Wahrzeichen von Berlin : Pankow streitet sich um Bären an der Autobahn

Der Berliner Bär an den Autobahnen zeigt die Entfernung zur Heimat an. Auch in Pankow soll ein Exemplar am Straßenrand stehen - allerdings eine andere Variante. Andreas Conrad wird beim Streit um Pelztiere ziemlich brummig. Die Glosse.

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Vorbild Zehlendorf. Hier, am einstigen Kontrollpunkt Dreilinden in Berlin-Wannsee, steht seit den 50er Jahren dieser Bär auf dem Mittelstreifen. So ein Wahrzeichen soll auch in Pankow aufgestellt werden. Foto: Imago
Vorbild Zehlendorf. Hier, am einstigen Kontrollpunkt Dreilinden in Berlin-Wannsee, steht seit den 50er Jahren dieser Bär auf dem...Foto: Imago

Bremen hat es gut. Seine Wahrzeichen sind bekanntlich Esel, Hund, Katze, Hahn. Sollten also die Bremer Bezirke an einer der dortigen Einfallsstraßen eine Skulptur aufstellen wollen, als typisch bremische und doch individuelle Visitenkarte, so bieten sich ihnen zahlreiche Varianten: alle vier Stadtmusikanten, nur drei, zwei oder vielleicht allein der Esel?

Berlin dagegen hat nur den Bären, was in der Vergangenheit für die Selbstdarstellung der Stadt kein Problem war, nun aber doch. Es geht dabei nicht um irgendeinen, es geht um den berühmtesten Bären, geschaffen von der Berliner Bildhauerin Renée Sintenis, alle Jahre wieder ein begehrtes Pelztier bei der Berlinale.

Andere Bären erschuf die Berliner Bildhauerin Renée Sintenis

Stilisiert findet sich das Bärlein mit den erhobenen Tatzen bundesweit auf vielen Kilometersteinen, die die Entfernung zur Heimat des Wappentieres mitteilen.

Und man begegnet ihm auch, als knuddelige Skulptur, auf dem Mittelstreifen der A 115 in Dreilinden und der A 113 in Treptow. Jetzt soll nach dem Willen der Pankower BVV auch die A 114 dazukommen, jedoch nicht das Sintenis-Modell, sondern eine eigene, eine Pankower Variante, entworfen in Zusammenarbeit mit der Kunsthochschule Weißensee.

Berliner Bären sind einfach überall
Bis zum Zweiten Weltkrieg standen mehrere Bronzebären auf der Moabiter Brücke, dann wurden sie vermutlich als kriegswichtiges Material eingeschmolzen. Erst 1981 ersetzte eine neue Bärengruppe nach einem Entwurf des Künstlers Günter Anlauf den Verlust. - Foto: www.flanieren-in-berlin.de flanieren-in-berlin.deWeitere Bilder anzeigen
1 von 19flanieren-in-berlin.de
12.03.2015 08:53Bis zum Zweiten Weltkrieg standen mehrere Bronzebären auf der Moabiter Brücke, dann wurden sie vermutlich als kriegswichtiges...

Ein Bekenntnis zur Individualität, wogegen sich nun aber die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sträubt, die für die Autobahn das Sagen hat und einen bezirklichen Sonderweg ablehnt. Das schreckt die Pankower freilich nicht, die zur Not ihrem Bären auf bezirkseigenem Terrain Platz schaffen wollen.

Auf der Autobahn nach Hamburg liegt ein fauler Bär

Ganz einheitlich ist der Bärengruß an der Stadtgrenze allerdings schon heute nicht. Auf dem Mittelstreifen der A 111 in Stolpe erwartet seit 1983 die Autofahrer ein Bär des Bildhauers Günter Anlauf – ein ziemlich faules Exemplar, das nicht wie der Sintenis-Bär unentwegt steht und winkt, sondern es sich auf seinem dicken Bärenhintern gemütlich gemacht hat.

„Variatio delectat – Abwechslung erfreut“, das wussten schon die alten Römer. So kann man nur dankbar sein, dass die Pankower sich für ihre Visitenkarte an der Autobahn nicht auf etwas ganz anderes, etwa ein Detail aus ihrem Bezirkswappen, besonnen haben: Das dort abgebildete Rad soll schließlich nicht den Autoverkehr verherrlichen, sondern spielt auf das Emblem der Heiligen Katharina von Alexandrien an, der Schutzheiligen der Weißenseer Dorfkirche. Sie sollte mit einem speziellen Rad zu Tode gefoltert werden, das der Legende auf ihr Gebet hin ein Engel zerstörte. Viel geholfen hat ihr das nicht: Sie wurde enthauptet.

Die Geschichte der Berliner Stadtautobahnen
Januar 2017, Alltag im Berufsverkehr. Die Stadtautobahn, aufgenommen am Spandauer Damm. Foto: ZBWeitere Bilder anzeigen
1 von 111Foto: ZB
17.03.2017 08:24Januar 2017, Alltag im Berufsverkehr. Die Stadtautobahn, aufgenommen am Spandauer Damm.

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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