Berlin-Wilmersdorf : Sopranistin Moon Suk lädt in ihren Kultursalon

Seit zwei Jahren öffnet die deutsch-koreanische Sopranistin Moon Suk zu musikalischen und kulinarischen Soireen ihre Wilmersdorfer Wohnung.

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Aus voller Kehle. Sopranistin Moon Suk (r.) mit der Gayageum-Spielerin Sung You-Jin im Wilmersdorfer „Salon Moon“.
Aus voller Kehle. Sopranistin Moon Suk (r.) mit der Gayageum-Spielerin Sung You-Jin im Wilmersdorfer „Salon Moon“.Foto: Cay Dobberke

Üblicherweise einmal im Monat lädt die in Südkorea geborene Sopranistin Moon Suk bis zu 50 Gäste in ihre 200 Quadratmeter große Wilmersdorfer Altbauwohnung ein. Sie singt klassische europäische Musik und alte koreanische Volkslieder, manchmal jammt sie auch ein wenig mit Gastmusikern. Dazu gibt es Wein, Sekt und zum Abschluss ein selbst gemachtes koreanisch-schwäbisches Buffet.

Um diese Kombination zu verstehen, muss man wissen, dass der Lebensgefährte der Künstlerin, Ernst Becker, aus Schwaben stammt. Er moderiert auch die Konzertreihe „Salon Moon“ in den halb privaten, halb öffentlichen Wohnräumen am Olivaer Platz. Und so gibt es dort beispielsweise Maultaschen oder Rotkohl, doch der Großteil der jeweils rund 20 Gerichte bleiben koreanische Spezialitäten wie Kimchi aus fermentiertem Kohl.

Die Jubiläumsgala ist ausgebucht, das Weihnachtskonzert noch nicht

Jetzt feiert Moon Suk das zweijährige Bestehen ihres Kultursalons. Bisher gab es 20 Konzerte mit insgesamt rund 700 Gästen und 30 Musikern. Etwa 40 Prozent der Besucher sind Stammgäste, darunter der Schriftsteller Wladimir Kaminer oder die Fernsehmoderatorin und „Tagesschau“-Sprecherin Susanne Daubner. Teilnehmer zahlen 50 Euro „Kulturbeitrag“. Zunehmend seien auch kleine Gruppen junger Leute ab 16 Jahren dabei, freut sich die Künstlerin. Die Jubiläumsgala am kommenden Sonntag ist längst ausgebucht.

Freie Plätze gibt es noch für ein Weihnachtskonzert mit „schönen Liedern und guten Nachrichten“ am Sonntag, dem 11. Dezember, ab 15 Uhr. Unterstützt wird Moon Suk vom israelischen Pianisten Dror Schweid und von Susanne Daubner, die Weihnachtsgedichte rezitiert.

Ein Multitalent: Moon Suk musiziert, malt, schauspielert und schreibt

Nach einem Gesangsstudium in Südkorea war Moon Suk vor 27 Jahren nach Deutschland gekommen und wurde zur Opernsängerin ausgebildet. Seit 17 Jahren wohnt sie in Berlin, seit sechs Jahren hat sie den deutschen Pass. Ein Kulturkritiker nannte sie mal ein „Gesamtkunstwerk“. Tatsächlich gründete Moon Suk schon in den neunziger Jahren eine Gruppe von Performancekünstlern. Als Schauspielerin trat sie in „Tatort“-Krimis, in Kinofilmen und am Theater auf. Im ZDF-Morgenmagazin fungierte sie früher als „Kulturbotschafterin“. Außerdem gründete Moon Suk mit 15 Gleichgesinnten den Verein „Fun-For-Writing“. Mit dem Schreibwettbewerb „Federleicht“ will man insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund die deutsche Sprache näherbringen; Schirmherr ist der Grünen-Bundesvorsitzende Cem Özdemir.

2012 kam Moon Suks CD „Seasons“ mit poetischen Songs heraus, die sie mit dem Komponisten Jan Giese geschrieben hatte. Sie malt auch Bilder und hat Bücher verfasst. In einem Band stellt sie Künstler wie Meret Becker, Judy Winter und Detlev Buck mit eigener Lyrik und Prosa vor. Die Bilder dazu machte der Prominenten-Fotograf Jim Rakete.

Auch Moon Suk selbst posiert gerne vor der Kamera. Bunte, oft extravagante Kostüme und Hüte trugen ihr die Bezeichnung „Paradiesvogel“ ein. Auf manchen Fotos, die an Wänden ihrer Wohnung hängen, gleicht sie fast der isländischen Sängerin Björk. Mit Konzerten, Opernaufführungen und Mode-Performances gastiert die Künstlerin im In- und Ausland.

In Berlin finden vom Frühjahr bis zum Herbst musikalische Abendspaziergänge im Tiergarten statt. Bei der „Serenade by Moon“ führt Moon Suk mit einer roten asiatischen Laterne durch den Park und singt romantische Musik.

Salonkultur lebt wieder auf

Die Tradition der Berliner Salonkultur reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Frauen wie Rahel Varnhagen luden Menschen verschiedener Stände, Religionen und Weltanschauungen ein. Seit ein paar Jahren liegen private Salons wieder im Trend. Das Spektrum reicht von Ausstellungen, Konzerten, Lesungen und politischen oder philosophischen Zirkeln bis zu Filmabenden junger Leute. Allein in Charlottenburg-Wilmersdorf gibt es beispielsweise auch den von Anwohnern gegründeten Kultursalon „Die Flaneure“ an der Knesebeckstraße, den „Salon Dahlmann“ des Mäzens und Sammlers Timo Miettinen an der Marburger Straße und – in einem dortigen Nachbarhaus – regelmäßige „Treppenkonzerte“ und andere Veranstaltungen im „Private Office Berlin“ der Unternehmerin Bettina Mützel.

- Informationen und Anmeldung zu den Konzerten unter www.salonmoon.de

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