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Berlin-Kreuzberg : Flüchtlinge jetzt in sechs Ersatzquartieren

62 Flüchtlinge haben am Sonntagabend die Thomaskirche am Mariannenplatz in Kreuzberg verlassen. In den neuen Unterkünften können sie vier Wochen bleiben - maximal

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Unterm Kreuz. Flüchtlinge und ihre Unterstützer halten die Kreuzberger St. Thomas-Kirche besetzt.
Unterm Kreuz. Flüchtlinge und ihre Unterstützer halten die Kreuzberger St. Thomas-Kirche besetzt.Foto: Paul Zinken/dpa

In der St.-Thomas-Kirche am Kreuzberger Mariannenplatz ist wieder Ruhe eingekehrt, nachdem die Flüchtlinge die Kirche am Sonntagabend verlassen haben. "Das Thema ist aber nicht zuende", sagte Christiane Bertelsmann vom Evangelischen Kirchenkreis Berlin Stadtmitte, zu der die St.-Thomas-Kirche gehört. Das Thema Asyl müsse grundsätzlich gelöst werden. Die 62 Menschen können in den sechs Unterkünften maximal vier Wochen bleiben. Neben den knapp 30 Plätzen im Theologischen Konvikt in der Borsigstraße wurden weitere gut 30 Plätze an fünf anderen Standorten regelrecht zusammengekratzt. Dies sind zum Teil Gemeindehäuser aber auch privat von Gemeindemitgliedern zur Verfügung gestellte Räume in Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg. Im Konvikt dürfen die Flüchtlinge vier Wochen bleiben - das ist das Maximum. Wie lange die Flüchtlinge in den anderen fünf Orten bleiben können, konnte Bertelsmann nicht sagen. Möglicherweise müssen die ersten in Kürze also schon wieder ausziehen.

Die Flüchtlinge, hatten am Donnerstagabend die St.-Thomas-Kirche in Kreuzberg besetzt mit dem Ziel, dort dauerhaft Quartier zu beziehen. Die Gemeinde hatte dies aber abgelehnt, da der Raum nicht geeignet und das Ganze personell nicht machbar sei. Vertreter des Gemeindekirchenrates, Pfarrerin Claudia Mieth und Vertreter des Kirchenkreises waren die ganze Zeit mit den Flüchtlingen und Unterstützern im Gespräch.

Ein Raumangebot im Aufenthaltssaal eines Evangelischen Studierenendenwohnheims hatte die Gruppe wie berichtet abgelehnt. Am Sonntag akzeptierten 62 Personen die vorläufige Unterbringung an sechs unterschiedlichen Orten: in Kirchengemeinden, Räumen kirchlicher Einrichtungen und bei privaten Unterstützern.

Superintendent Bertold Höcker war am Nachmittag in Absprache mit Bischof Markus Dröge und Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein in die Kirche gekommen, um in den Verhandlungen zu vermitteln - mit Erfolg.

Sonntagnachmittag schien es, als würden sie eine vierte Nacht bleiben

Die Nacht zu Sonntag war für die Flüchtlinge bereits die dritte in der Kirche. Am Sonntagnachmittag schien es so, dass sie auch noch eine vierte Nacht bleiben würden. Pfarrerin Claudia Mieth hatte einen Polizeieinsatz die ganze Zeit abgelehnt und auf einen freiwilligen Auszug gesetzt. Dem Vernehmen nach waren die Flüchtlinge untereinander uneins.

Vor allem ihre Unterstützer aus der linken Szene stritten über das weitere Vorgehen, viele argumentierten kompromisslos. Stundenlang war am Sonnabend und Sonntag weniger verhandelt als vielmehr diskutiert worden. Die Zahl der an einem Quartier interessierten Flüchtlinge stieg immer weiter an. In der ersten Nacht schliefen etwa 25 Menschen in der Kirche, in der zweiten waren es dann 38. Für diese 38 galt das Angebot der Kirche von Sonnabend, einen Monat lang in das Theologische Konvikt in der Borsigstraße in Mitte (nahe Torstraße) zu ziehen. Diese Flüchtlinge erhielten grüne Kärtchen als Eintrittskarte. Doch noch am gleichen Tag erstellte die Flüchtlingsgruppe überraschend eine Liste mit 68 Namen. „Lösung heute nicht absehbar“, twitterte die grüne Abgeordnete Canan Bayram am Samstagabend. Und dabei blieb es zunächst auch am Sonntag.

Viele Flüchtlinge hatten am Gottesdienst teilgenommen

An dem Gottesdienst um 11 Uhr hatten viele Flüchtlinge teilgenommen. Für Übernachtungen ist die Kirche hingegen schlecht geeignet. Es gibt keine Heizung, der Steinfußboden ist kalt. Deshalb hatten vermutlich linke Unterstützer in der ersten Nacht den Keller der Kirche aufgebrochen und versucht die Heizung anzustellen. Zudem gibt nur eine Toilette. Doch diese Argumente scheinen die Besetzer nur bedingt zu erreichen, kein Wunder, haben doch viele von ihnen schon draußen auf dem Kreuzberger Oranienplatz campiert. Am Sonntagmorgen baten die Unterstützer um Hilfe: „Brauchen Toilettenpapier, Zucker, Milch, Schwarztee, Kaffee, Heißgetränke, Besteck.“

Innensenator Frank Henkel (CDU) schickte, wie berichtet, nur eine scharf formulierte Mail: „Es ist schäbig, dass die Besetzer mit den Kirchen nun diejenigen in Bedrängnis bringen, die sich in den letzten Monaten für sie eingesetzt haben. Das zeigt, dass diese erpresserischen Gruppierungen auch das letzte Maß verloren haben.“

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