Franz-von-Mendelssohn-Medaille : Sauber und sozial

In Aynur Boldaz-Özdemirs Unternehmen Forever Clean putzen viele Benachteiligte.

von
Unternehmerin Aynur Boldaz-Özdemir
Unternehmerin Aynur Boldaz-ÖzdemirFoto: Forever Clean

In Berlin wächst das gesellschaftliche Engagement von Firmen. Für einige gab es dafür die von Handwerkskammerpräsident Stephan Schwarz und IHK-Chef Eric Schweitzer gestiftete Franz-von-Mendelssohn-Medaille. In loser Folge stellen wir auch Betriebe vor, die in die engere Wahl kamen – als Motivation und Anregung.

Ursprünglich hatte Aynur Boldaz-Özdemir nicht geplant, aus ihrer Glas- und Gebäudereinigungsfirma „Forever Clean“ einen Vorzeigebetrieb für unternehmerische Sozialverantwortung zu machen. Begriffe wie Corporate Social Responsibility und Inklusion „kannte ich noch nicht“, erinnert sie sich an die Firmengründung vor 15 Jahren.

Heute beschäftigt die gebürtige Türkin, die seit 1987 in Berlin lebt, mehr als 400 Mitarbeiter in Berlin und einer Niederlassung in der Türkei. Zum Personal gehören viele Menschen mit Behinderungen. An den Berliner Standorten in Wilmersdorf und Treptow haben auch viele Beschäftigte einen Migrationshintergrund. Ausgebildet werden zudem junge Bewerber mit schlechten Schulnoten. Gleichzeitig gibt es keine spezielle Altersgrenze, soeben wurde wieder ein 55-Jähriger angestellt. 

Die Kunden haben keine Vorurteile mehr

Zu den Kunden zählen Banken, Restaurants, Kirchen, Botschaften und Konsulate in der Türkei und Privathaushalte. 2011 wurde Boldaz-Özdemir vom Regionalkreis des Interessenverbands „Die Familienunternehmer“ zur „Unternehmerin des Jahres“ gekürt. Charlottenburg-Wilmersdorf verlieh ihr einen Preis für „Frauen in Verantwortung“.

Gute Erfahrungen mit ihrer ersten schwerbehinderten Mitarbeiterin hatten Boldaz-Özdemir auf die Idee gebracht, mehr Menschen mit Beeinträchtigungen anzustellen. Vorurteile von Kunden konnte sie ausräumen, sagt sie. Dies heiße nicht, dass alles immer glatt gehe. Es gab Einzelfälle, in denen geistig Behinderte beispielsweise Schlüssel eines Auftraggebers zerbrachen oder in einer Firma stapelweise Klopapier wegwarfen (der Kunde glaubte zuerst an Diebstahl).

Benachteiligte Mitarbeiter sind oft besonders motiviert

Grundsätzlich erweisen sich gerade die Beschäftigten, die sonst kaum Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt hätten, als besonders motiviert. Mehr als 70 Prozent der Angestellten sind mehr als neun Jahre dabei, nur selten meldet sich jemand krank. Die Chefin will Mut machen, zumal auch ihr eigener Erfolg ungewöhnlich ist.

Die 46-Jährige hat weder studiert noch eine Ausbildung absolviert. Erst vor dem Schritt in die Selbstständigkeit besuchte sie Schulungen, vor allem zu betriebswirtschaftlichen Fragen. Der Berliner Handwerkskammer trat sie vor ein paar Jahren als erste Unternehmerin mit Migrationshintergrund bei. Eine Reihe von Ehrenämtern kam hinzu, beispielsweise im Mittelstandsbeirat des Berliner Senats.

Mehr zum Unternehmen unter www.forever-clean.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben