Gründungscampus Fubic : Steglitz-Zehlendorf bekommt ein kleines Adlershof

Bis 2021 soll in FU-Nähe ein Gründungszentrum als "Ökologischer Leuchtturm" entstehen - mit 50 Millionen Euro.

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Das Gelände des ehemaligen US-Militär-Krankenhauses in der Fabeckstraße in Dahlem, auf dem das FUBIC entstehen soll.
Das Gelände des ehemaligen US-Militär-Krankenhauses in der Fabeckstraße in Dahlem, auf dem das FUBIC entstehen soll.Foto: Boris Buchholz

In der Dahlemer Fabeckstraße 62 entstehe der „zweitgrößte Gründungscampus der Stadt“, sagte Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) sichtlich zufrieden beim Pressetermin am Mittwoch. Das Technologie- und Gründungszentrum FUBIC werde in zweierlei Hinsicht ein „Leuchtturm“ im Südwesten sein: Zum einen hätten die Ausgründungen der Freien Universität Berlin dann endlich einen Ort in Uni-Nähe, an dem sie sich niederlassen könnten. Zum anderen soll das FUBIC seine Energie ausschließlich aus erneuerbaren Energien beziehen – und auch noch die Umgebung mit sauberem Strom versorgen. Elektromobilität werde ebenso bedacht wie der Bau von Gebäuden, die sich selbst klimatisieren.

Im ehemaligen US-Militär-Krankenhaus sollen auf einer Nutzfläche von etwa 18.600 Quadratmetern zwischen 60 und 80 Unternehmen angesiedelt werden, die sich mit Life-Sciences, Gesundheit und Klima beschäftigen. Auf 50 Millionen Euro werden die Investitionskosten für das High-Tech-Gründerzentrum geschätzt. 90 Prozent davon sollen als Fördermittel eingeworben werden, den Rest finanziert die WISTA-Management GmbH, die als landeseigenes Unternehmen auch den Technologiestandort Adlershof betreibt.

Städtebaulicher Vertrag ist unterschrieben

Diese Woche haben WISTA und Bezirk den Städtebaulichen Vertrag unterzeichnet. In ihm wird neben den energetischen und unternehmerischen Rahmenbedingungen festgelegt, dass das fünf Hektar große Gelände zu 60 Prozent von Gründern und zu 40 Prozent von bestehenden Unternehmen und der Freien Universität genutzt werden darf.

Für Wirtschaftsstaatsekretär Henner Bunde (CDU) ist es wichtig, „die exzellente universitäre Forschung wirtschaftlich nutzbar zu machen“. Nur so würden man es schaffen, „kluge Köpfe in der Stadt zu halten“. Peter-André Alt, Präsident der Freien Universität, betont, dass jeder 18. Student seiner Universität „dabei ist zu gründen“. Jedes Jahr würden aus der Freien Universität 25 neue Unternehmen gegründet, doch nur wenige siedeln sich in der Nähe der Universität an. „Rund um die FU mangelt es an Räumen“, erklärt Staatssekretär Bunde. Universitäre Gründer würden sich gerne fußläufig zur Alma Mater ansiedeln, um Ressourcen wie Rechnerkapazitäten und Know-How der Fachbereiche noch nutzen zu können. Der FU-Präsident pflichtet bei und ergänzt: „Berlin braucht nicht nur ein Adlershof.“ Das FUBIC passe sehr gut zum weltoffenen Charakter von Steglitz-Zehlendorf mit seinen diversen international angesehenen Forschungseinrichtungen.

Die Fünf vom FUBIC (von links): Reinhard Baumgarten, Henner Bunde, Peter-André Alt, Cerstin Richter-Kotowski, Roland Sillmann.
Die Fünf vom FUBIC (von links): Reinhard Baumgarten vom Regionalmanagement SÜDWEST, Wirtschaftsstaatssekretär Henner Bunde,...Foto: Boris Buchholz

Die fünf vom FUBIC – Bezirk, Land, Freie Universität, die landeseigene Betreiberfirma WISTA-Management GmbH und das Regionalmanagement SÜDWEST – wollen rasch Baurecht schaffen. „Wir sind sehr interessiert an einem schnellen Baufortschritt“, betont FU-Präsident Alt. Im Juni werden die Planungen öffentlich ausgelegt, die Bezirksverordnetenversammlung soll noch im Sommer über den Bebauungsplan entscheiden. Der Antrag auf Fördermittel wird nach Aussagen der WISTA in der zweiten Jahreshälfte gestellt werden. Ab 2019 sollen sich die Kräne drehen, im Jahr 2021 wollen sich die fünf an gleicher Stelle wieder treffen, um die Einweihung zu feiern.

Innovative Zwischenlösungen

Doch sind sowohl dem WISTA-Geschäftsführer Roland Sillmann und als auch Peter-André Alt vier Jahre Planungs- und Bauzeit zu lang – es müssen schon vorher Ergebnisse sichtbar werden. Derzeit baut die Freie Universität deshalb das ehemalige Präsidialamt zur „FU-Gründervilla“ um; im zweiten Quartal 2018 soll sie bezugsfertig sein. Außerdem denken WISTA und Universität an Forschungslabore in Containern, „Inkulab“, die von der Technischen Universität Berlin zusammen mit der WISTA entwickelt wurden. Ein solches „Inkulab“ könnten sich die FUBIC-Macher auch in der Fabeckstraße vorstellen. Hinzu kommt ein weiterer Plan: Da um das zentrale Hauptgebäude des FUBICS noch sechs privat finanzierte Satelliten-Gebäude entstehen sollen, denkt WISTA-Geschäftsführer Sillmann darüber nach, „beim ersten Investor, der fertig gebaut hat, 3000 Quadratmeter Fläche zu mieten“. Dann könnte das FUBIC vermutlich schon weit vor 2021 seine Arbeit aufnehmen.

Auf dem fünf Hektar großen Gelände werden sich Firmen der Bereiche Life-Sciences, Gesundheit und Klima ansiedeln können.
Auf dem fünf Hektar großen Gelände werden sich Firmen der Bereiche Life-Sciences, Gesundheit und Klima ansiedeln können.Foto: Boris Buchholz

Um die Anwohner und die interessierte Öffentlichkeit über die laufenden Entwicklungen und den Bau- und Planungsfortschritt zu informieren, wird die WISTA das Pförtnerhaus des ehemaligen Krankenhauses perspektivisch als Informationspavillon nutzen. Außerdem kündigten Vertreter der WISTA an, dass während der öffentlichen Auslegung der Bebauungspläne im Frühsommer eine Bürgerveranstaltung vor Ort stattfinden werde. Auch über eine Busfahrt von interessierten Bürgern nach Adlershof werde nachgedacht – um zu zeigen, dass von einem modernen Innovationszentrum weder Lärm noch Dreck verursacht werde.




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