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Umbau zu "Mall of Ku'damm" : Mitarbeiter von Karstadt am Ku'damm fürchten um Jobs

Möglicherweise verlieren alle 193 Angestellten ihren Arbeitsplatz. Im Februar wollte man sie noch in anderen Filialen unterbringen. Jetzt gibt es einen Brandbrief der hausinternen Betriebsgruppe von Verdi.

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Foto: Martin Gerten/dpa

Bei Karstadt am Kurfürstendamm müssen wegen des geplanten Umbaus alle 193 Beschäftigten um ihre Jobs fürchten – obwohl der Warenhauskonzern im vorigen Februar anderes angekündigt hatte. Damals hieß es, zusammen mit dem Betriebsrat würden „sozialverträgliche Lösungen für die Mitarbeiter gesucht“, denkbar sei die Beschäftigung in einer anderen Filiale oder die Wiedereinstellung bei der späteren Neueröffnung am Kudamm. Doch davon ist keine Rede mehr. Man müsse der gesamten Belegschaft kündigen, hieß es in einer Betriebsversammlung.

Dies wurde erst jetzt durch einen Brandbrief bekannt, den die hausinterne Betriebsgruppe der Gewerkschaft Verdi an Karstadt-Chef Stephan Fanderl und Finanzvorstand Miguel Müllenbach gesandt hat. Das Schreiben wurde auf der Facebookseite des Verdi-Landesbezirks Berlin-Brandenburg veröffentlicht und dem Vernehmen nach von vielen Mitarbeitern mit unterzeichnet.

„Wir haben durch unsere engagierte Arbeit und jahrelangen Lohnverzicht geholfen, Karstadt aus dem Keller zu holen und auf Erfolgskurs zu bringen“, heißt es. Im Februar habe die Unternehmensleitung erklärt, dass „ein bunter Blumenstrauß von Maßnahmen auf uns wartet, dass man freudig in die Zukunft blicken kann und sich auf die Aufgaben im neuen Haus freuen kann“. Nun fühle man sich „verkauft, verraten und auf das Billigste abgeschrieben!“

Eröffnung 1971 als Wertheim

Noch sieht die Gewerkschaft allerdings Verhandlungsspielraum. „Bisher hat es keine Kündigungen gegeben“, sagte Verdi-Landessprecher Andreas Splanemann am Montag auf Nachfrage. Verdi habe eine Einigungsstelle angerufen, allerdings habe Karstadt den für den März 2017 geplanten Gesprächstermin abgesagt. Die weitere Entwicklung liege also „noch in weiter Ferne“.

Dies zeigt auch, dass sich der Umbau zu einem Teil des geplanten Shoppingcenters „Mall of Ku’damm“ verzögert. Im kommenden März sollte das Warenhaus vorübergehend schließen, um im Jahr 2020 in verkleinerter Form in das künftige Einkaufszentrum eingegliedert zu werden.

Darin sind insgesamt 65.000 Quadratmeter Verkaufsfläche für 230 Läden geplant. Hinter dem Projekt stehen Centerspezialist Harald Huth, der vor allem als Bauherr der „Mall of Berlin“ in Mitte bekannt wurde, und Karstadt-Eigentümer René Benko. Auch ein israelischer Milliardär soll beteiligt sein.

Karstadt am Kurfürstendamm war 1971 als Wertheim eröffnet und erst im Spätsommer 2011 modernisiert worden. Derzeit gibt es 28.500 Quadratmeter Verkaufsfläche in acht Etagen. Das zusätzliche Bettenhaus an der Augsburger Straße und das eigene Parkhaus wollen die Investoren abreißen, um Platz für ihr Center zu schaffen. Außerdem haben sie bereits Nachbargebäude erworben.

Belegschaft könnte "umgetopft" werden

Gewerkschaftssprecher Splanemann wirft die Frage auf, warum die Karstadt-Belegschaft nicht einfach „umgetopft“ werden kann, wie es zuerst angedacht war. Schließlich betreibe Karstadt nicht nur weitere Kauf- und Sporthäuser in Berlin, sondern wolle im Frühjahr 2018 in Tegel sogar erstmals seit vielen Jahren wieder eine neue Filiale eröffnen. Diese soll zum Bestandteil einer Einkaufspassage namens „Tegel Quartier“ werden, die Harald Huth zusammen mit einem anderen Investor an der Fußgängerzone Gorkistraße plant.

Erst Anfang Oktober hatte Signa angekündigt, 1,3 Milliarden Euro in die Berliner Karstadt-Standorte zu investieren. Dabei soll unter anderem auch das Haus am Hermannplatz an der Grenze von Kreuzberg zu Neukölln mit einem Shoppingcenter sowie Büros und Wohnungen umbaut werden. Dafür ist noch kein Zeitplan bekannt.

Update: Karstadt nimmt Stellung

Inzwischen äußerte sich auch Karstadt zur Filiale am Ku'damm. Eine Sprecherin bestätigte, dass sich der Umbau „aufgrund laufender Prüfungen zur weiteren Entwicklung und zum Baufortschritt des Projekts“ über den März 2017 hinaus verschiebe. Im Frühjahr wolle man mehr Einzelheiten nennen. In jedem Fall werde der Standort „perspektivisch nachhaltig gestärkt“ und eine „noch erheblich wichtigere Einkaufsstätte“ in der City West.

Ob Kündigungen erforderlich seien, „ist wegen der veränderten Zeitplanung und der noch nicht abgeschlossenen Verhandlungen mit dem Betriebsrat offen“, hieß es weiter. Mitarbeiter könnten sich „selbstverständlich“ für die künftige Filiale in Tegel oder auf freie Stellen in anderen Karstadt-Filialen bewerben.


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