Pankow plant Schulsanierungen : Wut-Eltern im Glück

In Pankow hört man bisher nur selten von Elternprotesten gegen baufällige Schulen. Der Erfolg der Grundschule im Hasengrund im Kampf um Sanierungsgelder könnte das ändern.

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Die Grundschule im Hasengrund in Pankow.
Die Grundschule im Hasengrund in Pankow.Foto: Ulrike Scheffer

Die Eltern der Grundschule im Hasengrund haben sich schon so manches einfallen lassen, um auf den katastrophalen Zustand ihrer Schule aufmerksam zu machen. Derzeit organisieren sie so genannte Petitionsparties. Durch Petitionen soll der Druck auf den Bezirk aufrecht erhalten werden, den die Eltern rund um ihren Vertreter Andreas Zipperer seit Dezember aufgebaut haben. Denn die Schule hat akute Probleme. Das Gebäude ist marode, auch beim Brandschutz hapert es. Und der Umbau der alten Turnhalle zur Mensa verzögert sich immer weiter. Gleichzeitig müssen immer mehr Schüler aufgenommen werden, weil Pankow wie kein anderer Bezirk wächst. Nun zeichnet sich ab, dass sich der Protest gelohnt hat. Der Senat hat angekündigt, zusätzliche Mittel für Schulsanierungen zur Verfügung zu stellen. Bis Ende März müssen die Bezirksämter Anträge für konkrete Maßnahmen einreichen. Die Grundschule im Hasengrund steht offenbar ganz oben auf der Prioritätenliste.

Elternvertreter Andreas Zipperer im Schulgebäude.
Elternvertreter Andreas Zipperer im Schulgebäude.Foto: Ulrike Scheffer

Die zuständige Stadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD) wollte sich offiziell noch nicht zu den geplanten Projekten äußern. Dem Pankow-Blog des Tagesspiegels sagte sie, sie rechne mit rund sieben Millionen Euro aus dem Senatsprogramm für den Bezirk. "Wir müssen nun entscheiden, ob wir mit dem Geld lieber zwei große Projekte oder mehrere kleinere finanzieren." Ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl: Die Maßnahmen müssen schnell zu planen beziehungsweise in der Planung schon fortgeschritten sein, "denn spätestens 2016 wollen wir bauen", sagt die Stadträtin.

Auch das spricht für die Grundschule im Hasengrund. Sie war gerade in die Investitionsplanung des Bezirks für 2017/18 aufgenommen worden. "Nach unserem Auftritt in der Bezirksverordnetenversammlung Ende Januar wurde die Planung dahingehend ergänzt, dass Maßnahmen an unserer Schule nach Möglichkeit vorzuziehen sind", sagt Elternvertreter Zipperer.

Das Beispiel der Schule zeigt, dass sich Protest offenbar lohnt. Die Eltern vom Hasengrund hatten ihre Schule auch schon zum Kunstobjekt erklärt und unter anderem Feuerwehrschläuche aus den Fenstern gehängt. Auch Postkarten an Bezirksverordnete haben sie verschickt. Das blieb nicht ohne Wirkung. Die Pankower SPD entschuldigte sich kürzlich in einem Brief bei Schülern und Eltern für die Zustände an der Schule, die Grünen schicken demnächst ihre schulpolitische Sprecherin vorbei.

"Offiziell wurden wir zwar immer beschwichtigt, doch hinter den Kulissen bewegt sich dann scheinbar doch etwas", resümiert Andreas Zipperer seine Erfahrungen. Ob das Beispiel der Schule im Hasengrund Nachahmer findet, wird sich zeigen. Bisher gab es in Pankow jedenfalls eher selten Protestaktionen von Eltern. In Kreuzberg, Neukölln und Zehlendorf tut sich deutlich mehr.

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Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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