Chronik der Berliner Ku'damm-Theater : 95 Jahre große Namen auf der Bühne

Die Geschichte der beiden abrissbedrohten Boulevardtheater am Kurfürstendamm reicht 95 Jahre zurück. Eine Übersicht.

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In den Ku'damm-Bühnen wurden Auftritte von Schauspielern wie Edith Hancke und Klaus Sonnenschein legendär.
In den Ku'damm-Bühnen wurden Auftritte von Schauspielern wie Edith Hancke und Klaus Sonnenschein legendär.Foto: Jens Kalaene/dpa

Am Dienstag hat das Landgericht Berlin ein Räumungsurteil gegen die Ku'damm-Bühnen erlassen. Hier fassen wir die Entwicklung der traditionsreichen Spielstätten zusammen.

Die Ursprünge

Die ältere der zwei Boulevardbühnen ist das im Oktober 1921 eröffnete Theater am Kurfürstendamm, das der berühmte Theaterarchitekt Oskar Kaufmann gestaltete (das 95. Jubiläum will der heutige Intendant Martin Woelffer am 2. November mit der Berliner Premiere des Stücks „Er ist wieder da“ feiern). 1924 lässt Max Reinhardt die ebenfalls von Kaufmann entworfene Komödie am Kurfüstendamm bauen. 1934 übernimmt der Operndirigent und -regisseur Hans Wölffer beide Theater, bis sie 1942 vom NS-Regime verstaatlicht werden.

Nach dem Krieg

Nach schweren Schäden im Zweiten Weltkrieg beginnt 1946 der Wiederaufbau. 1949 zieht die Freie Volksbühne ins Theater am Ku’damm ein. Ab 1950 leitet Hans Wölffer wieder die Komödie und lässt sie auf mehr als 600 Plätze ausbauen. Zu den Bühnenstars gehören Grethe Weiser, Rudolf Platte, Viktor de Kowa und Curt Goetz. 1963 verlässt die Freie Volksbühne das Theater, so wird Hans Wölffer auch dort wieder Direktor. In den folgenden Jahren treten Schauspieler wie Grit Boettcher, Curd Jürgens, Harald Juhnke, Anita Kupsch, Inge Meysel und Günter Pfitzmann am Ku’damm auf, später auch Otto Sander, Katja Riemann und Katharina Thalbach. Mit der Errichtung des Ku’damm-Karrees in den Jahren 1971 bis 1974 nach Plänen der Architektin Sigrid Kressmann-Zschach werden die zuvor freistehenden Häuser umbaut. 1974 übernimmt Hans Wöllfers Sohn Jürgen die Geschäftsführung des Familienbetriebs.

Gegen den Abriss der Ku'damm-Bühnen wurde viel protestiert, wie hier bei einer Kundgebung vor zehn Jahren.
Gegen den Abriss der Ku'damm-Bühnen wurde viel protestiert, wie hier bei einer Kundgebung vor zehn Jahren.Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Wechselnde Karree-Eigentümer

Der Streit um die Bühnen beginnt im Jahr 2003, als Karree-Eigentümer Rafael Roth alles an eine Fondsgesellschaft der Deutschen Bank verkauft. Die DB Real Estate kündigt den ersatzlosen Abriss der Bühnen an. Es folgen Proteste vieler Künstler, Demonstrationen und Unterschriftensammlungen. 2004 tritt Martin Woelffer die Nachfolge seines Vaters als Intendant an. Zwei Jahre später erwirbt die US-Investmentfirma Fortress das Karree, veräußert es aber ein Jahr später an das irische Unternehmen Ballymore.

Im Januar 2011 scheitert ein vom Verein „Rettet die Ku’damm-Bühnen“ durchgesetzter Bürgerentscheid an der zu geringen Wahlbeteiligung (13,68 Prozent). Ende 2014 wechseln die Eigentümer erneut. Das Münchener Unternehmen Cells Bauwelt gibt bekannt, das Karree für Finanzinvestoren erworben zu haben. Erst später zeigt sich, dass Cells-Chef Christian Elleke nur die Hälfte der Anteile besitzt. Nach einem Rätselraten um Briefkastenfirmen in Luxemburg und Panama wird der russische Unternehmer Mikhail Opengeym als zweiter Eigentümer genannt.

So plant Architekt Jan Kleihues das Foyer eines neuen Theaters im Ku'damm-Karree. Treppen führen nach unten in den Bühnensaal.
So plant Architekt Jan Kleihues das Foyer eines neuen Theaters im Ku'damm-Karree. Treppen führen nach unten in den Bühnensaal.Simulation: Kleihues + Kleihues Architekten

Die neuesten Umbaupläne

Im Januar 2016 stellen die Investoren neue Umbauentwürfe des Architekten Jan Kleihues für das Karree vor. Auch dieser plant den Abriss der alten Säle, dafür soll an einem „Theaterplatz“ im Innenhof eine neue unterirdische Bühne entstehen; nur das Foyer stünde oben. Martin Woelffer lehnt diesen Umzug jedoch ab. So kommt es zur Räumungsklage der Vermieter.

Eine ausführliche Chronik der Bühnen finden Sie auf deren Webseite: www.komoedie-berlin.de

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