Trikots des Spandauer Sport Vereins landeten im Senegal : Der SSV lebt weiter – in Afrika

Mal ganz oben, mal ganz unten, die 120jährige Geschichte des Spandauer SV war von Höhen und Tiefen geprägt. 2014 ging der Traditionsverein pleite, doch in seinen Farben wird jetzt in der Casamance gekickt.

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Das Team "Strand" posiert in den neuen Trikot aus Spandau.
Das Team "Strand" posiert in den neuen Trikot aus Spandau.Foto: privat

1894 als Spandauer Fußballclub Triton gegründet, der 1920 mit dem SC Germania zur Spandauer Sport-Vereinigung fusionierte, war der SSV zweimal Berliner Meister und fünfmal Pokalsieger. 1975 schaffte man es für eine Saison sogar in die 2. Bundesliga Nord, um nach etlichen Niederlagen gleich wieder abzusteigen. 2014 geriet der Club in finanzielle Schieflage. Das letzte Spiel verlor man am 23. November bei Berolina Stralau mit 6:0, fünf Tage später wurde die Mannschaft vom Spielbetrieb zurückgezogen. Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens im Dezember und der anschließenden Löschung aus dem Vereinsregister hörte der Spandauer SV auf, zu bestehen. Doch inzwischen wird in den rot-weißen Trikots mit dem SSV-Emblem und den roten Hosen wieder Fußball gespielt, rund 5200 Kilometer Luftlinie von Spandau entfernt.

Taktik-Besprechung vor dem Spiel im rot-weißen Look.
Taktik-Besprechung vor dem Spiel im rot-weißen Look.Foto: privat

Dass der SSV im fernen Afrika wieder auflebt, ist Manni zu verdanken, der über Jahrzehnte Mitglied in dessen Fanclub, den Tritonen, war. Sein Bruder ist mit einer Senegalesin verheiratet. Bei einem Besuch in der südlich von Dakar und Banjul (Gambia) gelegenen Provinz Casamance stieß man in der Ortschaft Diannah auf viele begeisterte Fußballer. Die treten regelmäßig auf Wiesen oder Sandflächen gegeneinander an, ohne dass es für sie eine organisierte Liga gibt wie für den Verein Casa Sports aus dem rund 100 Kilometer entfernten Ziguinchor, der in der senegalischen Ligue 1 in diesem Sommer den sechsten Platz belegte.

Blicken wir mal an den Kassenhäuschen vorbei.
Blicken wir mal an den Kassenhäuschen vorbei.Foto: André Görke

Weil die dörflichen Teams dagegen ohne einheitliche Spielkleidung antreten erinnerte sich Manni an die im Keller des ehemaligen SSV-Schriftführers Gerd Torgeler eingelagerte Spielerkleidung. Den ersten Satz brachte sein Bruder vor einem knappen Jahr nach Diannah, wo jetzt das Team „Strand“ stolz in den schmucken Trikots aus Spandau antritt. Inzwischen wurden drei weitere Trikotsätze per Schiff nach Dakar gebracht, um von dort aus weiter nach Ziguinchor transportiert zu werden, berichtete Manni dem Tagesspiegel. Das sind noch einmal zehn Stunden mit dem Auto oder zwölf Stunden mit dem Schiff. Ein Bekannter seiner Schwägerin, der in der Provinzhauptstadt selbst eine Mannschaft trainiert, soll die Spielkleidung dann an verschiedene Teams in seinem Umfeld weitergeben.

SSV-BVB 1976 - und er war dabei. Tagesspiegel-Leser Edmund Jonasson mit dem BVB-Star Zoltan Varga. Im Hintergrund die alten Kassenhäuschen.
SSV-BVB 1976 - und er war dabei. Tagesspiegel-Leser Edmund Jonasson mit dem BVB-Star Zoltan Varga. Im Hintergrund die alten...Foto: Edmund Jonasson
Spandau hatte öfter so seine Problemchen, wie dieses Bildchen aus dem Jahr 1978 zeigt (Dieter Hoeneß war hingegen ganz gut in Form - auch wenn es die erste Runde im DFB-Pokal war und somit nicht ganz vergleichbar ist mit Lewandowskis Show im September 2015 gegen Wolfsburg).
Spandau hatte öfter so seine Problemchen, wie dieses Bildchen aus dem Jahr 1978 zeigt (Dieter Hoeneß war hingegen ganz gut in Form...Foto: Imago

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Lesen Sie mehr im Tagesspiegel: Selbst Borussia Dortmund hatte mal schlechte Zeiten. Und spielte auch deshalb in der Zweiten Liga - gegen den Spandauer SV, einen mehr als besonderen Klub. Erinnern Sie sich?

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Lesen Sie mehr im Tagesspiegel: "Für uns fußballbegeisterte Schulkinder war ein Besuch am Askanierring eine schöne Alternative. Für wenig Eintrittsgeld spielten dort Mannschaften wie Borussia Dortmund oder Arminia Bielefeld in geradezu intimer Atmosphäre, denn mehr als 2000 Zuschauer kamen eigentlich nie." Die Erinnerungen von Tagesspiegel-Reporter Sven Goldmann finden Sie unter diesem Tagesspiegel-Link.

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