Ein Musical aus Pankow : Herrscher seiner Träume

Vor einem Jahr war für Sascha Laue alles noch ein Traum. Doch der junge Pankower glaubte an sich und sein Musical. Nun kommt es tatsächlich auf die Bühne.

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Ein Fotoshooting mit Hauptdarstellerin Paula (vorn) und Sascha Laue als Victor gab es schon.
Ein Fotoshooting mit Hauptdarstellerin Paula (vorn) und Sascha Laue als Victor gab es schon.Foto: Tanja Deschner

Am 28. Januar 2017 ist es so weit. Dann steht Sascha Laue zum ersten Mal als Victor in "Herrscher der Träume" in Thüringen auf der Bühne. Der junge Pankower hat das Musical selbst geschrieben und die Choreografie entwickelt, sein Freund Rick Middelkoop komponierte die Musik. Im Elternhaus von Sascha Laue in Niederschönhausen laufen nun die Vorbereitungen für das Mammutprojekt. Auf einem Schreibtisch im Souterrain, der eigentlich Laues Vater gehört, liegt der Vertrag mit dem Theater im Schlossgarten in Arnstadt. Das Haus in der Nähe von Erfurt geht mit der Produktion ein hohes Risiko ein. Denn Laue und Middelkoop haben zwar gute Referenzen als Bühnendarsteller - beide sind Absolventen der Hamburger "Stage School" - doch als "Musical-Macher" sind sie absolute Newcomer. "Man wächst da rein", sagt der 27-jährige Sascha Laue selbstbewusst. Sein wichtigstes Arbeitsutensil derzeit ist die Rechenmaschine, die neben dem Computer steht. Eine Sponsorenparty im vergangenen Jahr spülte zwar mehr Geld als erwartet in die Kasse des kleinen Zwei-Mann-Betriebs, doch mit 120.000 Euro ist das Budget auch nicht gerade üppig.

Sascha Laue (l.) und Rick Middelkoop auf dem Bühnengerüst für ihr Musical, das noch im elterlichen Garten in Niederschönhausen steht.
Sascha Laue (l.) und Rick Middelkoop auf dem Bühnengerüst für ihr Musical, das noch im elterlichen Garten in Niederschönhausen...Foto: Ulrike Scheffer

"Glücklicherweise bekommen wir wahnsinnig viel Unterstützung aus unserem Umfeld", erklärt Laue. Sein Vater, der eine Firma für Innenausbau betreibt, hilft bei den Kulissen, ein Freund der Familie hat ein Stahlgerüst geschweißt, auf dem die Bühnenbilder bewegt werden sollen. "Er wollte dafür nur Eintrittskarten für die Premiere." Mit den Kostümen möchte eine junge Modedesignerin auf sich aufmerksam machen. Auch sie verlangt daher kein Honorar. Als Billigproduktion kommt "Herrscher der Träume" dennoch nicht daher, wie ein erstes Fotoshooting auf der Bühne in Arnstadt zeigt. Die Bilder des Shootings laufen in einer Dauerschleife auf einem Fernseher im Niederschönhausener Souterrain-Büro.

In dem Stück geht es um einen Jungen namens Ben. Ben wird in der Schule gemobbt und flüchtet sich immer stärker in eine Traumwelt, wo er dem Herrscher der Träume begegnet. Der scheint keine guten Absichten zu verfolgen, doch dann ist da auch noch Victor und entpuppt sich als der wahre Bösewicht. Ein Kampf um Macht und Träume beginnt, den der 31-jährige Middelkoop mit Rockmusik unterlegt hat. Im Studio spielt er gerade die Stücke für ein Album ein. Die meisten Instrumente spielt er dabei selbst. Im Theater wird die Musik ebenfalls vom Band kommen. "Die Komposition ist so komplex, da bräuchten wir ein gigantisches Orchester", sagt Middelkoop.

Auch eine Berliner Bühne zeigt Interesse

Auch Regie führen Laue und Middelkoop selbst. Noch im Juni wollen sie einen Trailer drehen. Und die letzten Rollen für ihr Stück besetzen. Fest steht: Eine 12-jährige Schülerin aus Fulda wird Ben spielen. Es ist nicht ihre erste Bühnenrolle. "Ich hatte bereits in anderen Produktionen mit Paula zu tun und war vom ersten Augenblick an begeistert von ihr", sagt Laue. Die kommenden Proben und auch die Aufführungen müssen nun ganz auf das Mädchen und ihren Stundenplan zugeschnitten werden. Sechs Aufführungen sind zunächst geplant. Der Kartenverkauf läuft laut Laue sehr gut an. "Die Premiere ist schon ausverkauft." Das Arnstädter Theater denke nun über Zusatztermine nach. Und Verhandlungen mit anderen Theatern liefen auch bereits. "Auch mit einer Bühne in Berlin sind wir im Gespräch", so Laue. Die Chancen stehen also gut, dass "Herrscher der Träume" irgendwann auch in Laues Heimatstadt zu sehen sein wird.

Autor

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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