Gastbeitrag: Das Yalda-Fest zur Wintersonnenwende in der EMA-Gemeinde : Vom Dunkel ins Licht

am 21. Dezember ist Wintersonnenwende - die längste Nacht des Jahres. Traditionell wird dieser Tag in vielen Kulturen zelebriert. Auch die Teilnehmer des Gesprächskreises "Potentiale" laden heute zum persischen Wintersonnenwendfest.

Elmar Stapelfeldt
Aus Misstrauen wurde Freundschaft: Der Gesprächskreis "Potentiale" war ursprünglich aus Sorge ins Leben gerufen worden Foto: Stapelfeldt
Aus Misstrauen wurde Freundschaft: Der Gesprächskreis "Potentiale" war ursprünglich aus Sorge ins Leben gerufen wordenFoto: Stapelfeldt

Warum feiern wir Weihnachten eigentlich Ende Dezember? Viele Historiker meinen, dieses Datum für Jesu Geburt wurde im 4. Jahrhundert n. Chr. festgelegt und zwar aufgrund der Wintersonnenwende, die schon in der Antike festlich begangen wurde: Die dunkle Jahreszeit neigt sich dem Ende zu; die Tage werden wieder länger und man entzündet Lichter während freudvoller Feierlichkeiten, um die Helligkeit willkommen zu heißen.

Ähnliches tut man auch in anderen Kulturkreisen. In Persien z. B.! Dort wird am 21. Dezember das Yalda-Fest gefeiert. In der Yalda-Nacht besuchen sich Freunde und Verwandte, essen Melonen, Granatäpfel, rote Trauben und Backobst und entzünden große Feuer, die für Licht und Hoffnung stehen. Die Menschen sitzen beisammen bis zum Morgen und man liest sich Lyrik von den persischen Dichtern Hafis und Saadi vor.

Eines von Saadis Gedichten schmückt die Eingangshalle des UNO-Hauptquartiers in New York:

„Die Menschenkinder sind ja alle Brüder,

aus einem Stoff wie eines Leibes Glieder.

Hat Krankheit nur einzig Glied erfasst,

so bleibt anderen weder Ruh noch Rast.

Wenn anderer Schmerz dich nicht im Herzen brennt,

Verdienst du nicht, dass man noch Mensch dich nennt.“

Teilnehmer des Flüchtlingsprojekts Potentiale bei der Vorbereitung auf das Yalda-Fest Foto: Stapelfeldt
Teilnehmer des Flüchtlingsprojekts Potentiale bei der Vorbereitung auf das Yalda-FestFoto: Stapelfeldt

In unserem Flüchtlingsprojekt „Potentiale – Gespräche mit jungen geflüchteten Männern“, das immer donnerstags in der Ernst-Moritz-Arndt-Gemeinde stattfindet, haben wir gelernt, wie wahr diese Aussagen sind. Ursprünglich haben wir den Gesprächskreis aus Sorge ins Leben gerufen. Nach der Silvesternacht in Köln befürchteten wir, dass all die Potentiale, die die Flüchtlinge mit in unser Land bringen, umschlagen könnten. Wir wollten auf diese Menschen zugehen, die schon seit geraumer Zeit anonym in den Unterkünften unserer Nachbarschaft lebten. Wir stellten uns ihre Situation vor - das Warten und die Ungewissheit nach der langen lebensgefährlichen Reise! Und wir hofften, in Gesprächen kulturelle Unterschiede erklären und Gewaltpotential abfangen zu können.

Inzwischen – ein halbes Jahr später – sind wir zu einem Kreis von Freunden zusammengewachsen. Schon bei den ersten Sitzungen lösten sich unsere Sorgen auf. Begegnung und Austausch sind starke Heilmittel für Ängste! Die ergreifenden Berichte von ihren Fluchterlebnissen öffneten spontan unser Herz für Mitgefühl und Hilfsbereitschaft. Seitdem versuchen wir ihnen bei ihren Fragen zum Asylverfahren sowie bei der Wohnungs- und Arbeitssuche zu helfen.

Viele Geflüchtete stammen aus alten Kulturen mit vielen Bräuchen

Doch neben all den praktischen Dingen, spaßen und feiern wir auch gern zusammen. Es sind fröhliche Menschen, die viel zu bieten haben. Sie stammen aus alten Kulturen, mit vielen Bräuchen, die Freude vermitteln und Gemeinschaft vertiefen.

Zur Wintersonnenwende am 21. Dezember 2016 feiern wir gemeinsam das „Fest der Kulturen“ ab 17 Uhr im Gemeindesaal der Ernst-Moritz-Arndt-Gemeinde. Im Sinne des Yalda-Festes werden unsere Gäste für die einheimischen Gäste kochen und Gedichte, Gesang, Bilder und eventuell auch eine kleine Theateraufführung aus ihrer Heimat präsentieren. Jeden Programmpunkt unserer Gäste wird das Gastgeberteam von „Potentiale“ mit einem Beitrag aus dem deutschen Kulturkreis ergänzen. Auch ein Sketch zu kulturellen Missverständnissen ist geplant und zu Eindrücken von der langen Reise, die sie alle hinter sich haben.

Und ist die Weihnachtsgeschichte nicht im Grunde auch eine Flüchtlingsgeschichte?

Yalda-„Fest der Kulturen“ am 21. Dezember 2016 ab 17 Uhr im Gemeindesaal der Ernst-Moritz-Arndt-Gemeinde. Eintritt ist frei!

Der Autor ist Heilpraktiker und Buchautor aus Zehlendorf und engagiert sich seit fast einem Jahr ehrenamtlich im Flüchtlingsprojekt "Potentiale".

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