Holocaust-Gedenken in Berlin-Charlottenburg : „Stolpersteine“-Initiator empfiehlt Verlegung auf öffentlichen Gehweg

Der Künstler Gunter Demnig rät seinen Charlottenburger Unterstützern zum Einlenken im Streit um sieben „Stolpersteine“, die in der Dahlmannstraße versehentlich auf privatem Grund verlegt wurden. Die beste Lösung scheine eine Neuverlegung am Gehweg.

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In Gedenken an die Opfer: Stolpersteine in der Dahlmannstraße. Foto: Cay Dobberke
In Gedenken an die Opfer: Stolpersteine in der Dahlmannstraße.Foto: Cay Dobberke

Nach der Forderung eines Charlottenburger Hauseigentümers, an der Dahlmannstraße 1 sieben Gedenktafeln für jüdische Opfer des NS-Terrors zu entfernen, hat sich der Künstler und Gründer der Stolperstein-Initiative, Gunter Demnig, für eine Verlagerung der Mahnmale auf den öffentlichen Gehweg ausgesprochen. Dies sei die einfachste Lösung und koste nicht viel, sagte Demnig auf Nachfrage. Schließlich würden die Stolpersteine in der Stadt von Auszubildenden des Lehrbauhofs Berlin-Brandenburg verlegt.

Demnig nannte es „schade, dass dieser Streit so hochkocht“. Er habe damit nichts zu tun und erst jetzt von der Verlegung der Stolpersteine an der Dahlmannstraße zwischen 2009 und dem Frühjahr 2014 erfahren. Demnig empfiehlt der Charlottenburg-Wilmersdorfer Initiative um den Journalisten und früheren Senatssprecher Helmut Lölhöffel, nicht auf dem Standort der Tafeln zu beharren, die versehentlich 30 bis 40 Zentimeter zu nah am Haus eingelassen worden waren.

„Ich habe in Hamburg einen ähnlichen Fall erlebt“, sagte Demnig. Vor Jahren habe sich dort an einer Stelle nachträglich herausgestellt, dass Stolpersteine auf einem nicht mehr erkennbaren ehemaligen Garten standen. Er habe diese dann „ganz geräuschlos“ um 50 Zentimeter auf das städtische Straßenland versetzt.

Steine des Anstoßes. An der Dahlmannstraße will der Vermieter die „Stolpersteine“ für NS-Opfer entfernen. Ein Zeichen dagegen setzt hier Helmut Lölhöffel von der Gedenk-Initiative. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Steine des Anstoßes. An der Dahlmannstraße will der Vermieter die „Stolpersteine“ für NS-Opfer entfernen. Ein Zeichen dagegen...Foto: Kai-Uwe Heinrich
Gunter Demnig, Initiator des Stolperstein-Projektes, bei einer Tafelverlegung in der Wielandstraße. An der Dahlmannstraße war er nicht beteiligt. Foto: Tsp
Gunter Demnig, Initiator des Stolperstein-Projektes, bei einer Tafelverlegung in der Wielandstraße. An der Dahlmannstraße war er...Foto: Tsp

Bei der Stolperstein-Initiative „ist es mein Konzept, dass sie im öffentlichen Raum verlegt werden“, betonte Demnig. „Ich achte immer darauf, wo die Baufluchtlinie liegt.“ In den 1990er Jahren habe er ursprünglich erwogen, Tafeln an Hauswänden anzubringen, dies dann aber wegen des zu erwartenden Widerstands vieler Hauseigentümer verworfen. Rechtlich sei es klar, dass ein Grundbesitzer Stolpersteine nicht dulden müsse.

Demnig will sich nicht direkt in den Konflikt in Charlottenburg einschalten: „Das kostet mich zuviel Kraft.“ Erst am Montag habe er neun neue Stolpersteine an drei Orten im Bundesgebiet verlegt.

Hauseigentümer Karlheinz F., der nicht selbst an der Dahlmannstraße wohnt, hatte die Entfernung wegen angeblicher Rutschgefahr verlangt: „Schon aus versicherungsrechtlichen Gründen“ seien die „glatten Stolpersteine“ für ihn nicht hinnehmbar, schrieb er der Charlottenburg-Wilmersdorfer Initiative.

Ein Ultimatum verstrich am vorigen Freitag. F. hatte angekündigt, die Stolpersteine danach herauslösen zu lassen und die Kosten der Initiative in Rechnung zu stellen. Noch stehen die Tafeln an alter Stelle.

Der Artikel erscheint auf dem Ku'damm-Blog, dem Online-Magazin für die westliche Innenstadt.

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