U-Bahn-Sanierung in Berlin verzögert sich : Dauerbaustelle am Bahnhof Zoo

Seit zwei Jahren wird in der Hardenbergstraße an einem BVG-Tunnel gebuddelt – und geflucht. Die Arbeiten dauern länger als geplant.

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Geht in die Verlängerung: die Baustelle in der Hardenbergstraße.
Geht in die Verlängerung: die Baustelle in der Hardenbergstraße.Foto: Cay Dobberke

Jubiläum an der Hardenbergstraße in der City West. Ziemlich genau seit zwei Jahren laufen die Anwohner Slalom zwischen Absperrungen und Bauzäunen – mittenmang Autos im Schritttempo. Weiße Kunststoffzäune, Leuchtbänder und Bauschilder allenthalben. Verkehrschaos, Hupkonzerte, fluchende Radler. Dabei ist es doch eigentlich „Objektkunst“, wie Anwohner und Tagesspiegel-Checkpoint-Leser Marko Tolle vermutet: „Das Werk heißt ,Stillstand‘“ schreibt er und liefert die Deutung des Kunststücks gleich mit: „dass der Mensch am Ende doch der Maschine überlegen“ ist – seit Monaten stünden nämlich auch die Baumaschinen still, weil der starke Arm des BVG-Arbeiters es will.

Der Mann nimmt es mit Humor, dabei nimmt die Kunst selbst auch Schaden, die Schauspielkunst am Renaissance-Theater. Das ist nicht nur vom Publikumsverkehr leidlich abgeschnitten, sondern auch die eigene Baustelle vom Verkehr. Das Dach der ehrwürdigen Spielstätte sollte saniert werden.

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1 von 48Archivfoto: Deutsche Bahn
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Ein Jahr Verzögerung

Eigentlich hätte der Spuk bald vorbei sein müssen und Mensch und Maschine hätten im Oktober ganz abziehen sollen. Doch der Zeitplan der BVG für die Sanierung ihrer unterirdischen Bauwerke ist längst aus den Fugen geraten. Ein Jahr länger wird es dauern, um die Decken für den Tunnel der U-Bahn-Linie 2 zwischen Bahnhof Zoo und Ernst-Reuter-Platz unter dem Asphalt abzudichten. Denn, Überraschung: Asbesthaltige Materialien hatten die Arbeiter in den Fugen der Konstruktion entdeckt. Und weil mit dieser Art von Sondermüll nicht zu spaßen ist – schließlich ist die Gesundheit gefährdet, wenn die dem Beton beigemischten Fasern eingeatmet werden –, musste ein „Entsorgungskonzept“ mit dem Landesamt für Gesundheit und Arbeitssicherheit abgestimmt werden. „Akkuratesse geht vor Schnelligkeit“, sagt ein BVG-Sprecher.

Aber das ist nun erledigt und auch die Asbest-Sanierung, heißt es bei der Verkehrsgesellschaft. Und vielleicht sollte man der Firma auch die Fertigstellung des BER-Airports anvertrauen, denn sie bringt es fertig, die Bauleute zuzüglich Entsorgungsexperten ein Jahr länger zu beschäftigen und außerdem noch Sondermüll zu entsorgen, ohne einen Cent mehr auszugeben. „Momentan sind alle Kosten durch die Projektfinanzierung gedeckt“, heißt es auf Anfrage. Oder folgt die böse Überraschung noch? Räumt man auf hartnäckiges Bohren doch ein: „Inwieweit sich die Schadstoffentsorgung auf die Gesamtsumme auswirkt, können wir erst zum Abschluss sagen“.

Einschränkungen im U-Bahn-Verkehr

Insgesamt 880 Meter ist die Tunnelstrecke lang, die nun abgedichtet werden muss. Und während die Spießrutenläufe bisher nur über der Erde zu beobachten waren, wird sich bald auch der Verkehr unterirdisch stauen. „Nach aktuellem Stand wird es perspektivisch noch einmal Einschränkungen im U-Bahn-Verkehr geben müssen“, teilte die BVG mit. Zwischen welchen Bahnhöfen dieser Hauptschlagader der Berliner U-Bahn-Netzes mit Busersatzverkehr oder anderen Einschränkungen zu rechnen ist, verrät man erst mal nicht: Man sei „bemüht, Auswirkungen auf den Fahrgastbetrieb auf ein Minimum zu reduzieren“.

In fünf Baufelder hat die BVG die Hardenbergstraße aufgeteilt, vom Ernst-Reuter-Platz ausgehend bis runter zum Bahnhof Zoo. Während das erste Baufeld abgeschlossen ist, sollen noch in diesem Jahr die Arbeiten westlich vom Steinplatz sowie östlich der Fasanenstraße fertiggestellt werden. Im Juni kommenden Jahres soll dann der Abschnitt östlich der Fasanenstraße freigegeben werden, bis September dann der Rest der Baustelle im Bereich des Bahnhofs.

Kosten für die Sanierung sind unbekannt

Geheimniskrämerei betreibt die Firma um die Kosten für die Sanierung des 110 Jahre alten Tunnels: Diese lägen irgendwo im „höheren einstelligen Millionenbereich“. Wer nichts Genaues vermeldet, muss später auch keine Budgetüberschreitungen einräumen.

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