Diskussion über Verkehr in Berlin-Spandau : Senatorin Günther: Keine Verlängerung der U2

Senatorin Regine Günther erteilt einer Verlängerung der U2 ins Falkenhagener Feld eine Absage. Es wird wohl eher einen Tramanschluss geben.

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Bettina Jarasch, Regine Günther und Matthias Horth (v.l.n.r.).
Bettina Jarasch, Regine Günther und Matthias Horth (v.l.n.r.).Foto: During

Der Kernsatz kam erst kurz vor dem Ende der Veranstaltung im Bürgersaal des Spandauer Rathauses. Es gebe keine Überlegungen für eine Verlängerung der U2 von Ruhleben ins Falkenhagener Feld. „Und die wird es auch nicht geben“ sagte Verkehrssenatorin Regine Günther am Mittwochabend auf eine Publikumsfrage.

Senatorin Günther informiert sich in allen Bezirken

Die parteilose Politikerin, die von den Grünen nominiert wurde, will sich „einen guten Überblick“ verschaffen, „was die Menschen in der Stadt beschäftigt“. Deshalb hat sie sich vorgenommen, im ersten Halbjahr ihrer Amtszeit alle Bezirke und deren Bürgermeister zu besuchen. Spandau war dabei die neunte Station. Von Helmut Kleebank (SPD) ließ sich Günther über den Bezirk und seine Verkehrsprobleme informieren. Anschließend hatte die ehemalige Landesvorsitzende der Grünen und jetzige Abgeordnete Bettina Jarasch, die in Spandau für den Bundestag kandidiert, die Senatorin zu einer Diskussionsveranstaltung eingeladen

Veränderungsprozesse in Spandau besonders spürbar

In Spandau seien die großen Veränderungsprozesse der wachsenden Stadt besonders spürbar, sagte Regine Günther unter Hinweis auf die gigantischen Neubaugebiete Wasserstadt und Insel Gartenfeld. Aber auch für die bestehenden Wohnviertel gebe es Nachholbedarf. Man sei gegenwärtig dabei zu untersuchen, wie eine optimale Anbindung aussehen kann, so die Senatorin. Dazu würde auch der Einsatz von neuartigen Großraumbussen auf bestimmten Routen gehören.

Tram lässt auf sich warten

Statt der U-Bahnverlängerung favorisiert die Senatsverwaltung die Wiedereinführung der Straßenbahn auch in Spandau. Dafür gibt es im Bezirk „fünf bis sechs“ geeigneter Trassen wie beispielsweise die Falkenseer Chaussee, sagte Matthias Horth, der dort für den ÖPNV zuständig ist. Von den 14 neuen Tram-Strecken, die vom Senat bisher beschlossen wurden, liegt allerdings keine in Spandau. „Wir arbeiten uns von Osten nach Westen vor“, so Horth. Immerhin werde die Strecke von Moabit zum Bahnhof Jungfernheide schon „ein Schritt in Richtung Spandau“. Auch auf der Heerstraße könnte in der Zukunft wieder eine Straßenbahn rollen, „Mittel- bis langfristig finde ich es attraktiv, doch das ist nichts, was wir in den nächsten drei oder fünf Jahren realisieren können“, sagte Senatorin Günther. Eine Spandauer "Insellösung" scheitert bisher am Trend der BVG zu zentralen Betriebshöfen. "Die Spandauer können nicht warten, bis die Tramlinien aus Berlin so weit nach Westen verlängert werden, dass auch Spandau endlich profitiert“, kritisierte Bettina Jarasch. „Wir werden politisch Druck machen müssen für Straßenbahntrassen in Spandau, mit einem eigenen Betriebshof“.

S-Bahn oder Tram auf der Siemens-Trasse

Was die Neubausiedlungen in Haselhorst betrifft, ist weiterhin eine Reaktivierung der stillgelegten Trasse der Siemensbahn einschließlich deren möglicher Verlängerung nach Hakenfelde im Gespräch. Hier wäre statt der S-Bahn auch die Straßenbahn ein „sehr geeignetes Verkehrsmittel“, erklärte Matthias Horth. Geprüft wird indessen der Bau eines zusätzlichen S-Bahnhofes an der Charlottenburger Chaussee. Die hier mögliche Verknüpfung mit den dort verkehrenden Buslinien müsste allerdings durch eine um ein bis zwei Minuten längere Fahrzeit erkauft werden. Hier wird es eine Kosten-Nutzen-Analyse geben.

Spandau - Nauen ist "Prioritätsstrecke"

Eine „Prioritätsstrecke“ ist für Regine Günther der Korridor zwischen Spandau und Nauen. Während der Fernverkehr in Richtung Hamburg weiter zunehmen und die Regionalbahnen ausbremsen wird habe die von der S-Bahn Berlin konzipierte Express S-Bahn den Vorteil, davon unabhängig zu sein, erläuterte Matthias Horth. Auch das ist ein Langzeitprojekt. Zunächst versucht man mit der Neuausschreibung des Regionalverkehrs 2022 den Takt der Züge, so gut es die engen Kapazitäten zulassen, weiter zu verdichten und den Einsatz längerer Züge zu erreichen.

Jährlich sollen drei bis fünf Buslinien in Berlin durch geänderte Ampelschaltungen, verbesserte Haltestellen und zusätzliche Busspuren deutlich beschleunigt werden. Gleichzeitig werden neue Infrastrukturen für die zunehmende Zahl von Radfahrern benötigt. „Es ist die Zeit für Investitionen“ sagte Regine Günther auch im Hinblick auf den 1,3 Milliarden-Euro-Rückstau beim Straßenunterhalt in Berlin. Es gelte, die maroden Infrastrukturen schnell wieder aufzubauen. Dazu gehöre auch die personelle Aufstockung der Tiefbauämter. „Es wird sehr viele Baustellen geben, das ist der Preis“, so die Senatorin. Sie weiß: „Als Senatsverwaltung haben wir einen riesigen Berg an Aufgaben vor uns“.

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