Neuer Laden in Pankow : Ein Hoch auf die Nische

In der Florastraße gibt es seit kurzem den einzigen Hörbuchladen Berlins. Das Konzept stammt aus Österreich. Dort ist es erfolgreich.

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Filialleiterin Julia Marie Scholz hört selbst gern Literatur.
Filialleiterin Julia Marie Scholz hört selbst gern Literatur.Foto: Ulrike Scheffer

Das gibt es nur in Pankow: Vor einer Woche eröffnete hier der einzige Berliner Hörbuch- und Hörspielladen. Aber braucht Pankow das auch? Julia Marie Scholz, die bei "Audiamo" in der Florastraße die Geschäfte führt, hat gute Argumente, warum das Konzept mit den Hörbuchern trotz starker Konkurrenz im Internet und durch den normalen Buchhandel funktionieren kann. In Österreich sei "Audiamo" bereits etabliert und erfolgreich, sagt sie. "Die meisten Kunden dort sind Deutsche, die sich ihre Hörbücher von Audiamo in Wien schicken lassen, deshalb ist es doch naheliegend, in Deutschland eine Filiale zu eröffnen." Audiamo-Inhaber Günter Rubik, selbst Österreicher, wird in einer Pressemitteilung ähnlich zitiert: Österreich sei die Sahelzone des Hörbuchmarktes, Deutschland deutlich offener für akustische Literatur, heißt es da.

Großes Sortiment

Vor gut einer Woche eröffnete das Geschäft in der Florastraße 64. Auf 50 Quadratmetern sind mehr als 5000 unterschiedliche Hörbuchtitel und auch Hörspiele untergebracht. Die meisten auf CD, aber auch LPs und Kassetten sind erhältlich. Im Lager stehen weitere 10.000 Titel. Das Angebot geht über Bestseller und Neuerscheinungen also weit hinaus. Auch Reiseführer gibt es und Hörbücher in Fremdsprachen. Und natürlich eine große Abteilung für Kinder und Jugendliche.

Eine gut vernetzte Szene

Wer will, kann bei Audiamo auch online bestellen oder Hörbucher digital herunterladen. "Aber es gibt auch eine richtige Hörbuchszene in Berlin. Diese Leute wollen ihr Hörbuch in Händen halten, und sie sammeln auch", erklärt Julia Marie Scholz. Die Szene sei außerdem gut vernetzt, die Existenz Audiamos - wie gesagt, der einzige Laden seiner Art in Berlin - habe sich daher schnell herumgesprochen. "Sogar aus Spandau waren schon Kunden da."

Wunschstandort Florastraße

Und warum ausgerechnet die Florastraße? Wäre ein Standort in zentralerer Lage nicht sinnvoller gewesen? "Die nette Atmosphäre hier im Florakiez hat es uns angetan", sagt die Filialleiterin. Die Bewohner der Florastraße tauschten sich aus, die Geschäftsleute auch. "Man lebt und arbeitet miteinander." Julia Marie Scholz hat ebenfalls bereits Kontakte in der Straße geknüpft. Für das Kiezfest am 29. August plant sie ein Live-Hörspiel. Auch das gibt es in Berlin bisher wohl eher selten.

Autor

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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