Aus dem Twitter-Spaß von Torsten Rohde wurde ein Riesenerfolg : Renate Bergmann ist Spandaus bekannteste Oma

Über die fidele Seniorin mit „Heimpage“ und „Fäßbock“-Account gibt es inzwischen acht Bücher und ein Theaterstück.

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Torsten Rohde mit Anke Siefken in der Rolle von Renate Bergmann.
Torsten Rohde mit Anke Siefken in der Rolle von Renate Bergmann.Foto: Matthias Proske

Sie ist die wohl bekannteste Oma Spandaus: Ex-Trümmerfrau Renate Bergmann, geborene Strelemann (82) lebt im Großraum Heerstraße-Nord und fährt auch schon einmal zum Markt. Viel weiter hat sie es, wenn sie die Blumen auf den Gräbern ihrer vier verstorbenen Ehemänner gießt. Die Tour über vier im ganzen Berliner Stadtgebiet verteilte Friedhöfe nimmt regelmäßig einen halben Tag in Anspruch. Sie leidet an „Ossiporose“, das Fläschchen Korn hat sie aus medizinischen Gründen immer in der Handtasche und als ihr die Ärztin in der Obstallee rät, Vollkornbrötchen zu essen, kippt sie erst einmal einen kräftigen Schluck auf die Schrippe. Auf längeren Strecken lässt sich die alte Dame mehr schlecht als recht vom greisen Mann einer Freundin im „Koyota“ fahren und zweifelt am ärztlichen Rat, dass dieser bessere Bus fahren sollte, weil der doch viel schwerer zu lenken sei. An ihren Erlebnissen lässt Renate Bergmann ihre rasant wachsende Fangemeinde via Twitter und „Fäßbock“ teilhaben und hat ihre eigene „Heimpage“.

Vom Buchhalter zum Buchautor

Erfinder der prominenten Spandauer Seniorin ist Torsten Rohde. Der 42 Jahre alte Genthiner studierte in Brandenburg Betriebswirtschaft und arbeitete in seiner Heimatstadt als Controller. Weil er bei Familienfeiern immer wieder die gleichen Sprüche und alten Geschichten hörte, erfand er Ende 2013 die „Tante Renate“ und ließ sie über Twitter und Facebook aus ihrem Leben berichten. Die Resonanz war unerwartet groß und aus dem Spaß wurde spätestens dann Stress, als besorgte Leser anfragten, ob sie den Pflegedienst alarmieren sollen, wenn die alte Dame nicht zur üblichen Zeit ihren Morgengruß twitterte.

Dank Ikea wurde Renate Bergmann zur Spandauerin

Renate Bergmann brauchte eine Biographie und dazu gehört auch ein Wohnort. Dass sie von Rohde in Spandau angesiedelt wurde verdankt die Omi der Tatsache, dass dies für den Genthiner der erste Kontakt mit Berlin war, auf dem Weg zu Ikea. Es dauerte nicht lange, da meldete sich ein Literaturagent, bald darauf der Hamburger Rowohlt-Verlag. Bereits 2013 erschien das erste Buch mit dem Titel „Ich bin nicht süß, ich hab bloß Zucker“, inzwischen in der 30. Auflage und sogar in Südkorea in der Landessprache erhältlich.

Torsten Rohe auf dem Spandauer Marktplatz.
Torsten Rohe auf dem Spandauer Marktplatz.Foto: During

Längst ist Renate Bergmann Kult und für Rohde, der seit eineinhalb Jahren in Berlin lebt, zum Fulltime-Job geworden. „Vom Buchhalter zum Buchautor“, beschreibt er seine Karriere. Gerade ist das achte Werk erschienen, „Das kann man doch noch essen“ ist Renate Bergmanns großes Haushalts- und Kochbuch mit vielen Rezepten. Und bereits im Juli geht Renate Bergmann in „Besser als Bus fahren“ auf Kreuzfahrt, denn die kostet nur 120 Euro am Tag, ein Tag im Altenheim dagegen 180 Euro. In ihrem Blog ist Oma Bergmann schon öfter verreist, immer dann, wenn Torsten Rohde wegen eigener Reisen nicht zum twittern kam und besorgten Nachfragen aus dem Kreis der mittlerweile rund 80 000 Bergmann-Fans im Internet entgehen wollte. Auf Achse ist der Autor immer häufiger und hat in Anke Siefken die ideale Partnerin gefunden. Die Schauspielerin schlüpft nicht nur bei den zahlreichen Lesungen zwischen Ostsee und Alpen in die Rolle der Spandauer Seniorin, sondern verkörpert sie inzwischen auch in einem Theaterstück, das zuletzt in Zürich lief. Am 11. und 12. August bitten beide zum großen Renate Bergmann-Abend in die Berliner Diestel, wo die Spandauer Omi auch singen wird.

Der Stoff geht dem Autor nicht aus. Auch beim Treff im Café Fester am Markt spitzt er immer wieder die Ohren um zu hören, was die Seniorinnen am Nebentisch beschäftigt, Und viele Leser schicken ihm inzwischen liebenswerte Erlebnisse mit ihren eigenen Großmüttern. „In dem Tempo kann ich nicht weitermachen“, sagt Torsten Rohde dennoch. So macht er nur noch maximal fünf Lesungen im Monat und das nächste Bergmann-Buch wird erst im Herbst 2018 erscheinen, aber nein, davor wird es zum Jahresende wieder ein Werk mit Weihnachtsgeschichten geben. Und dazwischen bleiben den Fans ja die (fast) täglichen Tweets. „Ist hier jemand aus Spandau? Können Se mal gucken ob das Gewitter aufgehört hat und mir sagen, ob ich aus dem Keller wieder hoch kann?“ twitterte Renate Bergmann beim jüngsten Unwetter. Worauf sie prompt von einem Follower gewarnt wurde: „Bei Starkregen läuft aber als erstes der Keller voll.“

Fünf Bücher zu gewinnen

Wir verlosen fünf Exemplare von Renate Bergmanns neuestem Buch „Das kann man doch noch essen“. Wenn Sie gewinnen möchten, schicken Sie bis zum 15. Juni eine E-Mail mit dem Betreff „Renate Bergmann“ an spandau@tagesspiegel.de (mit Postadresse bitte).

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