Museum Charlottenburg-Wilmersdorf : Glaubensbekenntnisse in der Villa Oppenheim

Anlässlich des Reformationsjubiläums und des Kirchentags illustriert eine Ausstellung die religiöse Vielfalt in der westlichen Innenstadt.

Kirchenkunst. Museumsleiterin Sabine Witt an der Skulptur aus St. Ludwig.
Kirchenkunst. Museumsleiterin Sabine Witt an der Skulptur aus St. Ludwig.Foto: Cay Dobberke

Als das Museum Charlottenburg-Wilmersdorf für seine neue Ausstellung die Religionen im Bezirk erforschte, war Sabine Witt verblüfft über das Ergebnis: Die Museumsleiterin zählte 73 Gemeinden und Glaubensgemeinschaften. So viele finden sich in „kaum einem anderen Berliner Stadtteil“. Jetzt stellt das Museum in der Villa Oppenheim die „religiöse Vielfalt in Charlottenburg und Wilmersdorf“ umfassend vor.

Am auffälligsten sind die Sakralbauten, die das Stadtbild prägen, allen voran die evangelische Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Die heute von Franziskanern geführte katholische Kirche St. Ludwig und der Park davor machen den nach ihr benannten Ludwigkirchplatz in Wilmersdorf aus. Die älteste erhaltene Moschee in Deutschland eröffnete vor 99 Jahren an der Brienner Straße und wird derzeit saniert.

„Gleich einer Perlenschnur“, wie Witt es ausdrückt, reihen sich entlang des Hohenzollerndamms weitere Kirchenbauten, etwa die russisch-orthodoxe Christi-Auferstehungskathedrale, die Schmargendorfer Kreuzkirche und die 1933 geweihte evangelische Kirche am Hohenzollernplatz, die wegen ihrer expressionistischen Architektur oft „Kraftwerk Gottes“ genannt wird.

Die Kirche am Hohenzollernplatz.
Die Kirche am Hohenzollernplatz.Foto: Friedhelm Hoffmann

Vom buddhistischen Zentrum bis zum Shaolin-Tempel

Die größte jüdische Synagoge an der Pestalozzistraße fällt weniger auf, weil sie im Hof eines Altbaus steht. Im früheren Offizierskasino an der Soorstraße 85 in Westend feiert in diesem Jahr das buddhistisch-tibetanische Rigpa-Zentrum sein zehnjähriges Bestehen. Seit 16 Jahren gibt es den Shaolin-Tempel an der Bundesallee.

Die Ausstellung „Zeig mir was du glaubst“ präsentiert das Bezirksmuseum anlässlich des 500. Reformationsjubiläums und des evangelischen Kirchentags. Eine Holzskulptur aus St. Ludwig zeigt den Namenspatron König Ludwig IX. von Frankreich mit seiner Frau Margarethe. Aus der Friedenskirche an der Bismarckstraße stammt ein „Abendmahlstablett“ mit vielen kleinen Gläsern (so muss nicht jeder Gottesdienstbesucher aus demselben Kelch trinken).

Das "Abendmahlstablett mit Einzelkelchen" – eine Leihgabe der Friedenskirche.
Das "Abendmahlstablett mit Einzelkelchen" – eine Leihgabe der Friedenskirche.Foto: Cay Dobberke

Zur Sonderschau gehört ein umfangreiches Begleitprogramm

Eine Baptistengemeinde überließ dem Museum ein Taufkleid; dort werden nicht Kinder getauft, sondern erst junge Leute im Alter ab 16 Jahren. Exponate steuerten auch die Gedächtniskirche, die Synagoge an der Pestalozzistraße, Moscheen und die Buddhisten in Westend bei. Im Begleitprogramm gibt es kostenlose Führungen, Vorträge, Konzerte und Angebote für Kinder und Jugendliche ab zehn Jahren.

Alle Sakralbauten sind in einer Karte eingezeichnet, Informationen dazu gibt es auf weiteren kleinen Kärtchen. Dabei geht es auch um nicht mehr existierende Gotteshäuser. Die Synagogen an der Fasanenstraße und der Prinzregentenstraße und der jüdische „Friedenstempel“ in Halensee wurden bei den November-Pogromen der Nazis 1938 ganz oder größtenteils zerstört.

- Bis 5. Nov. Villa Oppenheim, Schloßstraße 55, Eintritt frei. villa-oppenheim-berlin.de

Die Synagoge an der Pestalozzistraße.
Die Synagoge an der Pestalozzistraße.Foto: Friedhelm Hoffmann
Die älteste erhaltene Moschee Deutschlands steht an der Brienner Straße in Wilmersdorf.
Die älteste erhaltene Moschee Deutschlands steht an der Brienner Straße in Wilmersdorf.Foto: Cay Dobberke

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