Teutonia zahlt Schulgeld : Von Spandau nach Uganda - Fußballer helfen Waisenkind

"Wir sind ein bunter Haufen", erzählt der Mannschaftkapitän. Die Fußballer von Teutonia 1899 griffen in ihre Mannschaftskasse und finanzieren so ein Oberschuljahr von Francis, 13.

Julia Sergon
Francis und Freunde.
Francis und Freunde.Fotos: promo

Von Hakenfelde nach Uganda: Fast 6000 Flugkilometer liegen zwischen Berlin-Spandau und dem Land in Zentralafrika. Eine Verbindung gibt es trotzdem – die Fußballleidenschaft.

Die Geschichte nimmt ihren Beginn in der Hakenfelder Straße 29. Hier liegt das Stadion Hakenfelde, ist die Heimat vom Traditionsklub SSC Teutonia 1899. Und diese Geschichte führt einmal quer über alle Grenzen hinweg zu Francis: einem 13 Jahre alten Vollwaisen aus Afrika, für den die 1. Herren die Patenschaft übernommen haben, wie der Klub jetzt auf seiner Facebook-Seite mitgeteilt hat.

"Wir waren uns schnell einig in der Mannschaft"

Anruf bei Benjamin Machalz, 32 Jahre alt, Mannschaftskapitän. "Wir sind ein sehr bunter Haufen aus Schülern, Studenten und verschiedensten Berufsbildern", erzählt Machalz. Er ist in Spandau aufgewachsen, wohnt dort noch immer.

Francis, Oberschüler, Fußballer.
Francis, Oberschüler, Fußballer.Foto: promo

Die Idee, Verantwortung für ein Kind in Uganda zu übernehmen, ist gewissermaßen in familiären Kreisen erwachsen. „Ich habe bei Geburtstagen und Golfveranstaltungen meines Vaters Etienne Salborn kennengelernt, den Initiator vom Verein Jangu. Er lebt seit 2014 dauerhaft in Uganda und koordiniert von dort Patenschaften zwischen Deutschland und Kindern aus dem ostafrikanischen Staat“, erzählt der 32-Jährige.  

Die Fußballer vom SSC Teutonia 1899.
Die Fußballer vom SSC Teutonia 1899.Foto: promo

Und von ihm hat der Mannschaftskapitän vor ein paar Wochen auch den Hilferuf erhalten, dass dringend noch drei Kinder für das neue Schuljahr eine Bürgschaft suchen. Die entscheidende Idee – ein Teamprojekt. "Als ich davon erzählt habe, waren wir uns schnell einig und haben sofort ernst gemacht“, sagt Machalz, der selbst Inhaber einer Webdesignfirma ist.

Die Mannschaft zahlt 480 Euro

Die Mannschaft spendet jährlich 480 Euro - damit Francis die 6.Klasse einer Oberschule besuchen kann. „Noch mehr als bei uns ist Bildung in Uganda eine wichtige Grundlage für einen guten Start ins Leben. Das wollten wir Francis gern ermöglichen“ erklärt der Spielführer stellvertretend für seine Mannschaft, die in der Landesliga antritt.

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1 von 95Foto: Tagesspiegel Archiv
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Der Junge kann in die Oberschule gehen

Um trotz der Entfernung eine gute Beziehung zu Francis aufzubauen, bekommt die Mannschaft monatlich per Post oder Video einen Einblick in den Alltag ihres Nachwuchskickers. Ein Trainingslager in Uganda, um ihn persönlich kennenzulernen, ist bisher aber noch nicht geplant.

Auch andere Teams, andere Klubs engagieren sich

Die Geschichte um Patenkind Francis ist im SSC Teutonia 99 kein Einzelfall. Der Verein zählt knapp 400 Mitglieder, ehrenamtliches Engagement ist hier ein großes Thema, erzählt Machalz. „Unsere 2.Männermannschaft ist gerade dabei, eine Spendenaktion für einen Jungen mit Blutkrebs ins Leben zu rufen, der selbst mal bei uns gespielt hat.“ Auch das Thema Integration nehmen die Teams aktiv in die Hand. „Wir haben jetzt zwei Flüchtlinge, die bei uns spielen. Mit der Verständigung ist es manchmal noch etwas schwierig, aber ich bin sehr stolz auf die Offenheit unserer Mitglieder“, sagt Geschäftsführer Michael Hesse. 

Und nicht nur dort bemühen sich Fußballer: Ganz aktuell haben sich zum Beispiel auch die Spandauer Kickers - der zweitgrößte Fußballverein im Bezirk (240.000 Einwohner) - für eine Patenschaft über „Jangu e.V.“ entschieden. 

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