Gespräch mit Bezirksstadtrat Kirchner : Der Preis des Bauens

Der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Jens-Holger Kirchner (Grüne), wehrt sich gegen Kritik an Dauerbaustellen in Pankow. Außerdem: Baustellencheck - was wird fertig, wo entstehen 2015 neue Baustellen?

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Der grüne Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Jens-Holger Kirchner (hier im Prenzlauer Berg), wehrt sich gegen Kritik an Dauerbaustellen.
Der grüne Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Jens-Holger Kirchner (hier im Prenzlauer Berg), wehrt sich gegen Kritik an...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Jens-Holger Kirchner kann schon sehr mürrisch gucken. Vor allem, wenn er mit Fragen zum Straßenbau in Pankow konfrontiert wird. „Ja, es könnte an der ein oder anderen Stelle etwas schneller gehen“, sagt der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung im Gespräch mit dem Pankow-Blog des Tagesspiegels zur Unzufriedenheit vieler Bürger mit dem Bautempo. Und fügt hinzu: „Doch unter Druck wird auch schnell gepfuscht, und das hilft niemandem.“ Insgesamt findet er daher, „es läuft ganz gut“ mit den Baustellen in Pankow. Die immer wieder geäußerte Kritik an langen Bauzeiten weist er zurück. „Das ist der Preis des billigen Bauens“, so sein kurzer Kommentar. Da sei alles „Spitz auf Knopf“ geplant. Wenn es bei einer der beteiligten Firmen eine Verzögerung gebe, gerate der ganze Zeitplan schnell aus dem Ruder, denn andere hätten ihr Personal längst anderswo eingeplant, wenn sie wieder am Zug seien. Dann stehe eine Baustelle auch mal still. Konventionalstrafen gebe es in Berlin selten, erläutert Kirchner, denn „es gibt immer einen Grund für Verzögerungen“.

Bei der BVG geht es schneller

Kirchner gibt zwar zu, dass Schienenbauarbeiten der BVG meist deutlich zügiger vorangehen. Doch am Straßenbau hänge nun einmal deutlich mehr als die Straße selbst, sagt er: „Man muss bedenken: Wir sprechen hier nicht über Autobahnen, wo über hunderte Kilometer nur Beton verbaut wird. Wenn wir eine Straße erneuern, werden auch alle Leitungen darunter ausgetauscht.“ Und diese Arbeiten haben es offenbar in sich.

Die Leitungen kosten Zeit

Nur ein Drittel der Bauzeit werde in der Regel für die Straße selbst benötigt, erklärt Kirchner, der Rest entfalle auf Regenwasserkanäle (die wegen des vermehrt auftretenden Starkregens vergrößert werden müssen), auf Wasser- und Abwasserleitungen, Fernwärme- oder Telekommunikationsleitungen. Manchmal seien hier noch Altlasten aus der Vorwendezeit abzuarbeiten, es gebe in Berlin aber allgemein Nachholbedarf.

Der Frost legt alles lahm

Kirchner spricht auch von den vielen Unwägbarkeiten beim Bauen. „Jetzt ist der Frost da. Wenn es schlecht läuft, bleibt er bis April, dann kann vielleicht dreieinhalb Monate nicht gearbeitet werden.“ Wenn die Wasserbetriebe nach der Verlegung neuer Leitungen diese spülten, sei an der Oberfläche allerdings drei Wochen lang ebenfalls nichts zu sehen, sagt der Bezirksstadtrat. Kirchner will daher ein mobiles Display anschaffen, auf dem bei großen Vorhaben angezeigt wird, was gerade auf der Baustelle passiert. Aus seiner Sicht ist das eine richtig gute Investition: „Dann ärgert man sich zwar trotzdem, wenn man im Stau steht, weiß aber wenigstens, warum.“

 Der Baustellencheck

 Bald wieder freie Fahrt:

In der Mühlenstraße wurde der Abwasserkanal erneuert. Die Arbeiten sind praktisch abgeschlossen.

Die Blankenburger Straße soll Mitte/Ende 2015 endlich fertig werden. Bis dahin können Autos weiter nur in einer Richtung fahren, voraussichtlich bleibt die Zufahrt von der Pasewalker Straße gesperrt. Zur Kritik an der langen Bauzeit in der Blankenburger Straße sagt Bezirksstadtrat Kirchner: "Natürlich hätte es schneller gehen können, aber dann hätten wir die Straße komplett sperren müssen.“

Wo weiter oder neu gebaut wird:

Im Kissingenviertel werden Zug um Zug alte Wasserleitungen aus den 1920er Jahren erneuert. Das wird zwei bis drei Jahre dauern.

In Blankenburg wird weiter am Abwassernetz gearbeitet. In der Vergangenheit gab es dort nur Sickergruben. Gebaut werden soll bis 2016.

Im Rosenthaler Weg soll ab Herbst 2015 die Straße erneuert werden. Zwei bis drei Jahre muss hier mit Einschränkungen gerechnet werden.

Die Schönstraße in Weißensee wird 2015 bis voraussichtlich 2017 halbseitig wegen Baumaßnahmen gesperrt sein.

Kommt erstmal nicht:

Der dritte Bauabschnitt in der Friedrich-Engels-Straße lässt auf sich warten. Vor 2016 rechnet Kirchner nicht mit dem Baubeginn.

Ausgang ungewiss:

Die Arbeiten am U-Bahnhof Vineta-Straße werden wohl noch dauern. Der U-Bahnhof ist undicht, von oben und unten tritt Wasser ein. Die Arbeiten der BVG sollten eigentlich schon abgeschlossen sein, gestalten sich aber schwierig. Kirchner dazu: „Pankow ist ziemlich auf Wasser gebaut, deshalb gab es auch so viele Entwässerungsgräben, doch viele wurden im Laufe der Zeit zugeschüttet. Jetzt rächt sich die Natur. Und auch mit Schichtwasser hatten wir schon immer ein Problem.“

Lesen Sie demnächst im Pankow-Blog, wie Jens-Holger Kirchner die städtebauliche Zukunft im Norden des Bezirks sieht.

Autor

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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