Berlin-Grunewald : Zu viel Kunst am Bau

Eine denkmalgeschützte Villa in Grunewald wird umgebaut. Aber dabei kamen überraschend Skulpturen hinzu, die gar nicht dorthin gehören.

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Prächtiger als erlaubt: Die denkmalgeschützte Grunewalder Villa wurde mit zusätzlichen Skulpturen verziert.
Prächtiger als erlaubt: Die denkmalgeschützte Grunewalder Villa wurde mit zusätzlichen Skulpturen verziert.Foto: Cay Dobberke

Auseinandersetzungen um Baudenkmale gibt es immer wieder in der City West, meistens, wenn jemand ein geschütztes Gebäude abreißen will. Ein ganz anderer Fall ist die Grunewalder Villa an der Caspar-Theyß-Straße 9 schräg gegenüber dem Umweltbundesamt: Dort haben die Eigentümer das Dachgeschoss eigenmächtig mit Skulpturen verziert, die vom Stil her alt sein könnten, es aber nicht sind.

Eine erstaunte Anwohnerin hat das Bezirksamt informiert, das sich der Sache nun annehmen will.

Die Anwohnerin weiß kaum, ob sie eher lachen oder sich ärgern soll: Die zusätzliche Verzierung „entbehrt nicht einer gewissen Komik“, schrieb sie dem Tagesspiegel, „die Quadriga hätte sich hier auch gut gemacht!“ Zu sehen sind vier Löwenfiguren, ein Krieger mit Schild und Speer, ein Instrumentenbläser, eine Art Wappen und ein schwer zu deutendes Bild mit vier Personen, das eine Szene in einem Palast oder Tempel zeigen könnte. Außerdem wurden bestehende Ornamente vergoldet.

Löwen, Krieger und Musikanten gehören zu den neuen Figuren am Dach.
Löwen, Krieger und Musikanten gehören zu den neuen Figuren am Dach.Foto: Cay Dobberke

Was die Eigentümer sich dabei gedacht haben, ist unklar. Dem Vernehmen nach gehört das Haus einer deutsch-türkischen Immobilienfirma, die tagelang nicht erreichbar war. Am Montag ging ein Mitarbeiter ans Telefon, doch wollte er nichts sagen.

Die Denkmalliste des Landesdenkmalamts zeigt, wie das Haus früher aussah. Daraus geht auch hervor, dass sich der Schlachten- und Historienmaler Carl Röhling die Villa 1908 bis 1909 vom Maurermeister Arthur Thomae erbauen ließ. Im hohen Mansarddach sei damals ein Atelier entstanden, heißt es. Die „kuppelartige Bekrönung“ sei wohl 1921 verloren gegangen, als dort „Notstandswohnungen“ eingerichtet wurden.

Vorletzter Eigentümer war die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, sie hatte die Villa im Frühjahr 2013 für 2,35 Millionen Euro zum Kauf angeboten. Zurzeit werden darin Eigentumswohnungen gebaut.

Der Charlottenburg-Wilmersdorfer Baustadtrat Marc Schulte (SPD) reagierte überrascht; es gebe keine Genehmigung für die Skulpturen. Nun werde man prüfen, ob sie entfernt werden müssen.


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