Nahverkehr mit Berliner Umland : Alles spricht für den Ausbau der S-Bahn in Spandau

Neue Zahlen untermauern die Notwendigkeit einer Verlängerung der S-Bahnstrecke. Bezirkschef Kleebank über volle Züge, Grünphasen und den Flughafen Tegel.

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Die S-Bahn endet bisher in Spandau.
Die S-Bahn endet bisher in Spandau.Foto: During

Die Züge sind voll, der Ärger ist groß - und das schon seit langer Zeit. Und die Situation im Nahverkehr wird sich zuspitzen. Demnächst sollen die Zahlen einer neuen Korridoruntersuchung des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) vorgestellt werden. Die wird nach Informationen von Spandaus Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) ein beträchtliches Wachstumspotential für den Schienenverkehr ins westliche Berliner Umland beinhalten. Bis 2030 wird mit werktäglich 32.000 Fahrgästen zwischen Spandau und Albrechtshof, 22.000 zwischen Albrechtshof und Falkensee sowie 9000 zwischen Brieselang und Nauen gerechnet.

Keine Kapazitäten für mehr Regionalbahnen

Ein Aufkommen, das nur durch eine Verlängerung der S-Bahn bewältigt werden kann. Denn die Bahntrasse und vor allem der Bahnhof Spandau sind schon heute ein Engpass, in dem Fernzüge Vorrang vor den Regionalzügen haben. Die S-Bahnsteige sind dagegen nicht ausgelastet, signalisierte kürzlich der Berliner Konzernbeauftragte der Deutschen Bahn, Alexander Kaczmarek.

Wie berichtet, gibt es bereits eine Studie für eine Express-S-Bahn nach Nauen. Auch in Falkensee schließt Bürgermeister Heiko Müller (SPD) nicht mehr aus, dass die S-Bahn die beste Lösung für eine bessere Anbindung der rasant wachsenden Stadt an Berlin wäre.

Historische Fotos vom Bahnhof Spandau
Das Bild zeigt den Bahnhof Spandau, 1990 (heute S-Bhf: Stresow). Wir gucken gen Westen und stehen auf der heutigen ICE-Trasse.Weitere Bilder anzeigen
1 von 54Foto: Historische Sammlung der Deutschen Bahn AG/Sigmar Weber
31.05.2017 08:29Das Bild zeigt den Bahnhof Spandau, 1990 (heute S-Bhf: Stresow). Wir gucken gen Westen und stehen auf der heutigen ICE-Trasse.


Grüne Welle von Falkensee bis Spandau?

Indessen drängt Kleebank auch auf eine Verbesserung der Straßenverbindungen. In Falkensee wird derzeit die Spandauer Straße zwischen dem Stadtzentrum und der Landesgrenze Berlins ertüchtigt. Linksabbiegerspuren und eine grüne Welle bei der Ampelschaltung sollen den Pendlerverkehr beschleunigen. Deshalb sei es notwendig, das Endstück der Falkenseer Chaussee anzupassen und die Kreuzungssituation mit der Stadtrandstraße so zu optimieren, dass hier keine Staus entstehen. Wünschenswert sei, die grüne Welle auf Spandauer Seite mindestens bis zur Wasserwerkstraße fortzusetzen.

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Ein Stück weiter südlich kämpfen Spandau und Falkensee gemeinsam um die Verlängerung des derzeit an der Landesgrenze im Nichts endenden Brunsbütteler Dammes bis zur Landesstraße L20. Doch das Land Brandenburg lehnt die Finanzierung ab und die Gemeinde Dallgow/Döberitz, auf deren Territorium die benötigten Flächen liegen, will die Kosten nicht tragen, obwohl die Trasse in dem auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes Staaken entstandenen Solarpark sogar freigehalten ist.

Kleebank erneuerte seinen Vorschlag, dass die Berliner Stadtgüter als Eigentümer dem Solarpark ein Ersatzgelände zur Verfügung stellen und auf dem Areal ein Gewerbegebiet entsteht. Dann könnte der Straßenbau aus Mitteln der Wirtschaftsförderung finanziert werden. Alternativ, so der Bürgermeister, wäre es möglich, den Gewerbepark durch einen Investor entwickeln zu lassen, dem der Straßenbau zur Auflage gemacht wird. In beiden Fällen würde Dallgow/Döberitz von den Einnahmen aus der Gewerbesteuer profitieren.

Der Brunsbütteler Damm endet im Nichts.
Der Brunsbütteler Damm endet im Nichts.Foto: During

Spandau soll profitieren vom Technologieviertel am Flughafen Tegel

Damit Spandau auch von dem auf dem Gelände des bisherigen Flughafens Tegel geplanten Technologiepark profitieren kann, muss dieser nicht nur an die Siemensstadt sondern auch an das künftige Wohn- und Gewerbegebiet Inselstadt Gartenfeld sowie die Wasserstadt Spandau angebunden werden, wo bis zu 4000 neue Wohnungen entstehen sollen. Hier schwebt dem Bürgermeister eine nördlich der Hoka-Siedlung zur Bernauer Straße führende Straße einschließlich einer neuen Brücke über den Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal vor.

Ein Parkhaus am U-Bahnhof Haselhorst?

Um die neuen Siedlungsgebiete durch den ÖPNV zu erschließen, ohne den Knotenpunkt Rathaus weiter zu belasten, könnte der Bereich über den U-Bahnhof Haselhorst erschlossen werden. Neben einer Busanbindung kann sich der Bürgermeister ein Parkhaus für Park & Ride-Nutzer auf dem Ferdinand-Friedensburg-Platz vorstellen.

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