Öffentlicher Nahverkehr in Berlin : Anbindung neuer Viertel dauert ewig

Stadt und BVG haben noch keinen Plan dafür, wie die Elisabeth-Aue an den Nahverkehr angebunden werden soll, sollten dort Wohnungen gebaut werden. Der Anschluss neuer Viertel dauert oft ewig - wie Beispiel von Spandau bis zum Märkischen Viertel zeigen.

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Erst die Wohnungen, dann die Infrastruktur. Manchmal dauert die Anbindung neuer Viertel an den ÖPNV ewig, oder bleibt ganz aus.
Erst die Wohnungen, dann die Infrastruktur. Manchmal dauert die Anbindung neuer Viertel an den ÖPNV ewig, oder bleibt ganz aus.Foto: dpa

Wo heute Acker ist, sollen spätestens im Jahr 2025 rund  10.000 Menschen leben. Aber wie kommen sie hin und vor allem zurück in die Stadt? Bei der Vorstellung der Idee für die neue Gartensiedlung Elisabeth-Aue sprach sich Bausenator Andreas Geisel (SPD) für eine Verlängerung der Tramlinie 50 aus. Das verlangt auch der Bezirk, der zwar gegen die Baupläne ist, diese aber nicht verhindern kann, weil der Senat die Elisabeth-Aue zu einem „Gebiet von besonderer stadtpolitischer Bedeutung“ erklärt und damit die Planungshoheit übernommen hat. Auch die Metro-Straßenbahnlinie M 1 könnte in die neue Siedlung führen. Außerdem wäre es möglich, Radwege bis zum S-Bahnhof Blankenburg zu bauen.

Erst Wohnungen, dann Infrastruktur

Die Straßenbahn-Linie 50 endet derzeit an der Guyotstraße in Französisch-Buchholz; fast unmittelbar an der Elisabeth-Aue. Dorthin fährt die Bahn erst seit dem Jahr 2000. Sie war damals weitergebaut worden, um das in diesem Bereich entstandene Neubaugebiet zu erschließen. Der Wohnungsbau war schneller erfolgt.

Bisher hatte es – bis auf wenige Ausnahmen – nur Ost-Berlin zu DDR-Zeiten geschafft, erst die Verkehrsinfrastruktur zu bauen und dann die Wohnungen. Nach Marzahn, Hohenschönhausen und Hellersdorf sind erst die Bauarbeiter gefahren und dann die Bewohner. Sogar Baustoffe seien auf Gleisen der Straßenbahn transportiert worden, berichten Zeitzeugen. Im Westteil der Stadt war es bei den Großsiedlungen nur gelungen, die Gropiusstadt in Neukölln etwa zeitgleich mit der U-Bahn-Linie 7 dort zu bauen. Dem Märkischen Viertel hatte man zwar auch eine U-Bahn versprochen, gekommen ist sie jedoch nicht. Auch die Bewohner im Falkenhagener Feld in Spandau müssen sich bis heute mit dem Bus begnügen.

Und sie warten immer noch

Mit einer Erschließung der Elisabeth-Aue habe man sich noch nicht beschäftigt, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Bisher habe es dafür auch keinen Planungsauftrag durch den Senat gegeben. Vorstellbar sei es, die Metro-Straßenbahn M1, die jetzt an der Schillerstraße in Niederschönhausen endet, über die Dietzgenstraße nach Norden weiterzuführen. Ein Anschluss des neuen Viertels über die Linie 50 wäre wegen der längeren Fahrzeit ins Zentrum nicht so attraktiv. Über die Kosten hat man sich noch gar keine Gedanken gemacht.

Beide Varianten spielten bisher bei den Straßenbahn-Ausbauplänen keine Rolle. Nach einem Beschluss zum Bauen würden Jahre vergehen, ehe die Arbeiten beginnen könnten. Sollte die neue Siedlung tatsächlich entstehen, müssten die Neubewohner lange auf einen direkten Schienenanschluss im Nahverkehr warten. Vielleicht auch ewig, wie manches schlechte Beispiel zeigt.

Autor

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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