Gastbeitrag der Vorsitzenden des Wirtschaftshof Spandau : Ein Münchner in Spandau

Der Maler Cäsar W. Radetzky zeigt seine Werke in einer Retrospektive in der Galerie am Spandauer See.

Gabriele Fliegel
Gabriele Fliegel leitet den Spandauer Wirtschaftshof.
Gabriele Fliegel leitet den Spandauer Wirtschaftshof.Foto: During

Ich fahre durch ein enges und hohes Gittertor der ehemaligen Pulverfabrik, parke mein Auto – schaue nach oben: Galerie? Wo geht es zur Vernissage? Im 2. Stock werde ich von dem Galeristen Bernd Plickert und dem Künstler Cäsar W. Radetzky empfangen. Das Entrée ist eng, doch wenig später stehe ich vor einem großen einladenden Tisch mit herrlichen Speisen, wie sich später herausstellt, vom Künstler selbst zubereitet. Der Raum ist erfüllt von großformatigen Bildern. Lichtdurchflutet, geht es weiter durch Raum und Raum und Raum - mit einem wunderbaren Blick auf den Spandauer See. Ich bin begeistert: ist das wirklich hier in Spandau?

Großformtige Ölbilder

Auf dem Rundgang durch die Galerieräume bieten sich dem Betrachter vorwiegend großformatige Ölbilder auf Leinwand. Expressiv in der Darstellung, pastos im Farbauftrag und eindringlich leuchtend, aber harmonisch im Kolorit. Daneben finden sich kleinformatige Leinwandbilder, verschiedene Studien oder Arbeiten aus Radetzkys Beethoven/Diabelli Zyklus, collagierte Gemälde von ganz besonderem Reiz. Von einem Zyklus bin ich jetzt zur Osterzeit besonders berührt, dem Kreuzwegzyklus II „Die Blaue Krone“. Einer der Ausstellungsräume dient als Graphikkabinett mit Arbeiten auf Papier, ebenso farbstark in Acryl- oder Aquarelltechnik ausgeführt, sowie schwarz/weiße Tuschezeichnungen oder Collagen. Auf handgefertigten Glasstelen der Firma Glascompany, dem Betreiber der Galerie, übersichtlich im Raum verteilt Skulpturen, die ebenfalls zum Oeuvre Radetzkys zählen.

Schüler von Oskar Kokoschka

Der international bekannte Münchner Künstler Cäsar W. Radetzky studierte in München, Florenz, Paris und Salzburg und war dort u. a. Schüler von Oskar Kokoschka. Er zählt zu den anerkannten zeitgenössischen Künstlern. Seine Arbeiten sind in Museen, öffentlichen und privaten Sammlungen zu finden. Radetzky erforscht malerisch das Verhältnis von Gegenständlichkeit und Abstraktion. Kritiker bescheinigen seinem Werk, diesem schmalen Grad zwischen abstraktem und figurativem Expressionismus, einhellig eine große und ausdrucksstarke malerische Qualität, die heute nicht mehr zum Allgemeingut der zeitgenössischen Kunst gehört. Radetzkys Werke entstehen zumeist aus ganz persönlichen Erlebnissen und sensiblen Beobachtungen. Zeitkritische oder politische Aspekte fließen nur selten mit ein. In seinen Arbeiten reflektiert er über (zwischen-) menschliches Verhalten, die Menschen auf seinen Bildern bleiben jedoch anonym. Seit dem Sommer 2015 lebt Radetzky in Spandau.

Arbeit mit jungen Menschen

Zusammen mit der Komposition von Hannes Beckmann und seinem Philharmonischen Jazz-Kammerorchester gab es im

Residenztheater München ein Kreuzweg-Konzert mit den groß auf Mauer projizierten Bildern des Kreuzweges von Radetzky. Und ähnlich wie Sir Simon Rattle, Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, mit 250 Kindern und Jugendlichen aus 25 Nationen unter Anleitung des Choreografen und Tanzpädagogen Royston Maldoom das Ballett „Le sacre du printemps – Rhythm ist it!“ von Igor Stravinsky aufgeführt hat, haben Cäsar W. Radetzky und Hannes Beckmann zusammen Canto Migrando kreiert. Ein Projekt in dem Komponieren, Musizieren, Fotografieren, Malen und Gestalten künstlerisch begleitet wird.

Kunst und Spandau

1976 kam ich nach Berlin wegen der Kunst, der Musik und der Liebe. Ich war mit den „Neuen Wilden“ gut befreundet und lernte Frau Germershausen kennen, ich liebe ihre Galerie Spandow. Auf der Zitadelle arbeiten bedeutende Künstler und vom Kunstamt Spandau werden hervorragende Ausstellungen dort und im Gotischen Haus initiiert. Es lohnt sich auch wegen der Kunst und der Künstler nach Spandau zu kommen – ich hoffe in Zukunft umso mehr!
Ausstellung: Cäsar W. Radetzky – Retrospektive 1993 -2015 Ölbilder und Zeichnungen, bis zum 30. April in der Galerie am Spandauer See, Zitadellenweg 20E. Die Galerie kann täglich, auch am Wochenende, nach telefonischer Anmeldung (0176 26804156) besucht werden .

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