Brief einer Mutter an die Freunde ihres Sohnes : Zehn Pups-Witze - dann ist Schluss!

Warum muss sich ein "playdate" im Wohnzimmer abspielen, und wieso begeben sich Mütter freiwillig in Dauerbespaßungsschleifen? Unsere Autorin, Bloggerin aus Zehlendorf, könnte sich deshalb bald in den "Darth Vader" der Erzieherinnen verwandeln.

Nina Massek
Unsere Autorin bloggt auch als „Frau-Mutter“. Der Zehlendorf Blog kooperiert mit www.Frau-Mutter.com
Unsere Autorin bloggt auch als „Frau-Mutter“. Der Zehlendorf Blog kooperiert mit www.Frau-Mutter.comFoto: Anne Kreuz

Lieber Nico, Paul, Tom, Maximilian, Julius und Jakob,

schön, dass Ihr die Freunde von Sebastian seid und ich bin auch sicher, dass es noch Hoffnung gibt, das Ihr einmal ganz nette junge Männer werdet. Über das Wett-Pupsen und die Kacka-Witze sollte man noch mal reden, aber ok.

Ihr wollt Euch zum Spielen verabreden? Moment, da muss ich mal Eure Mamas fragen, ob Ihr da noch einen Termin frei habt. Und wo war gleich unser interaktiver, digitaler Familienkalender? Ich will Euch mal was sagen. Als ich ein kleines Mädchen war, also im letzten Jahrtausend, ist man einfach so bei Freundin x und Freund y vorbeigelaufen und hat geklingelt. Wir sind damals in den achtziger Jahren noch zu Fuß gelaufen, Jungs, krass, oder? Kein Minivan, kein SUV, der uns vor den Elementen geschützt hat, keine Mutter, die Spieltermine für uns ausmacht. Unsere Freizeit haben wir selbst geplant. Irre, oder?

Und wenn wir dann gespielt haben, wurde auch draußen gespielt oder im Kinderzimmer, denn dafür ist das ja da. Warum muss sich ein "playdate" eigentlich im Wohnzimmer abspielen? Ach ja, weil die Mama in der Dauerbespaßungsschleife mit den Kleinen bastelt, was das Zeug hält. Oder sich andere "sinnvolle Beschäftigungen" ausdenkt.

Warum langweilt Ihr Euch eigentlich so schnell? Ihr seid doch zusammen, denkt Euch mal was aus!

Und warum bin ich eigentlich für die Beseitigung dieser Langeweile zuständig? Ich will doch "Bunte" lesen, menno!

Noch was: In meinem Haus gelten Regeln! Meinen Kindern ist das egal, aber Ihr könnt Sie doch bitte befolgen! Ich bin übrigens auch bereit, Euch zu erziehen. Das macht mir gar nichts. Wer nicht "Bitte" sagt, kriegt keine Gummibärchen und erst recht nicht die grünen. Wenn ich Euch eine Frage stelle, bitte antwortet mir. Ihr seid noch nicht in der Pubertät, mein Gott!

Ihr könnt gerne Pups-Witze erzählen, aber nach dem zehnten reicht es dann.

Wenn Ihr meine Einrichtung zerstört, werde ich zu "Darth Vader", in echt!

Und übrigens, Maxi und Maxi-Mutter: die Graffitis an unserem Haus sehe ich nicht als "Kunst am Bau" an. Ist nur Kreide? Dann könnt Ihr sie ja gleich mal abwischen, ich stelle Euch gerne meinen Putzeimer zur Verfügung!

Liebe Mathilda, Lisa, Emily und Sara,

ich bin ja total gerührt, wie schön Ihr meine Blumen gegossen und Sebastians Kuscheltiere sortiert habt. Wollen wir nächste Woche mal den Keller aufräumen? Ihr könnt auch noch mal mit meinem Sohn "Diktat üben", dann muss ich das nicht mehr machen. Na klar, könnt Ihr Sebastian heiraten! Alle! Im Ehevertrag einfach festhalten, der Schwiegermutter wöchentlich Selbstgebackenes und Blumen vorbeizubringen, dann kommen wir ins Geschäft.

Alles Liebe
Eure Frau Mutter

Unsere Autorin bloggt regelmäßig unter www.frau-mutter.com, sie wohnt in Zehlendorf. Der Text erscheint auf dem Zehlendorf Blog, dem Online-Magazin des Tagesspiegels.




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