“, kündigt Sprecherin Petra Rohland an.

Fünf schwere Unfälle zwischen Ernst-Reuter-Platz und Steinplatz

Noch gefährlicher geht es in der Hardenbergstraße zwischen dem Ernst-Reuter- und dem Steinplatz zu. Wegen der BVG-Arbeiten und einer zusätzlichen Baustelle der Wasserbetriebe an der Ecke Fasanenstraße gilt Tempo 30 – aber viele Autofahrer rasen trotzdem. Nach Polizeiangaben wurden seit November fünf Fußgänger bei Verkehrsunfällen schwer verletzt. Geschwindigkeitskontrollen zeigten, dass jedes dritte Auto zu schnell fuhr. Bei einer Messung waren innerhalb von drei Stunden 70 Wagen mit mehr als Tempo 60 unterwegs – der Spitzenwert lag bei 77 Stundenkilometern.

Zwischen Breitscheidplatz und Bahnhof Zoo
Das Hochhaus „Upper West“ soll im Frühjahr 2017 am Breitscheidplatz eröffnen. Die Budgetkette Motel One plant ihr größtes Berliner Hotel mit 582 Zimmern.Weitere Bilder anzeigen
1 von 21Foto: Cay Dobberke
23.07.2015 23:26Das Hochhaus „Upper West“ soll im Frühjahr 2017 am Breitscheidplatz eröffnen. Die Budgetkette Motel One plant ihr größtes Berliner...

Dabei ist die Verkehrsader zurzeit verengt auf zwei statt drei Fahrspuren pro Richtung. Normalerweise sei sie gar kein Unfallschwerpunkt, sagt ein Polizeisprecher, offenbar erhöhe die aktuelle „Unübersichtlichkeit“ die Gefahr. Fußgängern rät die Polizei dringend, die Straße nur an Ampeln zu überqueren. Allerdings liegen rund 350 Meter zwischen den Anlagen am Ernst-Reuter-Platz und am Steinplatz.

Tückisch für Fußgänger ist auch die verschwenkte Verkehrsführung. Wer etwa vor dem grün-weißen TU-Physikgebäude nur nach links schaut, ob Autos in Richtung Ernst-Reuter-Platz kommen, kann eine böse Überraschung erleben – denn auf einer der drei Fahrspuren fließt der Verkehr zurzeit in der Gegenrichtung.

Baustellenzäune gegen das Überqueren abseits der Ampeln

Die BVG saniert die Tunnel abschnittsweise, erst Ende 2016 soll alles fertig sein. Wegen der Unfälle hat die Polizei auch eine Notmaßnahme veranlasst: Um Fußgänger vom „wilden“ Überqueren abzuhalten, wurde ein großer Teil des Mittelstreifens mit einem Baustellenzaun versperrt. Und den Autofahrern kündigt man mehr Tempokontrollen an.

Am Freitag war übrigens kein Bauarbeiter in der Straße zu sehen. Doch laut BVG-Sprecherin Petra Reetz kann von Faulenzerei nicht die Rede sein. An diesem Tag seien nur alle Arbeiter unten im Tunnel beschäftigt gewesen.

Der Artikel erscheint auf dem Ku'damm-Blog, dem Online-Magazin für die westliche Innenstadt.

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